Dass das Ernst-Sigle-Gymnasium in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) wohl bald umbenannt wird, beschäftigt auch den Rektor dort. Warum er froh über das Gutachten ist.
Seit 65 Jahren trägt das Kornwestheimer Gymnasium den Namen Ernst Sigles, seit zehn Jahren ist Christoph Mühlthaler dort Rektor. Der Mittfünfziger verfolgt die aktuelle Entwicklung zur NS-Vergangenheit des Namensgebers genau: „Wir sind froh, dass das Thema jetzt angegangen wird“, sagt der Oberstudiendirektor.
Vereinzelt habe es in den vergangenen Jahren aus der Schülerschaft immer wieder Fragen zu Ernst Sigle gegeben. „Es war meist in Wellen immer mal wieder Thema“, sagt Mühlthaler. Wegen einer fehlenden wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Person sei man da auch als Schule oft tiefergehende Antworten schuldig geblieben.
Mühlthaler hatte gehofft, dass das Gutachten ergebe, dass Ernst Sigle weiterhin als Vorbild für Schüler tauge. Dass dem nun offenbar nicht so sei, akzeptiere man. Gut sei auf jeden Fall, dass jetzt erst einmal mehr Licht ins Dunkle gebracht wurde.
Interesse an Historie überschaubar
„Der Dank geht natürlich auch die Stadtverwaltung und den Gemeinderat, die jetzt das Thema angegangen sind“, sagt Mühlthaler. Es brauche eben auch den politischen Willen dazu. Der Name sei letztlich Sache der Stadt als Träger des Gymnasiums. Deshalb ist der Prozess für eine Umbenennung auch in deren Händen.
Dass das Thema nun alle Schüler beschäftige, kann man aber nicht sagen. Zu einer Infoveranstaltung zum Gutachten über die NS-Vergangenheit Ernst Sigles speziell für die Gymnasiasten seien von 450 eingeladenen Schülern gerade einmal 40 gekommen. Darunter seien aber auch sehr engagierte Schülerinnen und Schüler gewesen, die gute Fragen an die Autorin des Gutachtens gestellt hätten.
Ernst Sigles Rolle in der Schule
Im Schulalltag spielt der Namensgeber eher eine untergeordnete Rolle. Neben dem Schriftzug am Eingang, findet sich im Eingangsbereich an der Seite eine kleine Büste Ernst Sigles. „Von seiner Frau gestiftet“, sagt Mühlthaler. Aktuell hängt an der Büste auch die Pressemitteilung der Stadt zum Gutachten über Sigles Verhalten im Nationalsozialismus.
Wie soll es nun weitergehen und welche Rolle kann dabei die Schulgemeinschaft spielen? Große Kampagnen sind an der Schule nicht zu erwarten: „Wir haben tatsächlich mit unserem Hauptgeschäft – der Wissensvermittlung – gut zu tun“, sagt Mühlthaler.
Ehemalige melden sich bei Schule
Gleichzeitig berichtet der Schulleiter von vielen Mails, die ihn erreichten, mit Namensvorschlägen. Das Thema beschäftige auch viele Ehemalige, die sich an die Schulleitung wenden mit ihren Sorgen, Befürchtungen oder eigenen Erinnerungen an Diskussionen um den Schulnamen.
Gerade beim weiteren Prozess muss der Schulleiter da an die Stadtverwaltung verweisen. Aber natürlich werde man sich im Prozess nicht herausnehmen. Noch sei aber noch gar nicht klar, wie eine Beteiligung genau aussehen werde.
Einen Wunsch hat Mühlthaler allerdings für den weiteren Prozess: Er hofft dass die Marke „Eine starke Gemeinschaft“ bestehen bleibt. Das wird seit Jahren verwendet, wohl auch um eine gewisse Distanz zum Namensgeber zu wahren. So könnte ein Stück ESG auch beim neuen Namen bleiben und die Alt-ESGler würden sich auch unter neuem Namen wiederfinden.