Margita Kienle betreibt in Korntal-Münchingen und Stuttgart-Weilimdorf gleich zwei Spielzeugläden. Wie aus einer Idee eine Erfolgsgeschichte geworden ist.
Einen eigenen Laden zu eröffnen, davon hat Margita Kienle keinesfalls schon immer geträumt. Es sei eine Idee gewesen, die sich entwickelt habe, erzählt die 52-Jährige. Mittlerweile führt sie zwei Geschäfte in einer hart umkämpften Branche: Sowohl im Korntal-Münchinger Stadtteil Korntal als auch in Stuttgart-Weilimdorf betreibt Margita Kienle einen Spielzeugladen, der hier wie dort Lieblingsladen heißt. Außer Spielwaren verkauft sie Kinderkleidung und Geschenkartikel.
Ihr Konzept, diese Waren zu kombinieren, beim Angebot „breit zu streuen“, um möglichst viele Menschen anzusprechen, ist offenbar ein Erfolgsbringer. Die Läden seien von Anfang an angenommen worden. Kienle berichtet von Stammkunden, die mehr als die Hälfte ihrer Kundschaft ausmachten, und von Kunden „auch von weiter her“, vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit. „Man muss sich abheben“, sagt sie.
Korntal-Münchingen und Stuttgart-Weilimdorf – Margita Kienle betreibt gleich zwei Spielzeugläden
Nun, fast zehn Jahre, nachdem im Jahr 2017 in der Mirander Straße in Korntal in einem ehemaligen Schuhladen alles begonnen hat, sagt Margita Kienle: „Mit den Läden habe ich mir einen Traum erfüllt. Da steckt so viel Herzblut drin.“ Die Zeit bis zur Eröffnung hatte die damals angehende Unternehmerin Kraft gekostet. Denn mit der Frage, wie Einzelhandel funktioniert, wie man ein Geschäft aufbaut, hatte sich Margita Kienle bis dato nicht beschäftigt. „Das war für mich völliges Neuland.“
Also fing sie an zu recherchieren und sich einzulesen. Später machte sie sich viele Gedanken, etwa wegen der Einrichtung. So wollte sie Holzregale statt „Standard“ für ihren „Wohlfühlladen“. Ihr Vorhaben parallel zum Familienleben umzusetzen, das sei „schon viel gewesen“, erinnert sich Margita Kienle.
Sie ist von Haus aus Übersetzerin. Nach dem Studium stieg sie jedoch in Stuttgart bei einem Elektronikkonzern ein, wo sie im Marketing und Vertrieb tätig war. Sie organisierte Messen weltweit und war für die Kundenbetreuung zuständig. Nach der Geburt ihrer vier Töchter wollte sich Margita Kienle beruflich neu orientieren – und hier kam die damals leer stehende Immobilie in der Korntaler Innenstadt ins Spiel.
Wegen ihrer Kinder, die nun zwischen 15 und 21 Jahre alt sind, macht Margita Kienle in Sachen Spielzeug keiner etwas vor. Deshalb entschied sie sich auch dafür, Spielwaren zu verkaufen. Die 52-Jährige spricht von einem „großen Erfahrungsschatz“, den sie im Laufe der Jahre gesammelt habe. Das zweite Geschäft in Weilimdorf hat sie jetzt seit drei Jahren. In den Räumen war schon vorher ein Spielzeugladen gewesen. Die Leute hätten es bedauert, wenn es dieses Angebot im Ort nicht mehr gegeben hätte, sagt Margita Kienle. Sie nutzte die Gunst der Stunde und übertrug ihr in Korntal „gestandenes Konzept“.
In Weilimdorf zugegriffen – und noch einen Spielzeugladen eröffnet
Rückblickend meint Margita Kienle: Es sei schon gewagt gewesen, Spielzeugläden zu eröffnen. Schließlich ist die Konkurrenz groß: Die Einkaufsmöglichkeiten im Internet sind schier unendlich, und auch branchenfremde Unternehmen wie Supermärkte und Drogeriemärkte haben Spielwaren im Sortiment. Immer mehr Händler geben auf. Ende 2021 schloss das Stuttgarter Traditionsgeschäft Spielwaren Kurtz, der Nachfolger scheiterte ebenfalls. Das Aus bescherte indes Margita Kienle mehr Zulauf. Im Januar hat auch der Spielwarenhändler Rofu Kinderland Insolvenz angemeldet.
Erst wird im Netz gestöbert, dann wird im Laden geshoppt
Auch Margita Kienle spürt den Druck in der Branche. Den Umzug von Drogerie Müller im Herbst 2018 in den ehemaligen Edeka-Markt in der Johannes-Daur-Straße, nur einen Steinwurf von ihrem Geschäft in Korntal entfernt, habe sie gemerkt. Direkt neben dem Spielzeugladen war bereits eine Buchhandlung, beide Geschäfte sind durch einen Durchgang miteinander verbunden. Das bewertet Margita Kienle positiv: Die Kunden fänden den Durchgang „toll“, berichtet die Unternehmerin. Und auch, es sei ein „nettes Miteinander“ mit dem Nachbarn. „Wir ergänzen uns.“
Seit der Corona-Pandemie hat Margita Kienle einen Onlineshop. Kunden schauten sich gern erst dort um, ehe sie gezielt ins Geschäft kämen, um einzukaufen. Viele schätzten es, die Dinge zu sehen, anzufassen, sich beim Stöbern im Laden inspirieren zu lassen – oder sich von Margita Kienle beraten zu lassen. Wer möchte, dem packt sie das Gekaufte auch liebevoll als Geschenk ein.
Die Ladenchefin führt ihren Erfolg nicht nur auf ihr Konzept zurück. „Was hier – und auch in Weilimdorf – funktioniert, ist das familiäre Umfeld und die persönliche Ansprache, der persönliche Kontakt“, stellt Margita Kienle fest. Sie, die in Weilimdorf wohnt, an der Grenze zu Korntal, und seit jeher in beiden Orten unterwegs ist, kennt einen Großteil der Kunden mit Namen. „Ich höre von den Kunden auch immer wieder, dass sie bewusst den lokalen Einzelhandel fördern wollen“, sagt Margita Kienle. Gleichzeitig merke sie aber auch, dass die Menschen in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten mehr aufs Geld achten.
Trotz aller Hürden – und der Tatsache, dass ihr als Unternehmerin wenig Freizeit bleibt: „Mir macht mein Job riesig Spaß und Freude“, sagt Margita Kienle. Und sie ist froh um ihr Team an beiden Standorten: „Alle sind mit Herzblut dabei“, sagt sie.