Orientalische Klänge in Denkendorf: Der Oud-Solist Bakr Khleifi und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim entführen in eine faszinierende Weltmusik.
Bei seiner Programmkonzeption ist das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim äußerst kreativ. Oft verlässt es die ausgetretenen Pfade der immer wieder gespielten Standardwerke, widmet sich vielfältigen Cross-Over-Projekten und weitet mit speziellen Programmen den Blick für die Weltmusik. Beim Gastspiel in Denkendorf hatte das Ensemble etwas ganz Besonderes im Gepäck: Mit seiner Oud, einer aus Persien stammenden Kurzhalslaute, zauberte der in Jerusalem geborene Bakr Khleifi orientalische Klänge in die Festhalle der Fildergemeinde.
„Unser Konzert ‚Musik des Nahen Ostens‘ möchte mit Tönen Brücken bauen und ein Zeichen setzen für Frieden und Verständigung“, sagte Christa Brockhaus-Henzler, die Vorsitzende des Veranstaltungsrings Denkendorf: Ein Anliegen, das in unseren turbulenten Zeiten wichtiger ist, denn je. Umso bedauerlicher war es, dass in der Festhalle doch einige Plätze frei blieben.
Oud-Solist Bakr Khleifi gelingt Symbiose mit Kammerorchester
Dabei konnte das Publikum an diesem Abend ein außergewöhnliches Hörerlebnis genießen, das mit Werken jüdischer Musiker und Kompositionen des Ägypters Daud Hosni und von Saleh Kuwaiti aus dem Irak in den aufregenden Klangkosmos der arabischen Welt entführte.
Bakr Khleifi, der in Schweden und Tel Aviv Kontrabass und Oud studiert hat, gelang in aparten Arrangements eine geglückte Symbiose zwischen den in der Tradition verhafteten Oud-Klängen und der Besetzung eines europäischen Kammerorchesters: Beide Welten ergänzten sich aufs Beste.
Geheimnisvoll begann das eröffnende „Ramani Bisahmi“, mit einem fragilen Geigentremolo im Pianissimo, punktuellen Bassaktionen und monotonen Melodiefragmenten der Cellogruppe. In diesen Klangteppich mischten sich klare Oud-Töne, die einen reizvollen Kontrast zum weichen Streichersound setzten.
Sogleich tauchte die Musik ein in eine für unsere Ohren ungewohnte Welt der Töne, mit exotischen Skalen, besonderen rhythmischen Mustern und einer Fülle an Mikrotönen. Für Manche im Publikum mag es eine akustische Herausforderung gewesen sein, doch wer die Augen schlosss und sich auf die Musik einließ, spürte den besonderen Zauber dieser meditativen Musik, die in eine ferne Welt entführte.
Pforzheimer Orchester meistert exotische Klangklippen
Dem Pforzheimer Orchester, das sich vornehmlich mit mitteleuropäischer, tonal geprägter Musik beschäftigt, stellten Bakr Khleifis modale, mit Mikrotönen gespickte Skalen, die asymmetrische Rhythmik und die exotischen Intervalle so manche gefährliche Klippe. Doch die vom Konzertmeisterpult aus sicher geführten Musikerinnen und Musiker umschifften diese sehr achtbar.
In gut abgestimmtem Zusammenspiel mit den Streichern entpuppte sich Bakr Khleifi als versierter Musiker, der die Saiten seines Instruments mit einem überdimensionierten Plektrum gekonnt anriss. Khleifis Meisterschaft zeigte sich insbesondere in den ausgeprägten Kadenzen, in denen er die Oud in vielen Facetten zum Klingen brachte: technisch brillant, stilsicher und mit farbiger Tongebung.
„Wie makellos der Solist sein Instrument beherrscht, fasziniert mich“, sagte Doris Schwarz, die als Besucherin die Vielfalt des Programmangebots des Veranstaltungsrings Denkendorf sehr schätzt. Und dennoch blieb ein Wermutstropfen: Da es weder ein gedrucktes Programm noch mündliche Erläuterungen zu den gespielten Werken gab, fühlten sich die Zuhörer etwas allein gelassen. Hier hätte ein Mehr an Informationen zum Verständnis der für viele doch fremdartigen Musik beigetragen.
Das schmälerte den Hörgenuss jedoch nur marginal. Als das tänzerisch inspirierte Schlussstück „Wen Rayeh Wen“ verklungen war, gab es viel Applaus und eine von Bakr Khleifi souverän servierte Solo-Zugabe.