Tonino Baliardo (rechts) war eines der Gründungsmitglieder der Gipsy Kings. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Mit Flamenco-Pop und Sommer im Sound feiern die Gipsy Kings ihre fast 50-jährige Bandgeschichte. Kritik und Bilder vom Auftritt im LKA/Longhorn in Stuttgart.

Wie mitreißend Latino- und Flamenco-Rhythmen sein können, zeigen aktuell Künstlerinnen und Künstler wie Rosalía und Bad Bunny. Dass Musik mit dem Sommer im Sound aber schon immer begeistert hat, davon konnte man sich am Sonntag im LKA/Longhorn überzeugen: Dort gaben die Gipsy Kings ihr temperamentvolles Gitarrenfeuerwerk zum Besten.

 

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die „Hotel California“-Version der Gipsy Kings, die in der legendären Bowlingszene im Film „The Big Lebowski“ zu hören ist. Den meisten dürften die Gipsy Kings aber vor allem durch ihre Hits „Bamboléo“, „Djobi Djoba“ und ihr „Volare“-Interpretation (Im Original: „Nel blu, dipinto di blu“) bekannt sein. Mit diesen Songs machten sie seit den frühen 1980er-Jahren Rumba- und Flamenco-Pop international populär und wurden 2014 in der Kategorie Weltmusik mit einem Grammy ausgezeichnet.

Am Anfang und am Ende: „Volare“

Um 20:15 Uhr stürmen neun Musiker die Bühne und stimmen kurz „Volare“ an – was später bei der Zugabe noch ausgiebig gefeiert wird. Aus dem Publikum sind „Vamos!“-Rufe zu hören, hier und da schwingen Flamenco-Röcke durch den Saal. Es folgen 90 Minuten mit rasanten Akustikgitarren, Palmas – dem typischen rhythmischen Händeklatschen des Flamenco –, pathetisch-leidenschaftlichem Gesang und tanzbaren Grooves mit Percussion, Keyboard, E-Bass und Drums. Kitschig darf es auch sein, etwa bei der Version von „My Way“. Auf ihrer „Historia“-Tour zum gleichnamigen Album präsentieren die aus Südfrankreich stammenden Musiker neue und alte Songs und feiern damit ihre fast 50-jährige Bandgeschichte.

Tonino Baliardo an der Flamenco-Gitarre

Mittlerweile treten die Gipsy Kings, die ursprünglich aus katalonischen Roma-Familien stammen, in wechselnden Besetzungen auf. Gründungsmitglied Tonino Baliardo ist an diesem Abend dabei und verantwortlich für die charakteristische Flamenco-Gitarre. „Baila Me“, „Un Amor“ und „Bem, Bem Maria“ heizen dem ohnehin schon warmen Saal im LKA/Longhorn zusätzlich auf.

Das Publikum fächert sich Luft zu, während die Band sichtbar Freude an ihrer sogenannten Rumba-Catalana hat. Die Musiker nicken und lachen sich zu, kommunizieren über ihr Gitarrenspiel – und lassen schließlich bei „Bamboléo“ eine Flamenco-Tänzerin in leuchtendem Rot auftreten, die das große Finale einleitet.

„Bamboléo“ erzählt vom unbeschwerten Leben, von Leichtigkeit, vom Tanzen und Feiern. Das war beim Auftritt der Gipsy Kings zu erleben – bei Musik, die ins Blut geht.