Das Gebäude in der Bolzstraße in Kornwestheim soll bald Flüchtlinge beherbergen. In der Diskussion nimmt nun die Gluckerschule, die bisherige Mieterin des Hauses, Stellung.
Wie geht es weiter mit der städtischen Immobilie in der Bolzstraße 25? Diese Frage löst in Kornwestheim weiterhin Diskussionen aus. Der Gemeinderat soll am Donnerstag, 26. Februar, entscheiden, ob dort Obdachlose und Geflüchtete aus der Ukraine unterkommen werden. Dieser Plan hat in der Nachbarschaft Widerstand ausgelöst. Nun nimmt auch die Gluckerschule, die bisherige Mieterin des Gebäudes, Stellung.
Die Berufsfachschule bildet in den Bereichen Sport, Gymnastik und Physiotherapie aus und hat ihren Campus am Stadion in der Jägerstraße. Das Gebäude in der Bolzstraße, das die Stadt Kornwestheim im Jahr 2008 erworben hat, hat die Schule seit 15 Jahren angemietet, um dort ein Wohnheim für ihre Schüler zu betreiben. In den rund 80 Zimmern mit einer Größe von 10 bis 15 Quadratmetern können die auswärtigen Schüler kostengünstig wohnen.
Schule will nur noch wenige Zimmer nutzen
Die Zusammenarbeit mit der Stadt habe immer hervorragend funktioniert, betont Philipp Hausser, Geschäftsführer der Gluckerschule. „In den vergangenen Jahren wurde jedoch unser Bedarf schrittweise immer weniger“, sagt er. Das liegt daran, dass die Schülerzahlen im Sport- und Gymnastikbereich bundesweit seit Jahren rückläufig sind. Schon vor einiger Zeit hat sich die Gluckerschule daher breiter aufgestellt und bietet seither auch die Physiotherapie-Ausbildung an. In diesem Bereich ist das Einzugsgebiet wesentlich kleiner, sodass die angehenden Therapeuten zumeist nach Kornwestheim pendeln – und keinen Wohnheimplatz brauchen.
Um Leerstände zu vermeiden und keine finanziellen Verluste zu erleiden, habe man nicht nur Schüler der Gluckerschule in der Bolzstraße als Mieter aufgenommen, erklärt Wohnheimleiter Matthias Schnabel. Auch externe Mieter, darunter vor allem Werkstudenten und Auszubildende, haben in den vergangenen Jahren in dem Gebäude gewohnt.
Da der Anteil der externen Mieter wuchs und der Anteil der Schüler weiter sank, hatte die Schule im Mai vergangenen Jahres den Mietvertrag gekündigt – er läuft noch bis zum 30. April. In Zukunft wird die Gluckerschule nur noch 10 bis 15 Zimmer in der Bolzstraße 25 für ihre Schüler belegen.
Circa 30 Personen haben daher im Zusammenhang mit dem Auslaufen des Mietvertrags mit der Stadt eine Kündigung erhalten. Den Vorwurf einzelner Mieter, die Gluckerschule habe dies zu spät kommuniziert, weisen Hausser und Schnabel jedoch vehement zurück. „Wir haben fristgerecht drei bis vier Monate im Voraus gekündigt“, sagt der Geschäftsführer. Zudem wurden einzelne Betroffene wesentlich früher informiert, was sich im Haus herumgesprochen hat.
Stadt hilft Externen bei der Wohnungssuche
Das Vorhaben der Stadt, die Zimmer künftig für die Unterbringung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine und obdachlosen Personen zu nutzen, unterstützt die Gluckerschule ausdrücklich. „Wir stehen für Vielfalt“, sagt Hausser. Er hat keinerlei Bedenken, dass das Zusammenleben in dem Gebäude funktionieren wird. „Wir haben bislang nur positive Erfahrungen mit Schülern aus der Ukraine gemacht“, betont er. Auch die auswärtigen Schüler der Gluckerschule, die in der Bolzstraße bleiben sollen, hätten keine Einwände erhoben.
Was passiert mit den gekündigten Mietern? Nur zwei Personen, die in dem Wohnheim leben und eine neue Unterkunft benötigen, haben sich bislang bei der Stadt Kornwestheim gemeldet. Sie wurden zu einem Gespräch eingeladen, teilt die Pressestelle mit. „Dieses Angebot hat jedoch nur eine Person wahrgenommen – und sie hat inzwischen ein Wohnungsangebot erhalten“, heißt es. Auch weitere Bewohner will die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Suche unterstützen, falls das gewünscht ist.