Kontaktlos bezahlen - Wann muss man die PIN eingeben? Foto: Viktoriia Hnatiuk/Shutterstock

Sie möchten im Supermarkt oder einem anderen Laden mit Ihrer Karte kontaktlos bezahlen und müssen trotzdem die PIN eingeben? Wir erklären, woran das liegt.

Kontaktloses Bezahlen soll den Vorgang an den Kassen einfacher und schneller machen. Normalerweise hält man sein Handy, seine Kredit- oder EC-Karte einfach nur an das entsprechende Gerät, wartet einen Augenblick – und schon ist es erledigt. Gerade in Zeiten von Corona ist das eine willkommene Alternative, da man weder mit Geld noch mit fremden Händen oder Geräten in Berührung kommt. Doch manchmal klappt es eben doch nicht so wie gedacht: Dann muss beim kontaktlosen Bezahlen trotzdem die PIN eingegeben werden.

Wie funktioniert das kontaktlose Bezahlen?

Moderne Kredit- und Girokarten sind mit der sogenannten Near Field Communication (NFC) ausgestattet. Ein Wellensymbol auf der Karte zeigt an, ob die Karte zum kontaktlosen Bezahlen geeignet ist. Auch im Laden finden Sie dieses Wellensymbol in der Nähe des Bezahlterminals. Es zeigt an, dass hier diese Form des Bezahlens möglich ist. Bereits seit 2012 gibt es NFC.

Damit Kunden nicht versehentlich mehrmals bezahlen, muss der Mitarbeiter an der Kasse jede Zahlung per Eingabe aktivieren.

Es gibt zwei Methoden, wie das Bezahlen per NFC mit Girokarten funktioniert:

  1. Sie laden den NFC-Chip Ihrer Karte auf, zum Beispiel am Geldautomaten. Das Guthaben ist auf 200 Euro begrenzt und die NFC-Funktion greift nicht auf das Guthaben Ihres Girokontos zu.
  2. Sie besitzen eine Girokarte, die ohne Aufladen des Chips auskommt. Dann wird die Summe direkt von Ihrem Giroguthaben abgebucht.

Mit einer NFC-fähigen Kreditkarte läuft das Bezahlen genauso ab wie mit einer Girokarte.

Wann muss man beim kontaktlosen Bezahlen eine PIN eingeben?

Viele Verbraucher sind unsicher oder verwirrt, weil nicht immer eine PIN notwendig ist. In folgenden Fällen müssen Sie Ihre PIN eingeben:

  • Wenn der Betrag über 50 Euro liegt. (Bis vor Kurzem lag das Limit noch bei 25 Euro, die Deutsche Kreditwirtschaft erhöhte den Betrag jedoch Ende März 2020. Bis diese Änderung bei allen Händlern umgesetzt ist, kann allerdings eine Weile vergehen.)
  • Spätestens nach 5 Transaktionen, egal in welchem Zeitraum.
  • Spätestens nach 4 Transaktionen an einem Tag.
  • Spätestens nach einer Gesamtsumme von 150 Euro.

Bei der PIN-Abfrage geht es stets darum, sicherzustellen, dass die Transaktion vom rechtmäßigen Besitzer der Karte durchgeführt wird.

Für diese Sicherheitsregelung sind spezielle Transaktionszähler in den Karten integriert. Diese Zähler setzen sich zurück, wenn Sie eine kontaktbehaftete Zahlung durchführen, also die Karte in das Gerät stecken.

Wenn Sie bereits fünf Mal kontaktlos und ohne PIN bezahlt haben, müssen Sie beim nächsten Mal Ihre PIN eingeben. In der Regel können Sie weiterhin kontaktlos bezahlen, die PIN-Abfrage wird aber bleiben, bis Sie Ihre Karte einmal in das Bezahlterminal gesteckt haben.

Anders sieht es aus, wenn Sie mit PIN bezahlen, obwohl der Zähler noch nicht voll ist. Dadurch wird auch vor Ablauf der fünf Transaktionen bestätigt, dass sich die Karte beim rechtmäßigen Besitzer befindet. Wenn Sie also drei Kleinbeträge kontaktlos bezahlen und danach eine Summe von über 50 Euro mit PIN bezahlen, können Sie danach wieder vier kleinere Transaktionen kontaktlos und ohne PIN bezahlen.

Bei manchen Karten ist übrigens gar keine kontaktlose Zahlung mehr möglich, sobald der Transaktionszähler sein Limit erreicht hat. Dann wird der Verbraucher gezwungen, die Karte in das Lesegerät zu stecken und somit den Zähler zurückzusetzen.

Jedes Mal ohne PIN kontaktlos bezahlen – geht das?

Wer komplett auf die Eingabe einer PIN im Supermarkt verzichten möchte, sollte zum kontaktlosen Bezahlen mit Smartphone wechseln. IPhone-Nutzer können mit Apple Pay bezahlen, für Android-Smartphones kommen verschiedene Banken-Apps sowie Google Pay infrage. Eine Kreditkarte ist meistens erforderlich, denn die Daten der Karte werden in die entsprechende App eingegeben. Allerdings kooperiert Google Pay auch mit Paypal, sodass Sie diese Methode nutzen können, wenn Sie keine Kreditkarte besitzen.

Der Bezahlvorgang läuft ähnlich wie mit der Karte: Sie halten Ihr Smartphone an das Kassenterminal und die Transaktion läuft über NFC-Schnittstellen. Auch einige Smartwatches sind zum kontaktlosen Bezahlen geeignet.

PIN oder Unterschrift: Wann kommt was zum Einsatz?

Die Bestätigung Ihrer Bezahlung kann entweder per PIN oder per Unterschrift erfolgen. Das ist jedoch weder vom Kartentyp noch von der Bank abhängig. Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt vom Abrechnungssystem des Händlers (also Supermarkt & Co) ab.

Die Bestätigung per Unterschrift erteilt dem Händler eine Einzugsermächtigung. Das ist für den Händler mit einem hohen Risiko verbunden, schließlich besteht keine Garantie, dass das Konto des Kunden gedeckt ist und die Zahlung wirklich durchgeführt werden kann.

Die Bezahlung per PIN ist für den Händler sicherer, denn der Betrag wird sofort vom Kundenkonto eingezogen. Allerdings muss der Händler hierfür auch eine Gebühr an die Bank bezahlen.

Viele Geschäfte setzen deswegen auf ein Zufallsprinzip, bei dem manchmal die Bestätigung per Unterschrift und manchmal die PIN zum Einsatz kommt. Zum Teil kann der Verkäufer dies aber auch direkt selbst entscheiden und in der Kasse eingeben.

Wie steht es um die Sicherheit beim kontaktlosen Bezahlen?

Diebstahl und Verlust sind leider reale Risiken, wenn es um Giro- oder Kreditkarten geht. Dritte können dann mit der Karte einkaufen und das aufgeladene Geld aufbrauchen oder Zahlungen durchführen.

Obwohl es oft nervig erscheint, die PIN trotz kontaktlosem Bezahlen eingeben zu müssen, steht dahinter natürlich ein Sicherheitsgedanke. So soll vermieden werden, dass Diebe, die Ihre PIN nicht kennen, mehr als fünf Transaktionen ausführen oder Summen über 150 Euro mit der Karte ausgeben können.

Zwar haften Sie als Verbraucher in der Regel nur bis zu einer Höchstgrenze von 50 Euro, wenn Ihre Karte gestohlen wird. Doch den restlichen Schaden muss dann die Bank übernehmen. Diese möchten durch die PIN-Regelung vermutlich vor einem allzu hohen Schaden bewahrt werden.

Wenn Sie einen Verlust bemerken, sollten Sie Ihre Karten sofort unter der kostenlosen Telefonnummer 116 116 sperren lassen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: