So soll das neue Schlossgartenquartier aussehen, wenn alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. 2028 könnte das der Fall sein. Foto: Oliv GmbH Thomas Sutor Architekt, Steimle Architekten BDA

Die LBBW Immobilien-Gruppe möchte den Bereich an der unteren Königstraße attraktiver gestalten. Das Projekt Schlossgartenquartier könnte 2028 fertig werden – doch der CDU im Gemeinderat geht das nicht schnell genug.

Die untere Königstraße wird oft als „Tor zur Innenstadt“ bezeichnet. Doch ein attraktives Entree sieht anders aus. Über Arnulf-Klett-Platz und -Passage diskutiert auch der Gemeinderat immer wieder. Während sich einige Stadträte wie beispielsweise Luigi Pantisano (Die Linke) eine „bessere Wegeführung, Sauberkeit, Beleuchtung, soziale Betreuung der Menschen in Not und kulturelle Angebote“ für die sanierungsbedürftige Unterführung wünschen, spricht die CDU-Fraktion davon, dass die Klett-Passage vor allem zu später Stunde für viele Bürgerinnen und Bürger eine „No-go-Area“ sei.

 

Aber die Christdemokraten haben noch andere Problemzonen an der unteren Königstraße lokalisiert. „Vor allem der Bereich nach dem Aufgang der Arnulf-Klett-Passage, sollte einer der schönsten Orte der Stadt sein“, heißt es in einem Antrag. „Sie trägt einen großen Anteil an der Wahrnehmung unserer Stadt, vor allem für Besucher aus der Region oder für Touristen.“ Leider sei der Bereich in den vergangenen Jahren zu einem unschönen Ort verkommen. Man freue sich daher unter anderem auf den Umbau der Königstraße 1 bis 3. Die LBBW Immobilien könne „durch ihr Bauvorhaben beträchtlich zur Aufwertung dieses wichtigen Teils der unteren Königstraße“ beitragen.

Die Königstraße 1c ist das Herzstück des Projekts

Rund 700 Millionen Euro wird die LBBW Immobilien-Gruppe nach aktuellem Stand investieren, um zur Verschönerung an der unteren Königstraße beizutragen. Eigentlich hätten die Arbeiten für das Projekt „Schlossgartenquartier“ im Sommer vergangenen Jahres losgehen sollen. Aber noch gibt es kein Go der Stadt. „Wir sind in guten Gesprächen und zwischenzeitlich guten Mutes, dass es bald losgehen kann“, sagt Christian Sailer, der Vorstand der Bauherrin Schlossgartenbau AG und Managing Director der LBBW Immobilien.

Der Startschuss für das Gesamtprojekt soll an der Königstraße 1c fallen – dem Herzstück des neuen Schlossgartenquartiers. Das Gebäude steht bereits leer, die Flächen inklusive des ersten Obergeschosses werden umfassend saniert. Alles, was darüber liegt, wird zunächst zurück- und dann neu aufgebaut. „Wir wollen den Bestand maximal erhalten“, sagt Sailer. Bei rund 85 Prozent möchte man bezogen auf das Quartier am Ende landen. Dadurch wolle man etwa 38 000 Tonnen CO2 einsparen. Die Bauzeit soll zwei Jahre dauern.

Der Handel hat nicht mehr oberste Priorität

Die Planung sieht vor, auf das Gebäude Königstraße 1c neue Geschosse in Holzhybridbauweise zu setzen. Ein begrüntes Schrägdach soll zur Reduktion der innerstädtischen Aufheizung beitragen und soll auch für die Mieter zugänglich sein. Mit dem Land Baden-Württemberg ist bereits ein Mietvertrag für die neuen Büroetagen abgeschlossen. Einziehen werden Abgeordnete des Landtags, da das bestehende Haus der Abgeordneten saniert wird. Bislang war in den Obergeschossen Einzelhandel zu finden. Von den etwa 15 400 Quadratmeter Mietfläche sollen künftig circa 10 000 Quadratmeter auf flexible Büroflächen entfallen.

Die Pläne für die Königstraße 1c zeigen den Paradigmenwechsel in der Innenstadt. Einzelhandelsflächen haben nicht mehr oberste Priorität – vor allem nicht in den Obergeschossen. „Wir werden insgesamt weniger Handelsflächen haben“, sagt Tanja Gröger, Vorständin der Schlossgartenbau AG und Managing Director der LBBW Immobilien. Die Ladenflächen würden in deutlich kleinere Einheiten aufgeteilt und ließen sich bei Bedarf durch Zusammenlegen zu größeren Verkaufsflächen kombinieren.

Zudem wird künftig noch mehr Wert auf Gastronomie gelegt. Richtung Schlossgarten sind zwei Einheiten geplant. Aktuell fehlt es dort an Attraktivität. Die Verbindung von der unteren Königstraße Richtung Schlossgarten wird von Passanten häufig gemieden. Die Theaterpassage ist eher ein Angstraum als ein gern genutzter Durchgang – dunkel, zweckentfremdet und voller unangenehmer Gerüche.

Theaterpassage soll wesentlich attraktiver werden

Das weiß man auch bei der LBBW Immobilien. Deshalb wird die Theaterpassage nach oben rückgebaut, um den Bereich zwischen Königstraße und Schlossgarten zu öffnen. „Hierdurch entstehen attraktive Sichtachsen und eine einladende Wegeverbindung zwischen der Einkaufs- und der Kulturmeile“, schreibt die LBBW Immobilien in einer Mitteilung.

Zudem sollen auch Vor- und Rücksprünge auf den ersten rund 230 Metern der Königstraße beruhigt und begradigt sowie bei den Gebäuden Nummer 1 und 1c auf das erste Obergeschoss erweitert werden. Das soll für mehr Licht und somit für ein besseres Erscheinungsbild sorgen. Davon profitierten auch die Einzelhändler und Gastronomen, die es weiterhin in der Königstraße 1 geben wird, heißt es.

In diesem Gebäude sind circa 14 400 Quadratmeter Mietfläche vorhanden, von denen ebenfalls rund 10 000 Quadratmeter für Büros vorgesehen sind. Noch stehen die Flächen dort nicht komplett leer. Die Verträge sind allerdings in Absprache mit den Mietern nur noch für kurze Zeit abgeschlossen worden, es könnte also recht schnell mit der Sanierung begonnen werden. Allerdings ist der Bauantrag noch nicht eingereicht. „Wir sind in den letzten Zügen der Vorbereitung“, sagt Christian Sailer. Im ersten Quartal dieses Jahres sollen die Papiere fertig sein.

Schlossgartenhotel soll 2028 wiedereröffnet werden

Das gilt auch für den Bauantrag des Schlossgartenhotels, dessen Sanierung zum Großprojekt gehört. Das Gebäude in der Schillerstraße wurde von dem Architekten Hans Paul Schmohl gebaut und 1962 eröffnet. Daraus soll ein urbanes Premium-Hotel mit 130 Zimmern, Veranstaltungsräumen sowie einem ganztägig geöffneten Restaurant inklusive großer Terrasse in den Schlossgarten hinein werden. Die MHP Hotel AG wird das Hotel betreiben. 2028 soll es wiedereröffnet werden, dann soll auch die Sanierung der Königstraße 1 abgeschlossen sein.

Für das Gebäude Königstraße 3 gibt es hingegen keinen festen Zeitplan. Vieles bleibt gleich – zum Beispiel, dass die BW-Bank einen Großteil der 17 400 Quadratmeter selbst nutzt. Neue Einzelhandelskonzepte sind geplant. Der Textilanbieter Mango ist schon eingezogen, hinzu kommt Gastronomie im Erdgeschoss mit Blick zum Schlossgarten. Die Umbaumaßnahmen tangieren die Mietflächen der Königstraße 3 nicht, das gilt sowohl für die Yeans Halle als auch für Mango, Designual und die BW-Bank selbst.

Haus für bürgerschaftliches Engagement sucht neue Bleibe

Die Pläne der Architektenkammer für ein Zentrum für Baukultur sowie der Bürgerstiftung mit dem Haus für bürgerschaftliches Engagement werden hingegen wohl nicht im Gebäudekomplex Königstraße 1 bis 3 umgesetzt. Jürgen Langerfeld von der Bürgerstiftung bestätigt, dass es Gespräche gab. „Dabei ging es zum einen über konzeptionelle Überlegungen, welche Flächen die LBBW zur Verfügung stellen kann – und zum anderen darum, welche finanziellen Möglichkeiten wir dafür unsererseits bereitstellen können. Am Ende sind wir in diesen Bereichen nicht mit der LBBW zusammengekommen.“ Nun schaue man sich nach einer Alternative um. Hierzu sei man mit der Stadtverwaltung im Gespräch.

Die Architektenkammer hat auf eine Anfrage unserer Zeitung nicht reagiert. Bei der LBBW Immobilien-Gruppe heißt es: „Wir haben über mehrere Jahre Gespräche mit verschiedenen potenziellen Nutzern geführt und führen sie weiterhin mit Interessenten mit einem kulturellen Bezug. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu weiteren Einzelheiten nicht äußern.“

CDU: Kurzfristige Verbesserungen müssen her

Unabhängig von den Gesprächen mit potenziellen Mietern begrüßt die CDU im Gemeinderat die Pläne der LBBW Immobilien, die untere Königstraße aufzuwerten, ist aber der Auffassung, dass man es „der Stadtbevölkerung nicht zumuten kann, dass sie so lange auf eine Verbesserung der Situation in der unteren Königstraße warten muss“. Dies sei auch eine Forderung aus dem vergangenen City-Dialog gewesen, Die CDU stellt in ihrem Antrag deshalb klar: „Wir müssen kurzfristig sichtbare Optimierungen einleiten, etwa durch die Verwendung von Licht- und blühenden Begrünungselementen.“ Außerdem benötige die untere Königstraße ein Reinigungskonzept, „das sich an der hervorragenden Arbeit orientiert, welche die AWS während der Europameisterschaft geleistet hat“. Des Weiteren könne man sich vorstellen, dass die Stadt, gemeinsam mit der City-Initiative Stuttgart, ein Pop-up-Konzept entwickelt, um den Bereich kreativ zu bespielen – zum Beispiel mit Straßenkünstlern.