Das Wittwerhaus (links) muss weichen. Der Neubau soll mehr Abstand zum Kunstmuseum (rechts) aufweisen. Die Freitreppe (Mitte) soll breiter werden. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Für viele Stuttgarter ist es ein vertrauter Anblick: Das Wittwerhaus mit Thalia und Ochs’n Willi. Doch damit ist bald Schluss. Ende 2027 müssen alle Mieter raus.

Das Wittwerhaus an der Königstraße 30/32 wird abgerissen. Das hat die Dinkelacker AG als Eigentümerin der Immobilie nun offiziell bekannt gegeben. Nach knapp 60 Jahren Betriebszeit neige sich der Lebenszyklus des Gebäudes dem Ende, hieß es bei der Vorstellung der Pläne im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats. Eine Machbarkeitsstudie habe ergeben, dass es zu viele Mängel am Gebäude gebe. Eine Sanierung käme deshalb aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage. Unter anderem läuft nächstes Jahr die Brandschutzgenehmigung aus.

 

Ende 2027 ist also endgültig Schluss. Der aktuelle Hauptmieter, die Thalia Buchhandlung, wird den Standort zu diesem Zeitpunkt verlassen und in den Neubau an der Schul-/Königstraße ziehen. Auch alle anderen Mieter wie zum Beispiel die Gaststätte Ochs’n Willi oder das Fitnessstudio Jonny M. müssen das Wittwerhaus verlassen. Denn ab 2028 wird abgerissen. Allerdings sind die Untergeschosse sowie Teile des Erdgeschosses davon ausgenommen. „Rund die Hälfte der Bausubstanz bleibt erhalten und wird in die Planung integriert“, heißt es bei der Dinkelacker AG. „Dadurch können erhebliche Mengen an grauem CO₂ (Anmerkung der Redaktion: Energieaufwand, der über den gesamten Lebenszyklus der eingesetzten Materialien benötigt wird) eingespart und wichtige Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. Gleichzeitig verkürzen sich Bauzeit und Baustellenbelastungen für die Innenstadt deutlich.“ Wenn alles nach Plan läuft, soll der Neubau mit seinen sieben bis acht Geschossen im Jahr 2030 eingeweiht werden – spätestens 2031.

Die Dinkelacker AG hat vor, die Einzelhandelsflächen deutlich zu reduzieren – auf maximal zwei Etagen. Gastronomie spielt künftig eine größere Rolle. Ebenfalls über zwei Etagen sollen Gastro-Konzepte entstehen – mit Bespielung der Kanzleistraße und des Kleinen Schlossplatzes. Auch Büroflächen sollen einen Platz bekommen. Denkbar wären auch medizinische Einrichtungen wie zum Beispiel Arztpraxen. Zudem kann sich der Eigentümer sehr gut vorstellen, ein Hotel im Neubau unterzubringen.

Während die meisten Ausschussmitglieder die Abriss-Entscheidung des Eigentümers nachvollziehen konnten, ließ Hannes Rockenbauch (SÖS) kein gutes Haar an dem Konzept: „Das ist kein gutes Projekt. Es ist alles langweilig. Das brauchen wir nicht mehr – Gesundheitsgedöns und Hotel.“ Die Abreißerei auf der Königstraße müsse ein Ende haben. Zum einen solle man mit dem Bestand sensibel umgehen. Zum anderen brauche es konsumfreie Räume in der Innenstadt, Räume für Bürger und öffentliche Nutzung. Das sei wesentlich spannender. „Aber Sie sind der Eigentümer. Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, was Sie machen sollen.“

Auch der Ochs´n Willi ist vom Abriss betroffen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Christoph Ozasek (Klimaliste) sprach noch ein anderes Thema an: „Wir sollten Wohnen nicht von vornherein ausschließen.“ Doch Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) machte dem Stadtrat keine Hoffnungen: „Auch wenn es wünschenswert wäre, die TA Lärm spricht dagegen.“ Bei der „TA Lärm“ handelt es sich um die bundesweite Verwaltungsvorschrift „Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“, den gesetzlichen Lärmschutz.

Ein Ideenwettbewerb soll weitere Optionen aufzeigen

Die Dinkelacker AG hat zwar schon konkrete, inhaltliche Vorstellungen geäußert, aber in Stein gemeißelt ist noch nichts – vor allem, wenn es um das Gebäude selbst und die Gestaltung des direkten Umfeldes geht. Die Eigentümer wollen den Neubau gerne ein paar Meter weiter weg vom Kunstmuseum errichten, was zu einer wesentlichen Verschmälerung der Kanzleistraße führen würde. Sie soll ohne Stufen und Rampe zu einer Innenstadtgasse mit Aufenthaltsqualität werden. Zudem soll zwischen Neubau und Museum die Freitreppe verbreitert werden.

Weitere Vorschläge und die genaue Umsetzung sollen in den kommenden Monaten noch detaillierter ausgearbeitet werden. Dazu soll es einen Ideen- und später dann auch einen Realisierungswettbewerb geben.