Das Leonberger Krankenhaus ist ruhig am Stadtrand gelegen. Foto: Simon Granville

Das Projekt Flugfeldklinik wird teurer, parallel steigt in Leonberg die Furcht, ein ähnliches Schicksal wie Herrenberg zu erleiden, meint unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.

Wer weiß, vielleicht mögen ja Roland Bernhard in diesen Wochen immer mal wieder die finalen Strophen von Goethes „Zauberlehrling“ durch den Kopf gehen: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht mehr los“, wendet sich der Novize in der Ballade verzweifelt an seinen Meister. Denn die Besen, die er mobilisierte hatte, bekommt er nicht mehr unter Kontrolle.

 

So ein bisschen wie mit dem Besen, der unentwegt Wasser holt, ergeht es auch dem Landrat des Kreises Böblingen mit seinem Lieblingsprojekt, dem Flugfeldklinikum, das, wie es nun heißt, in drei Jahren die Krankenhäuser in Sindelfingen und Böblingen ablösen soll. Eigentlich sollte dies längst der Fall sein. Aber die zeitliche Verzögerung ist gar nicht der entscheidende Punkt. Sehr wohl aber die fulminante Kostensteigerung von geplanten knapp 500 Millionen Euro vor fünf Jahren auf jetzt mehr als 800 Millionen Euro.

Gewiss, die durch Kriege und Krisen weltweit erschütterte Wirtschaftsentwicklung geht nicht spurlos auch an Neubauprojekten bei uns vor der Haustür vorbei. Die Pleite eines beteiligten Planungsbüros hat die Finanzkrise im Komplex Flugfeldklinik zusätzlich verschärft. Doch dass es bei der ursprünglich genannten halben Milliarde nicht bleiben wird, hatten Insider schon vor fünf Jahren prophezeit. Da hilft es nicht, dass der Landrat jetzt vom künftigen „Aushängeschild des Klinikverbunds Südwest“ spricht. Von wohlklingenden Ehrentiteln hat keiner etwas, am wenigsten die Patienten.

Dass die künftige Klinik auf einem medizinisch hohen Niveau arbeiten wird, bestreitet niemand. Doch es ist und bleibt Fakt, dass gerade der Kreis Böblingen mehrere hochklassige Häuser in Stuttgart und Tübingen in unmittelbarer Nachbarschaft hat. Und für weniger komplexe Krankheiten und Verletzungen gibt es die viel zitierte wohnortnahe Versorgung. Die jedoch wird offensichtlich zusehends heruntergefahren.

Landrat Roland Bernhard: Lieblingsprojekt Flugfeldklinik. Foto: Simon Granville

Die Leonberger CDU hat diese Befürchtung dieser Tage mit Blick auf das Krankenhaus Leonberg unmissverständlich artikuliert. Zusätzlichen Zündstoff hat die Diskussion durch die Schilderungen eines Insiders bekommen, wonach ein Chefarzt, dessen Probezeit nicht verlängert wurde, vom Arbeitsplatz regelrecht weggeführt wurde. Solches Gebaren kennt man aus amerikanischen Großkonzernen à la Elon Musk, nicht aber von kommunalen Einrichtungen, die für die Heilung kranker Menschen da sind.

Es hat auch nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, wenn die Befürchtungen von Patienten und Personal nicht nur angesichts solcher Methoden öffentlich gemacht werden. Längst nicht alles, was kolportiert wird, steht in der Zeitung. Doch wenn seriöse Branchenkenner Indizien für eine Abbau-Strategie des Managements identifizieren, ist das absolut von öffentlichem Interesse. Es geht immer um öffentliches Geld.

Schon jetzt wird in Medizinkreisen darüber spekuliert, ob Leonberg nicht ein ähnliches Schicksal wie Herrenberg drohen könnte, nämlich der Verlust des Krankenhaus-Status und die Herabstufung auf ein medizinischen Versorgungszentrum. Das ist zwar im vom Kreistag beschlossenen Medizinkonzept nicht vorgesehen. Doch auch Herrenberg konnte sich bis vor zwei Jahren noch auf Beschlüsse berufen, die dann geändert wurden. Die Sorgen in Leonberg sind also nicht unbegründet, zumal die vom Kreistag beschlossene Klinik-Sanierung für 87 Millionen Euro kurzerhand kassiert wurde.

Es ist elf Jahre her, da hatte der damalige Oberbürgermeister Bernhard Schuler eine Übernahme der Leonberger Klinik durch das Robert-Bosch-Krankenhaus ins Gespräch gebracht. Aus ersten Kontakten wurde damals kein konkretes Handeln. Aber was nicht ist, kann in neuem Licht ja noch werden.