2022 spielte sich hier ein Feuerdrama ab. Seither verkommt das Ausflugsziel zwischen Burgholzhof und Birkenäcker in Stuttgart. Hauptproblem: Vom ehemaligen Pächter fehlt jede Spur.
Großstadt zwischen Wald und Reben. Diese gerne zitierte Beschreibung der Landeshauptstadt wird an vielen Stellen im Stadtgebiet offenkundig. Auch zwischen den beiden Cannstatter Stadtteilen Birkenäcker und Burgholzhof. Neben den großflächigen Weinbergen liegt hier eine stattlich Kleingartenanlage, die sich in städtischem Besitz befindet und verpachtet wird.
Drama in Stuttgarter Kleingartengebiet
Ein Pächter sorgt jedoch für Unmut bei den Verantwortlichen des Liegenschaftsamtes, das die Kleingärten betreut. Denn im Sigmund-Lindauer-Weg, nur rund 150 Meter entfernt vom evangelischen Ferienwaldheim Otto-Riethmüller-Haus, ist in den vergangenen Jahren auf einem Grundstück etwas entstanden, was so gar nicht in die Naturidylle passt: ein verwahrloster und in vielen Bereichen total vermüllter Lost Place.
Das Tragische daran: Bis vor vier Jahren war das Gelände noch ein viel besuchtes, hübsches Ausflugsziel und die Heimstätte des griechischen Vereins Pontiaki Estia e.V. Stuttgart. Doch die dramatischen Ereignisse am 22. April 2022 auf dem Gelände des Homöopathischen Vereins Cannstatt, dem Pächter des Grundstücks, änderten alles.
Damals schrillte bei der Stuttgarter Feuerwehr gegen 14 Uhr der Alarm: Feuer im Sigmund-Lindauer-Weg. Beim Eintreffen der Löschzüge trat laut dem Feuerwehrbericht Rauch aus dem Dach, und der kleine Anbau stand bereits in Flammen. Das große Problem: In dem Gebiet gab es keine Löschwasserversorgung.
Zunächst musste im Pendelverkehr Wasser von einem rund einen Kilometer entfernten Hydranten herangeschafft werden, bis eine Leitung zur Wasserversorgung aufgebaut worden war. Doch dann war es bereits zu spät. Das Feuer hatte sich einfach zu schnell ausbreiten können, und das Gebäude war nicht mehr zu retten, der Schaden mit rund 200 000 Euro enorm.
Was Spaziergänger nicht wissen
An der Einfahrt zu dem Gelände erinnern eine Tafel sowie ein Briefkasten auch heute noch an den Pächter und die Nutzer des Geländes. Das war damals der Kulturverein Pontiaki Estia Stuttgart, der vornehmlich am Wochenende auf dem Gelände typisch griechischen Feste mit viel Musik und Tanz veranstaltete.
Doch die Spaziergänger, die auf dem Sigmund-Lindauer-Weg unterwegs sind, würden die Augen verdrehen, wenn sie wüssten, welches Bild sich mittlerweile auf dem nur wenige Meter entfernten Grundstück bietet: Jede Menge verrotteter Tische und Stühle, die wild verteilt herumstehen, stillgelegte Leitungsrohre, die von Pflanzen überwuchert sind; gleich neben dem Grundstückszaun befinden sich ein großer Käfig und etliche alte Laternen, neben einem (hoffentlich) leeren Gastank liegen im Gebüsch noch jede Menge kleinere Gasbehälter herum. Verfaulte Bretter, Plastikfolien und eine Rutsche runden das üble Gesamtbild ab. Betreten-verboten-Schilder – Fehlanzeige. Auch einen durchgehenden Zaun sucht man vergebens.
Kleine Hütte auf dem Areal in Bad Cannstatt wird wohl genutzt
Negativer Höhepunkt des Rundgangs ist sicher die kleine Hütte, vor der zur Begrüßung der „Gäste“ ein kitschiges Miniaturschloss auf einer Steinsäule thront. An der Eingangstür parkt ein Sitzrasenmäher, gleich daneben steht ein verwahrloster Grill. Neben etlichen Spielsachen, darunter ein Paar Rollerblades, und anderem Krimskrams, liegt auf einem Tischchen sogar ein Blashorn. Geradeso, als ob vor Kurzem noch jemand auf ihm musiziert hätte.
Ein Blick auf die zwei großen Tische bestätigt den Eindruck, dass die Hütte zeitweise bewohnt wird. Neben Küchenmessern, Kleinwerkzeugen und Gelben Säcken stehen auch noch einige Grillsoßen herum. Voll wohlgemerkt. Keine Frage, in der Hütten halten sich regelmäßig Menschen auf. Dafür sprechen auch die vielen Zigarettenkippen, die auf dem Holzboden herumliegen.
Doch wer ist hier Stammgast? Ist der Lost Place vielleicht gar kein Lost Place und der Nutzer nur eine Person, der es Schnuppe ist, wie es auf dem Grundstück aussieht? Eine benachbarte Kleingärtnerin berichtet zumindest „von einem älteren Mann“, der sich offenbar regelmäßig, zumeist am Nachmittag, auf dem Gelände aufhält und „ganz in der Nähe“ wohnen soll. Ein Blick in die drei städtischen Müllbehälter zeigt, dass zumindest Papier ordnungsgemäß in der grünen Tonne entsorgt wird.
Die Stadt Stuttgart zeigte sich angesichts der Bilder vom Zustand des Vereinsgeländes negativ überrascht. „Es entsteht der Eindruck, dass das Gebäude nicht mehr für die Zwecke genutzt wird, für die es den Vereinen ursprünglich überlassen wurde“, sagt Stadtsprecher Oliver Hillinger. Das sei nicht akzeptabel. Die Liegenschaftsverwaltung werde daher mit den Mietern in Kontakt treten und auf Besserung dringen. „Es ist Pflicht der Mieter, Gebäude und Grundstück so in Ordnung zu halten, dass das Erscheinungsbild nicht leidet“, so Oliver Hillinger.
Keine Spur vom ehemaligen Pächter in Cannstatt
Das Problem: Vom Pächter, dem Homöopathischen Verein Cannstatt, war weder eine Adresse, Telefonnummer oder ein Ansprechpartner im Internet zu finden. Auch Cannstatts Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler konnte nicht weiterhelfen, zumal er von dem Verein schon seit langer Zeit nichts mehr vernommen habe, sagt er. „Ich weiß nicht einmal, ob es ihn noch gibt.“