Vogelspinnen, Skorpione und Riesentausendfüßer: Jeremy Leidig bringt mit Arachnotopia seine Leidenschaft nach Kirchheim. Besucher reagieren mit Faszination – und Ekel.
Faszination trifft auf Ekel in der Jesinger Gemeindehalle: „Boah, hast du diesen Brummer schon gesehen“, fragt am Sonntagmorgen eine Frau ihren Gefährten und beugt sich dabei über ein Terrarium, in dem sich Riesenstabschrecken befinden. „Wuah, ist das eklig“, meint eine weitere Frau fast gleichzeitig nur wenige Meter davon entfernt. Sie begutachtet gerade das in Epoxidharz konservierte Exemplar eines riesigen Hundertfüßers. In dem Kichheimer Stadtteil Jesingen ist an diesem Tag die Vogelspinnen- und Insektenausstellung Arachnotopia zu Gast.
Über die Angst vor den Krabbeltieren kam der Veranstalter, Jeremy Leidig, überhaupt dazu, diese Art von Ausstellung anzubieten. „Ich hatte früher panische Angst“, erzählt der 26-Jährige aus Dinkelsbühl. Und diese Angst wollte er loswerden. „Ich habe mich in Zoos damit konfrontiert“, erzählt er. Über die Konfrontation sei das Interesse gekommen. Er habe über die Tiere gelesen und sich Dokumentationen angeschaut. Mit 14 Jahren zog dann die erste Vogelspinne bei ihm ein. „Eine Brachypelma hamorii“ sagt er. Bekannt wurde die auch Rotknievogelspinne genannte Art vor allem durch den Film „Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“, wo sie einen Gastauftritt hatte.
Aus einer Vogelspinne wurden 75
Über die Jahre kamen immer mehr dazu: „Jedes Jahr ungefähr zehn Tiere mehr“, sagt Leidig. Heute habe er 75 Vogelspinnen, acht Skorpione und 20 Arten von Gespenst- und Stabschrecken, dazu noch 15 Arten von Gliederfüßern. Seine Eltern seien anfangs keine Fans dieses Hobbys gewesen. „Vor allem nicht meine Mutter“, sagt er und lacht. Doch sie hätten sich mit der Zeit damit abgefunden, als sie gemerkt hätten, dass er sich allein um die Tiere kümmert.
Es sind viele Familien mit Kindern in der Halle unterwegs. Vor allem bei den jüngeren Besuchern ist keine Spur von Ekel zu finden. Interessiert suchen sie in den Terrarien, ob sie die Tiere, die auf Steckbriefen neben den Schaukästen vorgestellt werden, zwischen Ästen und Blättern entdecken können.
Spinnenaussteller als Hauptberuf
Genau das sei auch sein Anliegen mit der Ausstellung: „Ich will über die Tiere aufklären und informieren. Kinder kommen heute leider viel zu wenig in Kontakt mit der Natur“, meint Leidig. Die Idee für die Wanderausstellung sei ihm in Bamberg gekommen, wo er eine ähnliche Ausstellung mit Schlangen und Reptilien besucht habe. Heute sei Arachnotopia sein Hauptjob. Nebenher mache er noch Haussanierungsarbeiten. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Leidig, der eigentlich mal Einzelhandelskaufmann gelernt hat.
Etwa zwei bis drei Stunden brauche er täglich, um sich um die Terrarien zu kümmern: Füttern, sauber machen und für die passende Luftfeuchtigkeit sorgen. Die Terrarien stehen, wenn sie gerade nicht auf einer Ausstellung sind, in einem abgetrennten Teil seines Kellers. Er habe einen Anhänger umgebaut, um sie möglichst erschütterungsfrei zu transportieren. „Die Tiere können so immer in ihrem gewohnten Umfeld bleiben.“
Für seine Ausstellung würden jetzt noch zwei Termine anstehen: Am 7. Juni in Ulm und am 14. Juni in Aalen. „Dann ist Sommerpause bis zum Herbst“,sagt Leidig. „Den Tieren wird es sonst zu warm.“