Die Gebühren für Kinderbetreuung steigen; der Bauwagen des Waldkindergartens Foto: Peter Stotz

Die Kindergartengebühren in Lichtenwald steigen in den kommenden zwei Jahren. Aber der Bürgermeister hat eine „charmante Idee“.

Eltern von Kindergartenkindern werden in Lichtenwald in den kommenden beiden Jahren etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Gemeinderat hat einmütig beschlossen, die Gebühren in den Kindergärten Hegenlohe und Thomashardt sowie im Waldkindergarten abhängig vom Betreuungsmodell um elf bis knapp 15 Prozent zu erhöhen.

 

Zudem hat das Gremium die Betreuungsmodelle für Grundschulkinder neu geregelt, erweitert und flexibilisiert, sodass sie bereits ab dem neuen Schuljahr dem künftigen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule gerecht werden. Auch da werden höhere Gebühren fällig. Allerdings werden die gleichen Familienrabatte wie in den Kindergärten eingeführt, sodass die Betreuung für die meisten Familien günstig bleibt.

Eine Kostendeckung von 20 Prozent wird empfohlen

Berechnet nach dem von den kommunalen Spitzenverbänden empfohlenen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent müssen Lichtenwalder Familien mit einem mehr als drei Jahre alten Kindergartenkind in einer Gruppe mit verlängerter Öffnungszeit künftig knapp 387 Euro statt bislang 348 Euro pro Monat bezahlen. In der Halbtags-Krippengruppe für unter Dreijährige werden künftig 355 statt bisher 313 Euro monatlich fällig.

Wie der Bürgermeister Ferdinand Rentschler und der Gemeindekämmerer Steffen Mayer bei der Vorstellung der Gebührenkalkulation erläuterten, würden trotz der Berechnung auf der Basis von 20 Prozent Kostendeckung gerade einmal 13,6 Prozent der Kosten für die Kinderbetreuung über die Gebühren abgedeckt. „Nur 12,9 Prozent der Familien haben nur ein Kind in der Betreuung und zahlen den vollen Satz. Alle anderen erhalten Familienrabatte“, erklärte Rentschler. Der Rabatt beträgt dabei beim zweiten Kind 20 Prozent, beim dritten Kind bereits 45 Prozent.

Der Gemeinderat unterstützt die Verwaltung

Die Ratsmitglieder trugen die Verwaltungsvorschläge mit. „Wir wollen eine gute Kinderbetreuung und gutes Personal haben, und das Personal muss auch gut bezahlt werden. Das kostet natürlich“, sagte Constanze Pfaff, die Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste (LBL). Matthias Böhm (FUW) sah darin „keine große Überraschung“. Der Vorschlag sei „sachgerecht und angemessen“. Martina Häussermann (CDU) nannte die Gebühren „bedauerlich hoch“, stellte jedoch „ein großartiges Paket an Betreuungsmodellen und eine sehr gute Betreuung“ dagegen. Das Geld dafür müsse aufgebracht werden. „Die Gebühren nicht zu erhöhen würde bedeuten, freiwillige Leistungen zu streichen, und das kann auch niemand wollen“, sagte sie.

Um die Kalkulationen für die Eltern transparenter und nachvollziehbar zu machen, schlug Pfaff vor, künftig vor Abstimmungen über Betreuungsgebühren einen Informationsabend anzubieten, „auch um eventuelle Missverständnisse auszuräumen“. Rentschler sagte zu, dass die Gemeinde künftig dazu einladen werde.

Ein Denkanstoß des Bürgermeisters

Der Bürgermeister gab dem Gemeinderat die „charmante Idee als Denkanstoß“ mit, als „große Entlastung für die Familien“ die Kitagebühren künftig komplett abzuschaffen und den finanziellen Ausfall auf die Steuerzahler zu verteilen. Dafür müsste die Grundsteuer B von derzeit 175 Punkten nahezu verdoppelt werden – ein Plus von durchschnittlich rund 400 Euro pro Jahr für die Hausbesitzer. „Die Herzen der Grundbesitzer würden uns nicht unbedingt alle zufliegen“, mutmaßte Rentschler. So viel Geld müsse allerdings eine durchschnittliche Familie pro Kind und Monat an Kindergartengebühren aufbringen, fügte er hinzu.