Eine Esslinger Familie schlägt vor, dass die Kommunen im Kreis bei den Kitaplätzen kooperieren. Foto: picture alliance/dpa

In Altbach entsteht ein neues Kinderhaus. Ob alle Plätze belegen werden, ist vorerst offen. Das ruft nun eine Familie aus der Nachbarkommune Esslingen auf den Plan.

Gibt es in Altbach bald zu viele Betreuungsplätze? Julia Trugenberger ließ die Berichterstattung über das geplante Kinderhaus Mosaik aufhorchen. Die Mutter aus Esslingen hatte dringend einen Halbtagskindergartenplatz für ihre dreijährige Tochter gesucht. Inzwischen hat es für die Familie ab April zwar geklappt mit einem Platz. Doch um dorthin zu kommen, muss die Familie jedes Mal fahren. Sie wohnen im Esslinger Stadtteil Zell, ihr Kindergarten ist aber in Berkheim. Zur Nachbarkommune Altbach, wo ab September die neue Einrichtung in Betrieb gehen soll, wäre es deutlich näher. „Wir könnten hinlaufen“, sagt Julia Trugenberger.

 

Das Kinderhaus Mosaik bietet Platz für zwei Kindergartengruppen und zwei Krippengruppen mit insgesamt 70 Plätzen. Im September soll die Einrichtung sukzessive in Betrieb gehen, die die Gemeinde sich fast acht Millionen Euro kostet. Angesichts der in einer Gemeinderatssitzung präsentierten Zahlen kamen jedoch Bedenken auf, ob tatsächlich alle Plätze gebraucht werden. „Da frage ich mich natürlich, ob nicht wir zum Zug kommen könnten?“, sagt Julia Trugenberger und meint damit auch andere Esslinger Familien. Sie kenne Eltern, die ebenfalls für ihre Kinder noch keinen passenden Platz haben. Vor allem in Zell sei es schwierig.

In Altbach ist man nicht völlig abgeneigt. „Grundsätzlich können wir uns vorstellen, dass ein interkommunaler Austausch von Kitaplätzen möglich ist, aber nur sofern wir tatsächlich freie Kapazitäten haben sollten“, sagt Martina Grasser, die in Altbach für das Schul- und Kindergartenwesen zuständig ist. Noch sei dies unklar. „Derzeit befinden wir uns in einer Sondierungsphase, sodass wir hierzu noch keine abschließenden oder detaillierten Aussagen treffen können“, erklärt sie. Sollte es tatsächlich irgendwann zu einer Kooperation mit einer Nachbargemeinde kommen, müsse im Vorfeld zwingend eine vertragliche Regelung getroffen werden. „Vor allem im Hinblick auf eine angemessene finanzielle Beteiligung“, betont sie und fügt hinzu: „Elternbeiträge decken lediglich einen begrenzten Teil der tatsächlichen Kosten eines Kindergartenplatzes ab – in der Regel maximal etwa 20 Prozent.“

Deizisauer Modell Himmelblau als Vorbild?

Können auch wirklich alle Plätze im Kinderhaus Mosaik in Altbach mit Kindern aus dem Ort belegt werden? Foto: bra

Eine geregelte interkommunale Zusammenarbeit beim Thema Betreuung ist für Altbach nichts Neues. Allerdings fand diese bisher in umgekehrter Richtung statt. So konnten Altbacher Kinder zeitweise bis zu 35 Plätze im Deizisauer Kindergarten Himmelblau belegen. Dies wurde vertraglich vereinbart. Ob sich eine solche Zusammenarbeit für das Kinderhaus Mosaik in Altbach wiederholt, ist derzeit kein Thema. Bislang hätten die umliegenden Kommunen kein Interesse an einer Kooperation angemeldet und auch Altbach sei nicht von sich aus aktiv geworden, lässt Martina Grasser wissen.

Stadt Esslingen: Kein Interesse an einer Kita-Kooperation

In Esslingen winkt man unterdessen ab. „Es gibt derzeit keine Überlegungen, gezielt Kitaplätze in anderen Kommunen – etwa in Altbach – für Esslinger Kinder zu belegen oder hierzu eine formelle Kooperation anzustreben“, teilt Jakob Simon, stellvertretender Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, auf Anfrage mit. Grundsätzlich sei es jedoch möglich, dass Esslinger Eltern eigenständig auf eine Einrichtung in einer anderen Kommune zugehen, wenn sie dort einen Platz wünschen. „In solchen Fällen erfolgt die Finanzierung über den bestehenden interkommunalen Kostenausgleich“, erläutert Jakob Simon.

Elternanfragen werden abgelehnt

Gemäß dem Kindertagesbetreuungsgesetz zahlt die Gemeinde, in der die Familie wohnt, einen Ausgleich an die Gemeinde, in der die Betreuung in Anspruch genommen wird. Die meisten Kommunen werden solche Anfragen von Auswärtigen wohl überwiegend ablehnen, auch wenn dadurch keine erheblichen finanziellen Nachteile entstehen. Denn als oberste Priorität müssen sie die Pflichtaufgaben erfüllen und für „ihre“ Familien genügend Kinderbetreuungsplätze anbieten. Dass selbst dies oft nicht gelingt, beweisen nicht zuletzt die Wartelisten und immer wieder aufgebrachte Eltern, die keine Betreuung finden. Seit 2013 gilt bundesweit der Rechtsanspruch auf Betreuung für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Umsetzen müssen den die Kommunen und dafür mit allerlei Unwägbarkeiten wie Zu- oder Wegzug, schwankenden Geburtenraten und Personalnot jonglieren.

Tatsächlich sind in Altbach zuletzt vermehrt Anfragen von Eltern aus umliegenden Gemeinden nach einem Kitaplatz eingegangen. „Wir müssen das wie schon in den vergangenen Jahren pauschal ablehnen“, sagt Martina Grasser, „für dieses Kindergartenjahr sind wir komplett voll“.