Die Teilnehmer demonstrieren mit bunten Plakaten – und teilweise im Kostüm. Foto: Maximilian Kroh

Mehr als 100 Menschen haben am Samstag in Ludwigsburg für mehr Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer demonstriert. Mittendrin: Zahlreiche Kinder, bunte Plakate – und ein Lama.

Es sind Sätze, die es unter anderen Umständen in jeden Jahresrückblick schaffen würden: Am Samstag fährt ein Lama auf dem Fahrrad durch die Ludwigsburger Innenstadt. „Das ist mein Mann, er ist unser Maskottchen“, sagt Lisa Hahn lachend. Er ist der absolute Hingucker an diesem Nachmittag, als die Fahrraddemo „Kidical Mass“ durch Ludwigsburg rollt.

 

Die Sonne strahlt vom Himmel, es hat mehr als 20 Grad Außentemperatur. Das ist schlecht für das Lama im Ganzkörper-Plüschkostüm, aber sehr angenehm für die mehr als 100 anderen Menschen, die zur Demo gekommen sind. Es sind hauptsächlich junge Familien, der Großteil der Kinder ist im Grundschulalter. Sie radeln eskortiert von der Polizei durch abgesperrte Straßen, von der Karlskaserne aus durch den Bahnhofstunnel, über die Wilhelmstraße, vorbei am Forum. Die Rad-Demo soll aufmerksam machen auf die Gefahren für Radfahrer im Straßenverkehr.

Autos haben Vorrang auf den Straßen

„Wir wollen das Bewusstsein wecken, dass auf den Straßen in Ludwigsburg nicht nur Autos fahren“, sagt Lisa Hahn. Sie ist eine der Organisatorinnen der Demo und Teil der Initiative „Kidical Mass Ludwigsburg“. Fahrraddemonstrationen unter der Marke „Kidical Mass“ gibt es in ganz Deutschland, ihren Ursprung hat die Initiative in Köln.

Relevant sind die Demos überall, denn die Probleme sind in ganz Deutschland ähnlich: „Autos haben immer Vorrang und dementsprechend verhalten sich auch viele Autofahrer im Straßenverkehr“, sagt Hahn. Gerade für Kinder könne das gefährlich werden, weshalb sich die Kidical Mass ganz bewusst an Familien richtet. In Ludwigsburg malen sie vor Beginn der Rundfahrt mit der Unterstützung der Kunstschule Labyrinth bunte Plakate, auf denen Sprüche wie „Uns gehört die Straße“ oder „Platz für uns!“ stehen.

Die Demo richtet sich hautpsächlich an junge Familien. Foto: Maximilian Kroh

In der Ludwigsburger Innenstadt, findet Lisa Hahn, gebe es zwar einige gut ausgebaute Fahrradwege, „aber es gibt auch Strecken, auf denen ich meine Kinder nicht guten Gewissens alleine fahren lassen kann.“ Ihre zehnjährige Tochter Malena schickt sie schon allein mit dem Fahrrad los, die jüngere Schwester darf nur aufs Rad, wenn die Eltern dabei sind.

„Man gewöhnt sich an die vielen Autos, aber ich fühle mich trotzdem nicht immer sicher“, sagt Malena. Sie geht in die vierte Klasse der Ludwigsburger Oststadtschule, fährt jeden Tag mit dem Rad zum Unterricht. Früh am Morgen sei es oft entspannt, sagt sie, aber auf dem Rückweg seien dann häufig viele Autos unterwegs. „Ich muss mehrere große Straßen überqueren. Da sieht man nicht so gut, weil überall Autos parken oder sehr schnell fahren“, sagt die 10-Jährige.

Zum zehnten Mal findet die „Kidical Mass“ an diesem Samstag in Ludwigsburg statt. Im Herbst soll es die nächste Demo geben – denn die Probleme, gegen die die vielen Menschen in Ludwigsburg auf ihren Rädern demonstrieren, lassen sich nicht von heute auf morgen lösen, das ist allen klar. „Die Straßen in der Stadt sind verstopft ohne Ende, eigentlich ist Fahrradfahren so sinnvoll“, sagt Lisa Hahns Mitstreiterin Kathrin Quast. „Aber es muss sicherer werden. Und das geht nur, wenn die Infrastruktur stimmt.“