Jens Lehmann wurde nach dem Oktoberfest diese Woche aus dem Verkehr gezogen. Foto: dpa/Sven Hoppe

Jens Lehmann, der ehemalige Fußballnationaltorwart, steht am Freitag erneut vor Gericht, diesmal vor dem Landgericht etwa wegen versuchten Betruges. Erst vor wenigen Tagen hatte ihn die Polizei erneut aus dem Verkehr gezogen.

Jens Lehmann war einmal ein Held. Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, das Sommermärchen. 30. Juni, das unter dem Trainer Jürgen Klinsmann deutsche Team steht im Viertelfinale gegen Argentinien. Elfmeterschießen, Torwart Jens Lehmann zieht immer wieder den Zettel aus seinem Stutzen und studiert ihn. Der Torwarttrainer hatte aufgeschrieben, welcher argentinische Spieler auf welche Ecke schießt. Lehmann hält zwei Elfer, Deutschland ist weiter und scheitert erst im Halbfinale an Italien. Der Zettel ist im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt.

 

Heute ist Jens Lehmann (54), wohnhaft am Starnberger See, ein Mann mit einigen Problemen. Die Polizei hat ihn in der Nacht zum Dienstag mit seinem Auto aus dem Verkehr gezogen, das bestätigt die Staatsanwaltschaft München. Er war vom Oktoberfest gekommen. Die Kontrolle war gegen 1.30 Uhr, „auffälliges Fahrverhalten mit einem PKW“ wurde laut einer Sprecherin konstatiert. Sowie „deutlicher Alkoholgeruch und ein unsicherer Gang“. Der Atemalkoholtest brachte kein verwertbares Ergebnis, Medien spekulieren, dass er womöglich zu betrunken gewesen sei, um ordentlich zu pusten. Auf das Ergebnis der Blutuntersuchung wird noch gewartet, der Führerschein ist erst mal weg.

Reihe bizarrer Fehltritte

Noch tiefer liegt Lehmann nun am Boden. Eine Anfrage dieser Zeitung an ihn und seine Agentur zu dem Vorfall nach der Wiesn bleibt unbeantwortet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Seit einiger Zeit schon hat er ziemlich viel Ärger mit der Justiz. An diesem Freitag steht er wegen anderer Angelegenheit und insgesamt schon zum dritten Mal als Angeklagter vor Gericht, und zwar diesmal vor dem höher gestellten Landgericht. Da beginnt die Verhandlung wegen angeklagter Beleidigung, Sachbeschädigung und versuchten Betruges. Das Amtsgericht in Starnberg hatte ihn dafür kurz vor Weihnachten 2023 zu 210 Tagessätzen à 2000 Euro verurteilt. Lehmann und die Staatsanwaltschaft hatten Berufung eingelegt. Schon im November 2016 hatte er in einer anderen Sache - Beihilfe zur Unfallflucht - 42 500 Euro Strafe erhalten.

Nun also alles nochmal von vorne. Laut Anklage soll er im März 2022 zwei Polizisten auf seinem Grundstück am See als „Lügner“ beschimpft haben. Diese hatten seinen Führerschein einziehen wollen, den er für einen Monat abgeben sollte, dies aber nicht getan hatte. Einer Beamtin sagte er dabei, sie habe „eine Fehlschaltung im Gehirn“.

Ende Juli 2022 soll er dann in einem unbeobachteten Moment mit einer laufenden Kettensäge auf das Gelände des Nachbarhauses eingedrungen sein. Er soll auf den Garagendachaufbau geklettert und einen Pfosten zersägt haben. Motiv laut Staatsanwaltschaft: Der Aufbau hat den Seeblick von seinem eigenen Haus aus gestört.

Schließlich wird Lehmann vorgeworfen, 2021 und 2022 je ein Mal mit seinem Porsche aus dem Parkhaus am Münchner Flughafen gefahren zu sein, ohne zu bezahlen. Dafür wendete er demnach einen Trick an: Er wartete, bis ein anderer Fahrer mit Ticket die Parkschranke öffnete, setzte sich dicht hinter diesen und fuhr „Stoßstange an Stoßstange“ durch. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Erinnerungslücken nach Kettensägen-Szene

Im Prozess hatte sich Lehmann äußerst uneinsichtig gezeigt und fiel durch seine bizarren Aussagen auf. Die Überwachungskamera auf dem Garagendach hatte ihn gefilmt, wie er die Kettensäge ansetzte. Seiner Aussage nach habe er nur schauen wollen, was der abwesende Nachbar in der Garage „da überhaupt macht“. Die Richterin fragte, ob er den Balken zersägt habe oder nicht, seine Antwort: „Das weiß ich nicht mehr.“

Bei der Aufnahme der Personalien wollte die Richterin - wie völlig üblich - wissen, ob er verheiratet ist. Lehmann konterte: „Sind Sie verheiratet?“ Auch versuchte er, der als Beruf „arbeitsloser Fußballtrainer“ angegeben hatte, immer wieder erfolglos, leise mit der Richterin ins Gespräch zu kommen - ohne dass es der Staatsanwalt hören sollte.

Verhandlung

Termin
Von 27. September bis 11. Oktober sind vier Verhandlungstage angesetzt. Als Zeugen dürften die Polizisten, die Mitarbeiter des Parkhauses sowie der 92-jährige Nachbar aus Berg am See geladen werden.