Das deutsch-französische Ensemble spielt im Württembergssal auf. Foto: Rainer Ortag

Das Quartett „Jazz Franco-Allemand“ sorgt mit unbändiger Spielfreude für strahlende Gesichter bei der Jazztime in der Böblinger Kongresshalle.

Musik ist die Sprache, die überall verstanden wird und einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung leistet. Das ist eine der Antriebsfedern, weshalb Hans Fickelscher nach rund sechs Jahren die Zusammenarbeit mit William Lecomte (Klavier) und Hervé Meschinet de Richmond (Querflöte/Saxofon) reaktiviert hat. Fickelscher, einer der vielseitigsten Jazz-Schlagzeuger Süddeutschlands, spielt nun mit den beiden Franzosen und dem Bassisten Jens Loh ein paar Konzerte im Ländle – so auch bei der Jazztime-Reihe in Böblingen am vergangenen Freitag.

 

Das Konzert im Württembergsaal der Kongresshalle erwies sich als Volltreffer. Selten sah man solch ein begeistertes Publikum bei der Jazztime. Langsam schaukelte sich die Band von Stück zu Stück weiter hoch, bis die energiegeladene Formation auch den letzten Besucher erreichte.

Flöte kommt im Jazz recht selten vor

Doch der Reihe nach: Mit aufgelösten Pianoakkorden deutete Lecomte bereits im Intro sein Können an. Zunächst stieg Meschinet mit frischen Flötentönen á la Herbie Mann der Rhythmusgruppe zu – der erste Aufhorcher! Schließlich kommt dieses Instrument im Jazz recht selten vor. Wie intensiv und breit aufgestellt sich dieser Jazz-Flötist, einer der virtuosesten Europas, präsentierte, war dann im Folgestück „Sunday Afternoon“ auszumachen. Überblastechniken unter Miteinbeziehung seiner Gesangsstimme ließen hie sowie in einer später folgenden funkigen Nummer an Jan Anderson oder Roland Kirk erinnern.

Michel Legrands „I Will Wait for You“ mit breitflächigem Piano-Intro deutete die ganze Klasse von Lecomte an, ein Eindruck, der sich nach der Pause noch steigern sollte: Mit einer wahnwitzigen Geschwindigkeit tanzten seine Finger von Tief nach Hoch und wieder zurück, oft mit einer übergreifenden linken Hand.

Der Mann, der seit 1999 in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder mit der Jazzgeigen-Koryphäe Jean-Luc Ponty auftrat, glänzte mit melodischem Einfallsreichtum und legte bei schwierigsten Spieltechniken dennoch eine spielerische Leichtigkeit an den Tag. Bei Fickelschers Ballade „When Will I See You Again“ griff Meschinet wiederholt zum Altsaxofon. Er spielt es mit singendem Ton wie einst Charlie Mariano, die restliche Band ist an Präzision laum zu überbieten.

Pit Bäuerle, Konzertorganisator bei der IG Kultur in Sindelfingen, ist bereits im Pausengespräch angetan: „Die beiden Franzosen finde ich besonders gut, jedoch ist die gesamte Besetzung extra klasse. Es hat sich richtig gelohnt, hier her zu kommen!“.

Dem sollte eine zweite Halbzeit folgen, die die Besucher fast von den Sitzen riss – Szenenapplaus zuhauf und frenetisches Beklatschen jedes Stückes. Besonders ein Flötensolo verzückte die Besucher. Meschinet grunzt, schreit, singt und spielt dabei verrückte Läufe.

Einfühlsamer Schlagzeuger: Hans Fickelscher

Welch versierter und einfühlsamer Drummer Fickelscher ist, bewies er besonders bei einer Samba, bei der er solistisch in Erscheinung trat. Bassist Jens Loh bekam ebenfalls seine Soli; allesamt mit größter Präzision und einem grandiosen Gefühl für melodische Räume gespielt. Mit „Matthieu“, einem Stück, das Lecomte für seinen Sohn schrieb, ging der Abend langsam zu Ende; frisch, energiegeladen und verspielt.

Die Besucher erhoben sich von den Plätzen und forderten lautstark eine Zugabe; ein Wunsch, den die vier sympathischen Könner gerne erfüllten.