Isabella Montedoro zeigt sich auf der Bühne gerne mit engen Kleidern – und muss sich dafür regelmäßig „blöde“ Kommentare anhören. Foto: Fabio Montedoro

Die Singer-Songwriterin Isabella Montedoro aus Bietigheim will eines Tages professionell Musik machen. Doch der Weg dorthin ist steinig – vor allem als Frau.

Für einen Kaffee geht Isabella Montedoro gerne in das Kulturzentrum Merlin in Stuttgart-West. Dieser Ort ist mit besonderen Erinnerungen verbunden: Dort war es, wo sie im April vergangenen Jahres im Rahmen des Newcomer-Projekts „Club 72“ zum ersten Mal die Bühne für sich hatte, nicht nur Support-Act war. Es war der nächste Schritt auf ihrem Weg zur professionellen Musikkarriere. Ein Weg, der mit großen Hürden verbunden ist – für sie als Newcomerin, noch mehr aber als Frau.

 

Isabella Montedoro hat ein attraktives Erscheinungsbild und zeigt das auch gerne. Doch dafür wird die Singer-Songwriterin aus Bietigheim-Bissingen immer wieder mit entsprechenden Kommentaren konfrontiert, vor allem in den sozialen Medien. Die 30-Jährige mit italienischen Wurzeln versucht das zu ignorieren, doch das ist nicht immer ganz einfach.

Bei Männern ist Freizügigkeit kein großes Thema

„Mich ärgert es, dass man immer sofort auf das Äußere reduziert wird, wenn man enge Kleider anzieht“, sagt Montedoro. Auch wenn sie privat unterwegs sei, kleide sie sich gerne so. „Der weibliche Körper besteht eben mal aus Kurven. Warum muss man das verstecken?“

Gerade Männer haben dafür aber anscheinend weniger Verständnis. „Warum müssen alle Frauen nackt auf der Bühne singen?“, bekommt sie zu hören, wenn sie Bilder von ihren Auftritten postet. Dabei ist sie ja keineswegs nackt – und überhaupt: „Wie viele männliche Sänger gibt es, die ohne Oberteil auf der Bühne singen? Da sagt keiner etwas.“

Einmal bekam sie über die sozialen Medien einen anonymen Tipp: Sie habe das doch gar nicht nötig, ihr Äußeres so zu zeigen. Montedoro hat dem Mann nie geantwortet, doch geärgert hat es sie schon: „Ich dachte mir: Wer bist du, mir sagen zu wollen, wie ich meine Kunst zu zeigen habe? Aber du kannst jemandem nichts erklären, was er eh nicht versteht.“

Kreative Verarbeitung ihrer Erfahrungen

Wenn Montedoro auf der Bühne steht, dann bekommt sie eigentlich nur positive Rückmeldungen. Aber in den sozialen Medien hat sie keine Kontrolle darüber, wer ihr folgt. Diejenigen, von denen die negativen Kommentare kommen, würden sich gar nicht für ihre Musik interessieren, glaubt Montedoro. Deswegen löscht sie unangenehme Kommentare auch – und verarbeitet ihre Erfahrungen auf ihre eigene, kreative Weise.

Denn in ihrer nächsten Single, die den Titel „I’m Not Who You Want Me To Be“ trägt und in ein bis zwei Monaten erscheinen soll, wird es genau darum gehen: „Ich lasse mich nicht auf das Äußere beschränken. Ich entscheide selbst, wer ich bin.“

Schwer, sich als Newcomerin durchzusetzen

Montedoro lässt sich nicht von ihrem Weg abbringen. Das Fernziel, eines Tages mit der Musik ihren Lebensunterhalt zu verdienen, hat sie fest vor Augen. Seit mittlerweile zweieinhalb Jahren ist sie nun ganz offiziell als Sängerin unterwegs, hat auch ein Gewerbe angemeldet und ihr Hobby zum Teilzeit-Beruf gemacht. Doch auch als Newcomerin ist es nicht einfach, sich in der Musikindustrie durchzusetzen.

Isabella Montedoro Foto: Fabio Montedoro

„Wenn man mit professionellen Leuten zusammenarbeitet, ist es am Anfang ganz schwierig. Die wollen eigentlich schon einen fertigen Künstler haben.“ Man müsse sich vieles selbst erarbeiten. Inzwischen ist sie „schon ganz zufrieden“ mit dem Fortschritt, den sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren gemacht hat: „Ich bin auf einem guten Weg.“

Erfolglose Bewerbungen bei „The Voice of Germany“

Mittlerweile hat sie schon monatlich Auftritte, das größte Publikum bislang bestand aus rund 200 Leuten. Am 18. April wird das anders sein: Dann tritt Montedoro beim Ballonblühen im Blühenden Barock in Ludwigsburg auf – im vergangenen Jahr kamen an den drei Tagen, an denen das Festival stattfindet, insgesamt 20.000 Zuschauer. „Das stresst mich schon ein bisschen. Ich will, dass das richtig gut wird“, sagt Montedoro. Am 12. Mai folgt dann ein Auftritt in Stuttgart, bei der OpenStage in der Rosenau.

Wie nah sieht sie sich selbst ihrem großen Ziel, Vollzeit-Musikerin zu sein? „Ich könnte mir schon vorstellen, dass ich es in weiteren zweieinhalb Jahren schaffen kann“, sagt sie. Einen Schub könnte ihr eine Teilnahme bei der TV-Castingshow „The Voice of Germany“ geben, aber das gestaltet sich schwierig. Schon dreimal hat sie sich erfolglos beworben.

Warum sie nicht genommen wird, ist ihr ein Rätsel: „Ich denke schon, dass ich singen kann. Daran kann es eigentlich nicht liegen.“ Vielmehr glaubt Montedoro, dass sie nicht genommen wird, weil sie keine außergewöhnliche Geschichte erzählen kann, die sich im TV gut vermarkten lässt. Dabei kann sie ja schon einen tiefen Einblick geben, womit sich eine Newcomerin in der Musikbranche herumschlagen muss – vor allem, wenn sie von ihren Erfahrungen als Frau erzählt.