Lutz Meschke, der Finanzvorstand des Sportwagenherstellers, soll ab sofort den Präsidialausschuss des Fußball-Bundesligisten erweitern, doch zuvor entbrennt im Aufsichtsrat eine Kontroverse. Wir beleuchten die Hintergründe.
Im Aufsichtsrat der VfB Stuttgart AG hat es zuletzt Unruhe gegeben. Hintergrund ist die Rolle von Lutz Meschke, der gemeinsam mit Albrecht Reimold für die Porsche AG im Kontrollgremium des Fußball-Bundesligisten sitzt. Der Finanzvorstand des Sportwagenherstellers soll nach Informationen unserer Redaktion ab diesem Mittwoch den Präsidialausschuss der VfB AG erweitern. Vorangegangen war jedoch ein Streit über den Zeitpunkt der Benennung.
Bisher gehören dieser schnellen Eingreiftruppe innerhalb des zehnköpfigen Aufsichtsrates der Interimspräsident Dietmar Allgaier, das Präsidiumsmitglied Andreas Grupp sowie Peter Schymon von Mercedes-Benz an. Mit Meschke wird die Investorenseite weiter berücksichtigt, wie es im Beteiligungsvertrag festgehalten ist. Zudem entspricht es dem Selbstverständnis der beiden Autobauer, dass sie sich mit ihren Anteilen (jeweils etwa zehn Prozent) im sogenannten Weltmarkenbündnis des VfB auf Augenhöhe bewegen – auf allen Ebenen.
DFL stimmt Erweiterung zu
Es gibt im Aufsichtsrat auch den Beschluss, dass Meschke in den Präsidialausschuss kommt. Voraussetzung dafür war, dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) der Erweiterung zustimmt. Das hat der Ligaverband nach einer Prüfung getan. Im Klartext geht es darum, dass auch in diesem kleineren Kreis, der zum Beispiel bei Trainerpersonalien oder großen Transfers die Entscheidungen des Vorstandes mittragen muss, die 50+1-Regelung der DFL gewährleistet ist. Diese garantiert dass der Investoreneinfluss bei den Vereinen nicht überhand nimmt.
Die Bedingungen sind nun alle erfüllt, da die Mehrheitsverhältnisse beim VfB trotz der personellen Aufstockung auf vier Personen gewahrt bleiben. Der Verein hat also immer das letzte Wort, da bei Abstimmungen in Pattsituationen zwischen den e.-V.– und den Investorenvertretern das Doppelstimmrecht des Präsidenten den Ausschlag gibt. Zudem ist ausgeschlossen, dass in Abwesenheit eines Präsidiumsmitglieds Entscheidungen allein durch die Vertreter von Porsche und Mercedes getroffen werden.
Alle weiteren Konstellationen im neuen Präsidialausschuss wurden ebenfalls abgesichert. Irritationen entstanden aber beim Timing der Umsetzung. Auf Anfrage teilte der Club mit: „Der VfB Stuttgart und der Aufsichtsratsvorsitzende Dietmar Allgaier geben über Interna des Aufsichtsrats generell keine Auskunft.“ Bei Porsche heißt es: „Zu internen Vorgängen äußern wir uns nicht. Grundsätzlich gilt: Wir wollen gemeinsam mit anderen Weltmarken aus der Region unseren Beitrag für eine erfolgreiche Zukunft des VfB Stuttgart leisten.“
Nach Informationen unserer Redaktion wollte Allgaier, der kürzlich den Aufsichtsratsvorsitz in das VfB-Präsidium zurückgeholt hatte, die Erweiterung des Präsidialausschusses ursprünglich nicht auf die Tagesordnung für diesen Mittwoch nehmen. Als Interimslösung bevorzugte der Ludwigsburger Landrat einen Termin nach der Mitgliederversammlung am 22. März 2025. Auch, um dem dann zu wählenden Präsidium die Chance zu geben, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
In Zuffenhausen fand Allgaier damit wenig Anklang. Porsche verwies auf den Beschluss und sah keinen Grund, die Angelegenheit aufzuschieben. Es drohte der Knall, zumal sich Meschke gleich doppelt in der Pflicht sieht. Zum einen, um zu schauen, was mit den Porsche-Millionen beim VfB geschieht. Zum anderen seinem Arbeitgeber gegenüber, da er das Engagement im Profifußball verantwortet.
Es folgten Diskussionen und es wurden Juristen bemüht. Mit dem Ergebnis, dass der Beschluss im Aufsichtsrat bindend ist und für diesen Mittwoch auf der Tagesordnung steht, die der Vorsitzende des Gremiums festlegt. Allgaier hat keinen Spielraum für eine Verschiebung und will wieder Ruhe in den Aufsichtsrat und Verein bringen.