Dach, Fenster, Fassade, Heizung, Solar: Beim Sanierungssprint werden Häuser innerhalb von 22 Tagen fit gemacht für die Zukunft. In Stuttgart und der Region werden dafür noch Handwerker und Baustellenprofis gesucht. Antworten auf alle Fragen.
Es klingt beinahe zu gut, um wahr zu sein. Man fährt für drei, vier Wochen in den Urlaub – und wenn man zurückkehrt, ist das eigene Haus perfekt. Das Dach und die Fassade gedämmt, die Fenster erneuert, geheizt wird nun per Wärmepumpe statt mit Gas oder Öl, womöglich ist auch noch das Bad oder der Balkon saniert. Den ganzen Lärm und die Unannehmlichkeiten hat man nicht mitbekommen, weil man am Strand lag und Eis gegessen hat, während die Handwerker zugange waren.
Wie ist das möglich?
Tatsächlich muss das kein Traum bleiben, sondern könnte zur Realität werden, wenn man bei dem Projekt Sanierungssprint mitmacht. Das ist die Idee des Leipziger Bauingenieurs Ronald Meyer, welche nun auch in Stuttgart und der Region umgesetzt werden soll. Innerhalb von 22 Werktagen sollen Einfamilienhäuser aus den Jahren 1945 bis 1980 komplett saniert werden. Das soll gelingen, indem Handwerker mehrerer Gewerke – also Dachdecker, Fensterbauer, Maler, und Co. – zeitgleich ihre Arbeiten erledigen – und das Ganze von einem Sanierungscoach, der immer auf der Baustelle ist, genau geplant wird.
Kann das wirklich funktionieren?
In anderen Teilen Deutschlands ist dieser Sanierungssprint bereits gelungen: zweimal bei Häusern nahe Hamburg, einmal in Landau (Pfalz) und einmal bei Leipzig. „Das sollten wir auch hinbekommen“, sagt Felix Schweikhardt, Projektleiter bei der Klimaschutz- und Energieagentur (KEA-BW), um Sanierungssprints auch in Baden-Württemberg zu initiieren. Er arbeitet in der Abteilung Zukunft Altbau der KEA-BW.
Warum genau 22 Tage?
Der Projekterfinder Ronald Meyer hat ausgerechnet, wie lange es braucht, ein Einfamilienhaus komplett zu sanieren. Er kam dabei auf 22 Werktage. „Entscheidend ist die Trocknung des Estrichs“, weiß Felix Schweikhardt. Und 22 Tage seien eine Zeitspanne, in der die einzelnen Handwerker genauso viel Zeit für ihre Arbeit in hoher Qualität wie bei üblichen Sanierungen auch hätten – nur eben in festen Zeitfenstern.
Für wen kommt das in Frage?
Das Projekt soll insbesondere jene Eigentümer ansprechen, die gerne etwas für die Energiebilanz ihres Hauses tun wollen, für die es aber ein Hemmnis darstellt, während der Sanierungen selbst auszuziehen oder – wenn sie Wohnungen vermietet haben – größere Mietausfälle in Kauf nehmen zu müssen. Durch den Sanierungssprint will man diesen Menschen die Sorgen vor Unannehmlichkeiten nehmen.
Wer wird gesucht für das Projekt?
Derzeit werden vor allem Sanierungscoaches gesucht – also jene Menschen, die vor Ort auf der Baustelle sind und die Handwerker und den Zeitplan koordinieren. Das sollte laut Schweikhardt jemand sein, der Baustellenerfahrung hat und schon einmal eine Bauleitung innehatte. Zudem werden Handwerksbetriebe aus Stuttgart und der Region gesucht, die Lust haben, das Ganze auszuprobieren.
Warum sollten Handwerker da mitmachen?
Felix Schweikhardt hat andere Sanierungssprints verfolgt, bei Leipzig war er auch auf der Baustelle vor Ort. Er weiß, dass viele Handwerksbetriebe zunächst skeptisch seien, weil sie wüssten, dass sich in der Praxis oft vieles länger als geplant hinziehe. Doch es habe sich gezeigt, dass sich auf den Turbo-Baustellen die Handwerker Wege und Wartezeiten sparten, die Abrechnung schnell abgewickelt werde, was Sicherheit für die Betriebe herstelle – und die Handwerker auch mehr Wertschätzung erfuhren. Nicht zuletzt stellt der Bauherr an allen 22 Werktagen ein kostenloses Mittagessen für alle Handwerker zur Verfügung, was zu einem guten Klima, verbesserter Kommunikation und schnellerem Lösen von Problemen auf der Baustelle beitrage, sagt Schweikhardt.