Der Hertha-Regisseur Ibrahim Maza soll zur neuen Saison möglichst nach Stuttgart kommen. Foto: IMAGO/Marco Steinbrenner

Beim VfB ist man sich einig: Hertha-Spielmacher Ibrahim Maza soll zur neuen Saison verpflichtet werden. Doch das 19-jährige Ausnahmetalent aus Berlin ist begehrt – und die Konkurrenz schläft nicht.

Die etwas routinierteren unter den VfB-Fußballfreunden werden sich an Francisco Javier Rodríguez Pinedo erinnern, der unter seinem Künstlernamen Maza zwischen Sommer 2011 und Januar 2013 in 40 Bundesligaspielen für die Stuttgarter aktiv war. Als Innenverteidiger agierte Maza, der in seiner Karriere immerhin 108 Länderspiele für Mexiko absolvierte, solide – riss aber rund um den Neckar keine Bäume aus.

 

Anders dürfte es sich da mit dem Berliner Fußballjuwel Ibrahim Maza verhalten, der mit dem Mexikaner weder verwandt noch verschwägert ist. In sämtlichen 25 Pflichtspielen in zweiter Liga und Pokal stand der Hertha-Jungstar in dieser Runde in der Startelf – und kommt dabei für den Tabellen-14. der zweiten Liga als offensiver Mittelfeldspieler auf sieben Tore und fünf Vorlagen. Dies ist schon deshalb eine außergewöhnliche Leistung, weil das Spiel der Kollegen bei der Alten Dame, die nun ihren Cheftrainer Christin Fiél entlassen hat, in dieser Runde nicht in Schwung kommt.

Mit einem guten ersten Kontakt, enger Ballführung, einem schnellen Antritt und einem wuchtigen Rechtsschuss ausgestattet, hat der Edeltechniker mit der Rückennummer zehn längst die Aufmerksamkeit des VfB auf sich gezogen. Ibrahim Maza, 19, ist ein Berliner Junge aus Reinickendorf, der mit 13 Jahren ins Nachwuchsleistungszentrum der Hertha kam, wo einst auch der Stuttgarter Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt fußballerisch groß wurde.

Schon gegen Ende der Vorsaison hat der VfB mit seinem ebenfalls aus Berlin stammenden Sportvorstand Fabian Wohlgemuth den ersten Kontakt aufgenommen – und diesen im Herbst noch einmal intensiviert (wir berichteten). Inzwischen ist die Angelegenheit von Stuttgarter Seite her klar, denn es ist in der Vereinsspitze Konsens, dass man Ibrahim Maza für die kommende Spielzeit als Kreativzentrale im offensiven Mittelfeld verpflichten möchte. Und zwar unabhängig davon, ob der womöglich abwanderungswillige Franzose Enzo Millot den Verein nun verlässt – oder nicht. Schließlich, so die Analyse im Lager des Vizemeisters, könnten Maza und Millot von der kommenden Runde an auf dem Platz gut miteinander harmonieren.

Die entscheidende Frage ist daher, ob man seitens des VfB den Wunschspieler bekommt. Denn auch Bayer Leverkusen und ausländische Bewerber, wie etwa der Champions-League-Vertreter Aston Villa aus England, sollen ihr Interesse bekundet haben. Ibrahim Maza wiederum, so ist zu hören, möchte seine Karriere aber vorerst lieber in Deutschland fortsetzen. Vorteil VfB also?

Weil sich der Marktwert Mazas aufgrund seiner Qualitäten bereits bei zwölf Millionen Euro bewegt, ist der VfB auch gewillt, eine zweistellige Ablösesumme in die Hand zu nehmen. Vertreten wird der 19-Jährige, dessen Vater aus Algerien und Mutter aus Vietnam stammt, von der international agierenden Agentur CAA Stellar – die unter anderem auch den von Eintracht Frankfurt zu Manchester City gewechselten Ex-VfBler Omar Marmoush betreut.

Mazas Vater ist Nuklearmediziner

Wichtigster Berater und Ansprechpartner in der Zukunftsplanung des Jungstars, der im Oktober für die A-Nationalmannschaft Algeriens debütierte, ist Mazas Vater Sofiane, der als Doktor der Nuklearmedizin in Berlin-Neukölln praktiziert. Er und der Stellar-Agent Rafael Kazior sind daher bereits vom VfB zu einem näheren Kennenlernen nach Bad Cannstatt eingeladen worden.

So hat man dem Duo bei einem Besuch in der Stadionloge anlässlich der Champions-League-Partie gegen Paris Saint-Germain Ende Januar quasi den roten Teppich ausgerollt. Mindestens vier Jahre möchte der VfB den jungen Regisseur von der Spree am liebsten an sich binden, was ohne eine künftige Ausstiegsklausel für den Spieler vermutlich nicht zu machen sein dürfte. Denn Ibrahim Maza will hoch hinaus.

Auch wenn das Ergebnis aus VfB-Sicht gegen PSG mit 1:4 nicht passte, soll die kleine Berliner Abordnung von der Stimmung im Stuttgarter Stadion angetan gewesen sein. Bei der Hertha kommen im Schnitt zwar rund 51 000 Fans zu den Heimspielen – doch damit ist das weitläufige Olympiastadion mit seiner Laufbahn längst nicht voll. Ohnehin gilt es als ausgemacht, dass Maza die Hertha als Zweitliga-Kellerkind trotz eines Vertrags bis 2027 verlassen wird. Beim VfB hat man nun seinerseits freundlich, aber bestimmt ein Datum hinterlassen, bis zum dem sich der Spieler und seine Berater entscheiden sollten. Unklar bleibt dabei, wie weit die Konkurrenz in ihrem Werben ist.

Kommt der Teenager Maza im Sommer, ginge der Jugendstil beim VfB weiter. Schließlich hat der Verein im Winter erst mit Finn Jeltsch, 18, vom 1. FC Nürnberg eines der hoffnungsvollsten deutschen Abwehrtalente verpflichtet. Und damit nicht genug: So sind die Stuttgarter Macher um Wohlgemuth auch an dem Hoffenheimer Neno Zezelj dran, der die Kraichgauer nach Saisonende ablösefrei verlassen kann. Mit 16 Jahren ist Zezelj (zwölf Tore und elf Vorlagen in zwölf Spielen in der DFB-Nachwuchsliga für die TSG) aber eine Investition in die Zukunft, soll sich im Falle eines erfolgreichen Transfers der U 19 anschließen.

Mit Ibrahim Maza möchte der VfB derweil möglichst zeitnah seinen nächsten Star auf der Zehnerposition im Stile der neunziger Jahre mit Krassimir Balakov herausbringen.