Zum Fastenbrechen beim Ramadan laden Muslime der Initiative Himmel in Weil der Stadt auch Christen und Andersgläubige ein. Zum Essen gibt es vor allem: Dialog.
Auch in Weil der Stadt leben Menschen unterschiedlicher Religionen – doch sie wissen oftmals wenig über die Lebensweisen und die Weltanschauung ihrer Nachbarn. Grund genug für Saban Gövec von der Initiative Himmel, deshalb Freunde, Nachbarn und Interessierte zum inzwischen fünften gemeinsamen Essen nach Sonnenuntergang einzuladen.
Die langen Tafeln im Sängerheim im Ortsteil Merklingen sind hübsch gedeckt. Lämpchen in Form von Halbmonden, ein bekanntes Symbol des Islam, stehen zwischen Servietten, Blumenschmuck und Getränken auf den Tischen. Der Halbmond repräsentiert den Beginn des islamischen Mondkalenders und bedeutende Zeiten wie den Ramadan, in dem ein Großteil der Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fastet.
Muslime und Nicht-Muslime kommen sich beim Fastbrechen näher
Noch ist es hell und zusätzliche Beleuchtung unnötig. Die Zeit des Fastenbrechens, abgestimmt auf den Untergang der Sonne, auf Türkisch Iftar, ist an diesem Tag kurz nach 18 Uhr. Mehr als hundert Gäste jeden Alters, Muslime und Nicht-Muslime, sind dabei. Auch, um sich näherzukommen und sich besser kennenzulernen.
An einem der Tische sitzen Maria und Hans-Georg Latt, die sich seit Jahren im Sprachcafé engagieren. Es wurde mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs von Isolde Jäkle vom Arbeitskreis (AK) Asyl Weil der Stadt ins Leben gerufen, um den ukrainischen Frauen Deutsch beizubringen. Inzwischen nutzen vor allem Geflüchtete aus der Türkei die Einrichtung, um die Sprache ihrer neuen Heimat zu lernen. Dabei treffen die beiden ehrenamtlichen Muttersprachler samstags im Evangelischen Gemeindehaus in Weil der Stadt auf motivierte Mitmenschen, die sich nun in Deutschland gern in ihren Berufen etablieren möchten. Maria und Hans-Georg Latt schätzen den Austausch und sind überzeugt: „Wir profitieren ebenfalls von den Gesprächen und lernen andere Kulturen kennen.“
Ein paar Stühle weiter sitzt Müjgan Sarilmaz. Die Englisch-Lehrerin kam vor sechs Jahren mit ihrem Mann und ihrem Sohn aus der Türkei, sie hat inzwischen ihren Abschluss in Informatik an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg gemacht. Künftig kann sie neben Englisch auch Informatik an einer Schule im Kreis unterrichten. Sie habe bereits viel erreicht, sagt sie, beruflich wie persönlich. Sogar die Angst vor dem Wasser hat sie überwunden und schwimmen gelernt: im Schwimmkurs für Frauen, den Ute Wolfangel vom AK Asyl leitet.
Meze, Lahmacun, Börek und Baklava: Nicht nur das Essen verbindet
Derweil hat sich die Sonne verabschiedet, der formelle Teil ist vorüber – mit Grußworten und einem Gebet, umrahmt von traditioneller Musik. Neben Vertretern der örtlichen Kirche, des AK Asyls und der Initiative Himmel, hat auch der Erste Beigeordnete Jürgen Katz gesprochen. Die Stadtverwaltung unterstützt im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie die Veranstaltung.
Nun ist es Zeit, das bunte und reichhaltige Büffet zu eröffnen. Es gibt eine große Auswahl an türkischen Spezialitäten wie Meze, Vorspeisen, darunter mit Reis gefüllte Weinblätter und kleine Paprika, Sellerie und Rote-Beete-Salat. Auch verschiedene Varianten von Lahmacun, die türkische Pizza, und Börek machen Appetit. Sie gibt es in Form von Röllchen oder Schnecken, herzhaft gefüllt mit Spinat und Schafskäse. Als krönender Abschluss lockt die beliebte Süßigkeit Baklava: blättriger Teig umhüllt Nüsse, Mandeln und Pistazien. Es ist schon lange dunkel. Doch die Menschen haben sich noch viel zu sagen, sie entdecken Gemeinsamkeiten, vertiefen Beziehungen, und sind dankbar für den Abend und die harmonischen Stunden.