Interessante Lichtspiele im Umweltzentrum Foto: Karin Ait Atmane

Am Umweltzentrum Neckar-Fils in Plochingen wurde die neue Glasfront eingeweiht: Sie hat etwas Besonderes.

Schon seit Oktober erzeugt die ungewöhnliche PV-Anlage Strom. Benötigt wird dieser oft eher am Abend, wenn Veranstaltungen sind, weshalb auch ein kleiner Batteriespeicher – ungefähr so groß wie ein Kasten Bier – installiert wurde. Er hat eine Kapazität von 10 Kilowattstunden, wie er beispielsweise in einem Vier-Personen-Haushalt mit Elektroauto eingebaut werden würde. Unterm Strich „produzieren wir viermal mehr Strom als wir verbrauchen“, erklärt Matthias Weigert, der Vorsitzende des Trägervereins Umweltzentrum Neckar-Fils.

 

Ein erheblicher Teil davon wird eingespeist, nur im Winter musste noch etwas zugekauft werden. Aber schon im März habe man „keine einzige Kilowattstunde Strom von außen eingekauft“, berichtete Bastian Zinßer, der das Projekt als Elektroingenieur begleitet hat. In nächsten Schritt will das Umweltzentrum eine Wärmepumpe installieren, mit der die beiden Mieter im Obergeschoss des Gebäudes sowohl heizen als im Sommer auch kühlen können. Der übrige, eher punktuell genutzte Bereich im Erdgeschoss bleibt vorerst konventionell mit Gas beheizt.

Blick auf die Glasfront von draußen. Foto: aia

Herausforderungen bei der innovativen Glasfassade gemeistert

Die besondere Fassade bot allerdings einige Herausforderungen. So war es schwierig, eine Firma zu finden, die diese spezielle Verglasung herstellte, zumal jede einzelne Scheibe einen individuellen Zuschnitt hat. Das Architekturbüro Aedis, das die Sache plante und die Umsetzung organisierte, konnte schließlich einen Hersteller in Österreich gewinnen. Schwierig waren aber auch die Verkabelung, „alle Anschlüsse an der Fassade mussten neu gemacht werden“, berichtete Architekt Peter Reiner von Aedis.

Getüftelt wurde auch daran, dass die Solarzellen, die optisch als schwarze Quadrate in den Scheiben wirken, zwar beschatten, aber nicht zu viel Licht wegnehmen. Das ist auf faszinierende Weise gelungen, wie die Besucher bei der Einweihung feststellten: Die Front wirkt modern und geometrisch, schafft gleichzeitig eine leicht gedämpfte, angenehme Lichtstimmung und schöne Schatteneffekte.

„Wir konnten frei agieren“: Verein setzt innovative Projekte um

Als Verein habe man, anders als eine Kommune, die mit Steuergeld wirtschaftet, die Möglichkeit, solche innovativen Projekte umzusetzen, sagte Matthias Weigert: „Wir konnten frei agieren.“ So hätten die Architekten, die richtigen, kompetenten Handwerker beauftragen können.

Das Projekt unterstreicht auch die Vorreiter- und Vorbildfunktion des Umweltzentrums. „Bei uns kommen jedes Jahr sechs- bis siebentausend Menschen ins Haus“, sagt Weigert. Sie könnten sich von der Glasfront inspirieren lassen, ob für den Wintergarten oder das Vordach an der Haustür. Diesen Aspekt sah auch der Plochinger Bürgermeister Frank Buß, der betonte: „Die entscheidenden Player sind die vielen privaten Haushalte – die werden die Wärmewende machen“.

Landrat Marcel Musolf hoffte ebenfalls auf Nachahmer und würdigte die wichtige Arbeit des Umweltzentrums mit seinen Angeboten für Schulklassen und Familien, Kinder und Erwachsene. Der Landkreis und die Stadt haben immer wieder Maßnahmen des Zentrums gefördert, so auch diese.

Gekostet hat die Glasfront, einschließlich Photovoltaik und Speicher, rund 300.000 Euro. Finanziert wurde sie zu einem Drittel aus Rücklagen des Umweltzentrums, zu einem weiteren Drittel aus Krediten von Mitgliedern des Trägervereins und zum restlichen Dritteln aus Zuschüssen und Spenden. Auch im Rahmen der Einweihung wurden Schecks überreicht, unter anderem von den beteiligten Handwerkern und Dienstleistern und vom Lions Club Plochingen.

Das SWR-Fernsehen hat ebenfalls einen Beitrag zur neuen Glasfront im Umweltzentrum gedreht, zu sehen in der SWR aktuell-Sendung von Dienstag, 17. März um 18 Uhr, ab Minute 6:45. Der Beitrag kann in der Mediathek aufgerufen werden.