Europas erstes mobiles Holzschwimmbad entsteht in Stuttgart-Zuffenhausen. Was ist das Herausfordernde beim Modulbau, das jetzt schon ausgezeichnet wurde? Ein Besuch auf der Baustelle.
Ganz schön groß. Und so hell! Bunt auch. Das Grüppchen an Architektur- und Technikfans steht und staunt. Zwischen den Fichtenholzträgern an der Decke mit einer Spannweite von gut 20 Metern finden sich schallschluckende sogenannte Sauerkrautplatten (der gekräuselten Form wegen) in Blassblau, Hell- und Dunkelgrün sowie Orange. Rückenschwimmen könnte angesichts dieser Deckengestaltung die bevorzugte Disziplin werden in Stuttgart-Zuffenhausen, wo gerade Europas erstes Holzschwimmbad, die Aquabox, entsteht.
Es ist ja nicht so, dass noch nie jemand in einem Zuber aus Holz gebadet hätte (man denke an den wackeren Stuntman Colt Seavers in der Fernsehserie „Ein Colt für alle Fälle“, der regelmäßig ein Bad in einer Holzwanne nahm). Aber ein Holzbad mit 25 Meter Becken, das ist eine Neuheit, zumal als mobiles und im Werk vorgefertigtes Bad.
Europas erstes mobiles Holzschwimmbad steht in Stuttgart
Wobei das Becken selbst nicht aus Holz ist, sondern aus acht Edelstahlelementen vor Ort zusammengeschweißt wurde. Der Bau selbst entsteht in Holzmodulbauweise. In diesem Fall aber wird im Werk nicht alles komplett vorgefertigt, wie beim Baustellenbesuch zu sehen ist, wo es etwas nach Holz duftet und mehr noch nach Baustellenstaub. Handwerker sägen Holz zurecht, andere werkeln an Kabelgeflechten.
Ernst Ulrich Tillmanns, Geschäftsführender Gesellschafter 4a Architekten, berichtet zu Beginn des Rundgangs mit den Freunden der Internationalen Bauausstellung IBA’27: „Die Holzbaufirma Blumer Lehmann sitzt in der Schweiz. Dort zu produzieren, wäre zu teuer geworden.“ Ihre Halle in Deutschland aber war nicht groß genug, um alle Teile komplett im Werk fertigzustellen. Daher wird mehr als gewöhnlich bei Modulbauten auf der Baustelle gefertigt.
Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpen vor dem Bau
Schneller als bei einem herkömmlichen Schwimmbadbau geht es trotzdem: „Ein halbes Jahr statt durchschnittlich dreieinhalb Jahre“, sagt Tillmanns, dessen Stuttgarter Architekturbüro auf Schwimmbadentwürfe spezialisiert ist. Am 3. November 2025 wurden die ersten Module für das 50 mal 30 Meter große Gebäude geliefert.
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach ist montiert, die Wärmepumpen stehen auch schon. Der Innenausbau ist voraussichtlich im Juni fertig, ab September wird geschwommen. Das ist schon eine Zeitersparnis, bedeutet auch weniger Baulärm für die Anwohner. Modulbauten haben aber ebenfalls gestalterische Aspekte. Und bei aller Freude über die schnelle Bauzeit, warnt der Architekt Ernst Ulrich Tillmanns: „Man muss auch an die Baukultur denken, es soll ja nicht immer alles gleich aussehen.“
6 Zahlen zum Stuttgarter Schwimmbadbau
- 2024 erteilte die Stadt Stuttgart POOL out of the BOX den Auftrag
- 19,1 Millionen Euro kostet das Interimsschwimmbad (inklusive 4,1 Millionen Euro für den Umzug nach Sonnenberg)
- 46 Holzmodule wurden in Stuttgart montiert.
- 950 Tonnen Wasser passen ins Schwimmbecken
- 5 Bahnen finden sich im 25-Meter-Becken
- 8 Wärmepumpen sind für die Energieversorgung im Einsatz
Viele Lösungen mussten neu entwickelt werden, weil es noch keine Normen für solch ein Bad gibt und weil viele Verbindungen wieder lösbar sein müssen, da das Bad noch auf Reisen gehen soll. Als wiederverwendbares Baukastensystem konzipiert, kann es vollständig rückgebaut und an anderen Standorten erneut aufgebaut werden.
Thomas Bopp, Aufsichtsratsvorsitzender der IBA’27, regt an, einen Katalog anzulegen an Themen, wie Regelungen beim Bauen vereinfacht, effizienter gestaltet werden könnten. „Die IBA wird ja nicht 2027 enden, sondern noch drei Jahre länger dauern und Ihre Erkenntnisse sind wichtig, wir wollen sie sammeln und dokumentieren“, sagt Bopp. Und man wolle der Stadt dann von Erfahrungen bei den innovativen Bauten berichten – Verbesserungsvorschläge inklusive.
Das Stuttgarter Schwimmbad ist jetzt offiziell IBA-Projekt
Jüngst wurde der Bau der Firma POOL out of the BOX offiziell zum IBA’27-Projekt erkoren. Andreas Hofer, Intendant der IBA’27, sagte bei dem Anlass: „Vor der Herausforderung, die Schwimmbäder aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu erneuern, stehen viele Kommunen. Die Aquabox zeigt, wie sich diese Aufgabe sehr intelligent lösen lässt: als mobiles System für temporäre Schwimmbäder, das genau dort eingesetzt werden kann, wo während Sanierungen temporärer Ersatz gebraucht wird.“
Mit 19 Millionen Euro sei es „erst einmal nicht günstiger als ein konventionelles Bad“, sagt Ernst Ulrich Tillmanns, gemeinsam mit POOL out of The Box habe man ein seriell herstellbares Bad für unter 10 Millionen Euro entwickelt. „Sonderwünsche der Stadt haben den Preis für dieses Bad in die Höhe getrieben“, sagt der Architekt. Die Fenster beispielsweise werden mit Jalousien verdunkelbar sein (Insektenschutz), auch wurde eine Vogelschutzverglasung gewünscht.
In Stuttgart-Untertürkheim ist Endstation
Allerdings ist das Bad ja auch nicht einfach nur eine Ersatzwasserfläche. Es muss ein Normbad sein, soll am Ende seiner Wanderschaft in Untertürkheim als reguläre Schwimmhalle fungieren. „Angesichts der angepeilten Lebensdauer und wenn es nach seinem Umzug nach Sonnenberg und dann zu seinem endgültigen Standort in Untertürkheim kommt“, sagt Thomas Bopp, „rechnet es sich“. Denn was ein Schwimmbadneubau in einigen Jahren kostet, sei unklar. Sicher jedoch ist, dass es nicht günstiger wird.
Beim Rundgang zeigt sich, was der Architekt zuvor bei der Präsentation erklärt hatte – vieles ist Pionierarbeit, für die keine baurechtlichen Zulassungen existieren. Da das Bad ja wieder auseinandergenommen werden muss, hat sich beispielsweise der Einsatz von Fliesen verboten, es wird ein Naturkautschukboden verlegt.
2029 soll das Bad nach Stuttgart-Sonnenberg reisen
Dank des „immensen Einsatzes aller Beteiligten“, wie Tillmanns betont, sei man gut in der Zeit. „Ab 20. April ist Badeschluss im alten Zuffenhausener Bad, dann beginnt der Abbruch. Der Neubau soll 2029 fertig sein, das mobile Bad soll dann nach Sonnenberg transportiert werden“, sagt Jens Böhm, Sprecher der Bäderbetriebe, und fügt hinzu: „Wir haben nur bis 2029 eine Standgenehmigung für das Interimsbad.“ Der Baubeschluss für den Neubau in Zuffenhausen muss allerdings noch gefasst werden.
So anspruchsvoll der Bau ist – richtig spannend wird es voraussichtlich 2029, wenn das Schwimmbad wieder auseinandergebaut und nach Sonnenberg transportiert werden soll. Bis dahin aber wird das Bad in Zuffenhausen nicht nur für die Schulkinder und die ganz Kleinen, die dort schwimmen lernen, eine der Attraktionen der Stadt.
Weitere Fotos von der Bade-Baustelle in der Bildergalerie.
Info zu den Umbauten
Zuffenhausen
Nötig wurde das Interimsbad in Stuttgart-Zuffenhausen, damit während der Errichtung eines Neubaus weiterhin Schulschwimmen stattfinden kann, Vereinssport und Schwimmkurse dort stattfinden kann. Die 50 Jahre alte Badehalle hatte sich einseitig gesenkt. Das alte Bad wird abgerissen und ein Neubau entstehen, den Wettbewerb dafür hat das Stuttgarter Büro Behnisch Architekten gewonnen.
Sonnenberg
In Sonnenberg soll das alte Bad abgerissen und ein Neubau erstellt werden, während der Bauzeit steht das Interimsbad dann dort. Den Wettbewerb für den Bau haben a+r Architekten aus Stuttgart gewonnen.