Echte Bäume soll der Ecotrii auf keinen Fall ersetzen, sagen die Stuttgarter Erfinderinnen. In Städten sehen sie aber durchaus einen Markt für ihren innovativen Schattenspender.
Die geschwungenen Füße, die gleichzeitig Sitzgelegenheiten sind, fallen den Leuten zuerst auf. Rosa Pöttinger führt vor, was sie am Ecotrii schon alles beobachtet hat. Einmal lag eine Frau auf dem Beton, ein anderes Mal saßen sich zwei Frauen im Schneidersitz gegenüber. Und eben kamen zwei kleine Mädchen vorbei, die den Fuß erst sachte berührten und dann rasch bekletterten.
Dass die Füße einen solchen Anklang finden, konnten Rosa Pöttinger und Miriam Köpf nicht wissen, als sie den Ecotrii erfunden haben. Denn es geht nicht vorrangig um die Teile unten, sondern um die Funktion oben. Der Ecotrii, den sich die Stuttgarter Gründerinnen ausgedacht haben, ist ein wurzelloser Baum, der Schatten spendet. Ein Baum ohne Holz.
18 Quadratmeter Schatten unter Ecotrii
Aus sechs Pflanzkübelflügeln mit Substrat, isoliert gegen Hitze, wachsen mehrjährige Kletterpflanzen – Efeu, Wein, Knöterich. Sie ranken Netzsegel entlang, die an eine Baumkrone oder an einen Schirm erinnern. 18 Quadratmeter beschatte der Ecotrii, sagt Rosa Pöttinger, seine Spannweite: 4,5 Meter. Ein Baum brauche zwölf bis 20 Jahre für einen solchen Durchmesser.
„Wir wollen aber auf keinen Fall einen Baum ersetzen“, betont Rosa Pöttinger. Wo ein echter Baum gepflanzt werden könne, sei der die erste Wahl. Ihnen gehe es um versiegelte Flächen, auf denen es Schatten braucht.
Unten in der Mitte der drei Sitzfüße befindet sich ein 140-Liter-Wassertank. Gegossen wird „on demand“, wie Rosa Pöttinger sagt. Also auf Nachfrage. Eine Solarzelle liefert den Strom für die Tröpfchenbewässerung. Per App können sie nachverfolgen, wie es dem Ecotrii geht.
Seit Kurzem kann der Schattenbaum, den das Start-up auf den Markt bringen will, in Stuttgart ausprobiert werden. Der Prototyp steht an der Eichstraße 9. Die Kosten liegen bei rund 30.000 Euro pro Stück. Erste Interessierte gebe es bereits, beispielsweise Julian Schahl, der Bezirksvorsteher von Weilimdorf.
Zwei Jahre haben die Architektin Rosa Pöttinger und Miriam Köpf, Produktdesignerin mit Pflanzenexpertise, am Ecotrii getüftelt. Sie sind bisher zufrieden mit dem Ergebnis. „Die Pflanzen sind gesund“, sagt Miriam Köpf. In zwei Jahren sehe man nichts mehr von der Konstruktion aus Edelstahl.
Der Ecotrii hat noch Entwicklungspotential
Der Ecotrii ist zwar mobil, kann aber von Hand nicht weggetragen werden. Die Betonfüße, die bei den Passanten so gut ankommen, sind aus dem 3D-Drucker, sie wiegen 2,7 Tonnen.
Die beiden könnten sich auch vorstellen, mit Holz zu experimentieren. Oder mit Beleuchtung und Handy-Ladebuchsen. „Der Ecotrii ist noch lange nicht fertig entwickelt“, sagt Rosa Pöttinger. 40.000 Euro hat das Start-up aus dem Klima-Innovationsfonds der Stadt Stuttgart schon für seine Idee bekommen. Den Rest der Förderung von insgesamt 104.000 Euro gibt es, wenn die ersten fünf Ecotriis vermietet oder verkauft worden sind.