Die Rankbach Rockets (in weiß, gegen die HandiCäpsele aus Hemmingen) veranstalteten einen inklusiven Handball-Spieltag. Foto: Andreas Gorr

Die Rankbach Rockets der SpVgg Renningen veranstalten ein Handball-Turnier für Inklusions-Teams – und nicht nur die Kids haben dabei ein Dauergrinsen.

Die Renninger Rankbachhalle ist gut besucht. Auf den Tribünen und vor dem Kuchenbuffet drängen sich die Gäste. In einem Drittel der Halle ist ein Bewegungs-Parkour mit Kletterwand, Turnkästen und Trampolinen aufgebaut. Die anderen Drittel sind mit kleinen Toren bestückt – es wird Handball gespielt. Kinder in bunten Trikots laufen umher, werfen Tore und jubeln. Auf den ersten Blick ein Turnier wie viele.

 

Doch schnell wird klar, dass dies etwas Besonderes ist. Es geht weniger hektisch zu als bei anderen Handballspielen, und deutlich fairer. Gelegentlich sieht man eine Betreuerin mit einem Spieler an der Hand über das Feld laufen, die auch mal selbst Bälle verteilt, um jedes Kind einzubinden.

Rankbach Rockets zeigen, wie Inklusion aussehen kann

Inklusion ist beim Glückscup der SpVgg Renningen das Motto, das Turnier wird für Kinder mit besonderem Förderbedarf ausgetragen. Seit 2023 stellt die SpVgg ein Handball-Inklusionsteam, die Rankbach Rockets. Die haben andere Mannschaften aus der Glücksliga zum gemeinsamen Handballspielen eingeladen, Mädchen und Jungen aller Altersklassen stehen gemeinsam auf dem Feld. Rund um die Spiele wird noch mehr geboten, diverse Fördervereine haben im Foyer ihre Stände aufgebaut. Besonders beliebte Gäste sind Clown Schnitz von der Jugendhilfeorganisation true!moments und Waschbär Ranki, das Club-Maskottchen.

Zum Liebhaben: Waschbär Ranki war ein beliebtes Fotomotiv – auch Umarmungen wurden verteilt. Foto: Andreas Gorr

Claudia Steigleder ist als Trainerin bei den Rockets aktiv, auch sie sieht man regelmäßig unter den Spielern. Das hat zweierlei Gründe: Zum einen gehe es darum, gelegentlich den Spielfluss am Laufen zu halten und die Bälle gleichmäßig zu verteilen, zum anderen gebe es Kinder, die allein nicht auf das Feld wollen. Steigleders Sohn Leon sorgt als Schiedsrichter für Ordnung – früher hat er regelmäßig Handballspiele geleitet, hörte aber wegen Mangels an Spaß auf. „Heute ist es etwas anderes“, betont der Rückkehrer, „viel entspannter, keiner motzt.“

Die Altersgrenzen in der Glücksliga sind fluide. Foto: Andreas Gorr

Penible Regelauslegung ist fehl am Platz, es geht um das Miteinander. „Sogar untereinander unterstützen sich die Spieler“, erzählt Leon Steigleder, „es ist viel schöner, hier zu pfeifen als anderswo, es ist viel angenehmer.“ Gelegentlich erklärt der Schiedsrichter den Kids auch mal eine Regel.

Helfende Hände aus der Handball-Abteilung – „Dauergrinsen“

Für die Ausrichtung des Glückscups braucht es viele helfende Hände, so auch die von Jana Wackenheim. Die Trainerin der weiblichen Jugend und aktive SpVgg-Spielerin überwacht den Ausgang. „Das ist wichtig, damit keines der Kinder unbeaufsichtigt die Halle verlässt“, erzählt sie. Für die Veranstaltung hat sie sich gerne gemeldet, ohne Helfer sei der Spieltag nicht zu stemmen, meint sie. Eine lästige Pflicht ist die Unterstützung für sie keinesfalls. „Ich bin die ganze Zeit am Dauergrinsen“, sagt sie und lacht, „die Jubelszenen der Kinder gefallen mir besonders.“

Auch außerhalb der Spielzeiten ist Raum für Bewegung geboten. Foto: Andreas Gorr

Neben den Glücks-Panther Metzingen, Lucky Lurchis Kornwestheim, Schönbuch Füchse Weil im Schönbuch, Händicäpsele aus Hemmingen und den Rankbach Rockets sowie deren Eltern und Freunden sind auch weitere Gäste gekommen, etwa Christa Koch vom Vorstand des TSV Hirsau. Sie möchte in ihrem Verein etwas ähnliches auf die Beine stellen, dafür holt sie sich Inspiration. „Das ist Vereinsleben, wie ich es aus meiner Jugend noch kenne. Die Kinder können ohne Druck Sport treiben, es zählt nicht nur Leistung“, schwärmt Koch.

SpVgg-Präsidentin zieht ein positives Fazit des ersten Glückscup in Renningen.

Begeisterung herrscht bei den Teilnehmern. Am Ende laufen alle Teams in die Halle, jeder Spieler wird vorgestellt, erhält eine Medaille plus Urkunde. Der 15-jährige Max von den Rockets findet den Spieltag „megariesensuper“, sein Mitspieler Moritz (11) und er freuen sich am meisten über ihre eigenen Treffer. Auch Andreas Stolle, der die Glücksliga ins Leben gerufen hat und aus Bad Salzuflen angereist ist, ist beeindruckt, wie weit die Idee gediehen ist.

Freunde, Teamgeist und Bewegung in der Glücksliga

Silke Bächtle, Präsidentin der SpVgg Renningen, meint: „Viel mehr Aufwand als ein Mini-Spieltag ist es nicht.“ Für Andreas Stolle ist die Glücksliga eine Initiative, „ein Projekt hat immer ein Ende und das darf es nicht geben“, sagt er augenzwinkernd. Die Kinder sollen ein sportliches Zuhause erhalten, Freunde finden, Teamgeist spüren und sich bewegen, meint er. „Mit einem Glücksliga-Spieltag wollen wir zeigen, dass Leistung nicht nötig ist, um glücklich zu sein,“ betont Silke Bächtle. Beim Blick in die strahlenden Gesichter der Kinder ist sofort klar, was sie meint.