Zur Verleihung der Bürgermedaille ließ die Stadt Vaihingen ein Porträt von Erika Gaessler von der Löchgauer Künstlerin Tanja Rittmann anfertigen (Bild rechts). Mit der Initiative „Ich bin Erika“ möchte der OB Uwe Skrzypek-Muth (Bild links) an ihre besondere Art erinnern und sie zum Vorbild machen. Foto: Stadt Vaihingen

Die Vaihingerin Erika Gaessler galt als Respektsperson, die zugleich verständnisvoll und hilfsbereit war. In einer neuen Initiative soll sie zum Vorbild für Jung und Alt werden.

Wer ist eigentlich Erika? Diese Frage dürfte sich in Vaihingen kaum jemand stellen. Erika Gaessler, die „gute Seele vom Marktplatz“, hatte zu Lebzeiten einen besonderen Platz im Herzen ihrer Mitmenschen und wurde für ihr positives Wirken posthum mit der Bürgermedaille der Stadt ausgezeichnet. Doch selbst über ihren Tod im November 2024 hinaus beeinflusst sie das Leben der Vaihinger – in Form der neuen Kampagne „Ich bin Erika – Bist du auch Erika?“.

 

Erika Gaessler stammte eigentlich aus dem Kreis Regensburg in Bayern. Nach Vaihingen zog sie erst nach ihrer Heirat im Jahr 1965. Doch ihr „Migrationshintergrund“ hielt sie nie davon ab, sich mit ganzem Herzen für „ihr“ Vaihingen einzusetzen: Noch bis ins hohe Alter half sie regelmäßig im Tierheim aus, sammelte für gute Zwecke im Ort, schmückte zum Maientag den Marktplatz und war für andere Seniorinnen und Senioren im Café Schlossblick aktiv.

Nassen OB mit Handtuch begrüßt

Sogar mit dem Oberbürgermeister Uwe Skrzypek-Muth, der sie für die Verleihung der Bürgermedaille einst vorgeschlagen hatte, verband sie eine besondere Vorgeschichte: „In Vaihingen ist es Tradition, dass der neue Oberbürgermeister zum Maientag in den Marktplatzbrunnen geworfen wird“, erzählt der OB. „Und als ich wieder rauskam, wer stand direkt da mit einem Frottee-Tuch? Die Erika.“

Doch noch etwas anderes zeichnete Erika Gaessler aus. Sie war nicht nur stets bereit, sich selbst einzubringen und anderen zur Seite zu stehen, sie machte auch auf Missstände aufmerksam, kleine wie große. Und das auf ganz besondere Weise. „Immer in positiver Ansprache“, formuliert es Uwe Skrzypek-Muth. „Nie anklagend, dennoch resolut.“

Wenn sie zum Beispiel beobachtete, wie jemand auf dem Marktplatz etwas wegwarf, „ist sie auf ihn zugegangen und hat etwas gesagt wie: ‚Ihnen ist da etwas runtergefallen’“, erzählt er und schmunzelt. Schaufel und Kehrwisch hatte sie direkt mit dabei. Gleiches galt gegenüber Jugendlichen, die auf dem Marktplatz unterwegs waren und sich vielleicht mal etwas daneben benahmen.

„Da nahm sie immer eine Ordnungsfunktion ein, aber in höchst sympathischer Weise“, so Skrzypek-Muth. Statt aggressiv zu sein, warb sie um Verständnis. Der 19-jährige Rapper „Nevio“, Nachbar von Erika Gaessler, beschrieb sie einmal so: „Die Polizei, in sehr nett.“ Eine positiv besetzte Respektsperson.

Positive Vorbilder kaum noch zu finden

Betrübt stellte der Oberbürgermeister bei der Vorbereitung seiner Neujahrsrede fest, dass es an solch positiven Vorbildern heutzutage sehr mangele. „Gerade in der Politik . Heute ist kaum jemand noch diplomatisch oder versöhnlich unterwegs“, bedauert er. Aus diesem Grund kam ihm der Gedanke zu der Initiative „Ich bin Erika“.

Dabei gehe es nicht um eine Heroisierung ihrer Person. Sondern um den Wunsch nach einem „offenen, ehrlichen Umgang über kulturelle Grenzen und Altersgrenzen hinweg“. Jeder solle sich für seine Stadt mitverantwortlich fühlen und sich die Frage stellen: „Was kann ich selbst tun, damit sich jeder sicher und wohl in der Stadt fühlt?“

Der Satz „Ich bin Erika“ soll als Herzstück der Initiative sein und „auf freundliche, nicht verletzende Art und Weise dazu dienen, Mitmenschen auf grenzverletzendes Verhalten anzusprechen“.