In Ludwigsburg sterben bei einem Raserunfall zwei junge Frauen. Der Verursacher muss lebenslang in Haft. Die Angehörigen der Opfer reagieren emotional.
Der 33-jährige G. ist wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein Bruder I. muss wegen versuchten Mordes für 13 Jahre ins Gefängnis. Der dritte Angeklagte erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr. Das ist das Urteil gegen die Raser von Ludwigsburg. Bei einem illegalen Autorennen hatten sie einen tödlichen Unfall verursacht, bei dem zwei junge Frauen ums Leben kamen.
Die Angehörigen der getöteten Frauen reagierten mit Jubelrufen und Applaus, als sie das Strafmaß hörten. Das unterband der Vorsitzende Richter Norbert Winkelmann sofort. „Ich lasse den halben Saal räumen, wenn Sie nicht aufhören. Das ist hier kein Schauspiel.“ Es blieb dann ruhig, doch Tränen flossen.
Tödliches Autorennen in Ludwigsburg: Zwei junge Frauen sterben
Die drei Männer waren wegen Mordes angeklagt. Sie hatten sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft über längere Zeit am Abend des 20. März ein Autorennen durch Ludwigsburg geliefert. An der Schwieberdinger Straße – nahe der MHP-Arena – kam es zu dem tödlichen Crash. Merve am Steuer war von der Tankstelle nach links auf die Straße in Richtung Innenstadt eingebogen. Mit mehr als 100 Stundenkilometern kamen von links die beiden hoch motorisierten Autos. Der Wagen von G. raste in das Auto von Merve, Selin saß auf dem Beifahrersitz. Ihr Auto wurde über die Straße geschleudert und zwischen Bäumen eingeklemmt. Sie hatten keine Chance und starben noch am Unfallort. Der Fahrer, dessen Auto in das der zwei Frauen krachte, erhielt das Urteil einer lebenslangen Haftstrafe. Sein Bruder, gegen den er antrat, wurde zu 13 Jahren verurteilt.
Das Interesse an der Urteilsverkündung war gewaltig. Mehr als eine Stunde vor geplantem Beginn der Sitzung hatte sich eine lange Schlange vor dem Gerichtsgebäude gebildet. Elif Kurt, die Tante von Selin, hatte zusammen mit weiteren Angehörigen vier Stunden angestanden, um auf ihren Platz in der zweiten Reihe hinter den Nebenklägerinnen und Nebenkläger der zwei betroffenen Familien zu kommen.
„Wir waren vom ersten Verhandlungstag an da und haben ihnen den Rücken gestärkt. Ohne uns hätten sie das nicht geschafft“, sagt sie mit Blick auf ihren Bruder, den Vater der Getöteten. Die ganze Reihe um sie herum ist von Angehörigen besetzt, dahinter sitzen Freunde und Bekannte. Von Anfang an hatte sich eine Art Sitzordnung im Saal 1, dem größten des Stuttgarter Landgerichts, ergeben. Auf der einen Seite saßen die Angehörigen und Freunde der Opfer, auf der anderen die der drei Angeklagten.