Seit einigen Wochen kehren die vorübergehend verschwundenen Roma-Familien in die Innenstadt zurück. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit verstärkten Kontrollen haben die Behörden Roma-Clans aus der Innenstadt in die Außenbezirke verdrängt. Doch die Wirkung war offenbar nicht von langer Dauer.

Stuttgart - Der Passant traut seinen Augen kaum. Im Schlossgarten hat sich eine Roma-Großfamilie zum Übernachten niedergelassen. „Es sieht furchtbar aus. Da gibt es völlig verwahrloste Ecken, überall liegt Müll herum“, erzählt er. Ein anderer berichtet davon, tagsüber habe er die Clans sogar schon auf dem Schlossplatz beobachtet – gemütlich eingerichtet mit einer Art Lager für den Tag, bevor sie sich abends wieder in den Park zurückziehen.

Eigentlich dachte man bei Stadt und Polizei, die Lage sei entschärft. Nachdem die unerlaubten Lager im Schlossgarten vor zwei, drei Jahren überhand genommen hatten und es Beschwerden gehagelt hatte, war man gemeinsam gegen die ungebetenen Gäste vorgegangen. Die kommen aus EU-Ländern, meist Rumänien oder Bulgarien, und dürfen sich deshalb in Deutschland aufhalten. Oft sind sie zum Betteln in Stuttgart, auch vereinzelte Straftaten sind bekannt. Durch die Dauerpräsenz der Polizei im Schlossgarten zogen sich die Leute, die aus den ärmsten Gegenden Europas stammen, aus der Innenstadt zurück. Dafür wurden in den Außenbezirken immer wieder Lager gefunden und aufgelöst – zuletzt im Wald bei Weilimdorf und unter der Brücke an der Friedrichswahl in Zuffenhausen, wo sich mehrere Gruppen niedergelassen hatten.

„In den vergangenen Tagen hat die Zahl der Roma in der Innenstadt wieder zugenommen“, sagt Stefan Praegert vom Ordnungsamt. Man müsse deshalb die Kontrollintensität hoch halten, damit sich die Lage nicht verfestige. Polizeisprecher Olef Petersen spricht von 40 bis 60 Personen. „Früher sind es auch schon mal über 100 gewesen, deshalb war das Problem schon größer“, sagt er. Ausgerechnet hinter dem Innenministerium habe sich im Gebüsch ein Lagerplatz gebildet.

Botschaftsmitarbeiter im Einsatz

Er pflichtet Praegert bei: „Das ist nur mit Kontrolldruck zu lösen.“ Es seien regelmäßig Beamte dabei, die Rumänisch sprechen. Bei der Polizei spricht man davon, dass die Roma häufig zum Betteln auf der Königstraße auftauchten, auch mit Kindern. Das berichtet auch Citymanagerin Bettina Fuchs. Durch das warme Wetter und die vielen Veranstaltungen sei es „spürbar, dass wieder vermehrt Bettler unterwegs sind“. Teilweise gehe es dabei recht aggressiv zur Sache, es würden immer häufiger Gäste in den Straßencafés direkt angegangen. „Wir werden das weiter beobachten. Sollte sich das verstärken, werden wir uns ans Ordnungsamt wenden“, sagt Bettina Fuchs.

Nur bei Kontrollen wollen es die Behörden aber nicht belassen. Zwar gibt es keine Handhabe, die Familienclans in die Heimat zurückzuschicken, man versucht es dafür auf die sanfte Tour. Bei den Kontrollen seien immer wieder Mitarbeiter der entsprechenden Botschaften dabei, die in der Muttersprache mit den Roma reden können, sagt Praegert. „Wir zeigen ihnen dabei auf, welche Möglichkeiten es gibt, nach Hause zurückzukommen.“ Dabei geht es auch um die Frage, von welchen Institutionen es einen finanziellen Zuschuss geben könnte. „Wir vermitteln Interessierte dann weiter“, so Praegert. Solche Angebote seien auch schon angenommen worden, sodass vereinzelt Leute zurückgekehrt seien.

Der Großteil aber wird den Sommer – und wohl auch die Adventszeit – in Stuttgart verbringen. Also werden Polizei und Stadt weiter patrouillieren – damit der Schlossgarten nicht zum Schlafsaal wird.

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