Das nächste Projekt der IBA’27 verzögert sich. Auch das neue urbane Wohn- und Gewerbequartier auf der Neckarinsel in Untertürkheim wird nicht rechtzeitig zum Präsentationsjahr fertig. Trotzdem findet an diesem Freitag ein Neckarfest statt.
Leben und Arbeiten am Neckar – ein seit Jahrzehnten gehegter Wunsch in Stuttgart und der Region. An der Inselstraße in Untertürkheim soll dies zum ersten Mal in der Landeshauptstadt wahr werden. Kein Wunder, dass es das Vorhaben „Wohnen am Fluss in Untertürkheim“ auf die Liste der Projekte für die Internationale Bauausstellung 2027 Stadtregion Stuttgart (IBA’27) geschafft hat. Allerdings wird das neue Wohn- und Gewerbequartier auf der knapp ein Hektar großen Neckarinsel nicht wie geplant zum Ausstellungsjahr 2027, sondern erst Anfang 2028 fertig. Grund dafür seien noch ausstehende, notwendige Abstimmungen mit der Stadt.
Absprachen mit der Stadt
„In erster Linie geht es um die Verlegung sämtlicher Versorgungsleitungen“, erklärt Manuel Junker, der Projektleiter der Bietigheimer Wohnbau GmbH (BW). Bereits im Jahr 2015 hatte das Tochterunternehmen der Stadt Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) das knapp ein Hektar große frühere Pfisterer-Areal zwischen der Inselstraße, der Straße Zum Ölhafen und dem Neckarkanal erworben. Doch auch neun Jahre später sind immer noch nicht alle Einzelheiten geklärt.
„Mit dem in direkter Nachbarschaft befindlichen, historischen Neckarkraftwerk hat das aber nichts zu tun“, macht Junker deutlich. Vielmehr müssten gemeinsam mit der EnBW, der ein Teil des Grundstücks gehört, noch Absprachen mit der Stadt im Hinblick auf Grundstücksgrenzen, Baumfällungen und den Artenschutz getroffen werden. Das habe die Planungen zeitlich nach hinten geworfen – „aber nur um wenige Monate“.
140 Wohnungen direkt am Neckar
Um den nunmehr neuen Zeitplan halten zu können, bedürfe es weiter einer guten und vor allem zeitnahen Zusammenarbeit mit dem Baurechtsamt, so Junker. Helfen soll dabei der Status als IBA’27-Vorhaben, die von der Stadt vordringlich behandelt werden. Der Bauantrag soll im Frühjahr 2025 gestellt werden. Mit dem Baubeginn sei dann Anfang 2026 zu rechnen – sollte die Baugenehmigung seitens der Stadt innerhalb eines halben Jahres erfolgen.
An den grundsätzlichen Plänen, die im Februar 2022 aus einem internationalen Architektenwettbewerb hervorgegangenen sind, ändere sich aber nichts. Der Entwurf von Nl Architects aus Amsterdam, die in einem einmaligen Vorgang mit dem zweiten Sieger a+r Architekten aus Stuttgart kooperieren, sieht rund 140 Wohnungen vor. Als zentraler Punkt soll eine Kindertagesstätte entstehen, in den Erdgeschossen sollen Gewerbe und soziale Nutzungen unterkommen.
Für IBA-Verantwortliche kein Rückschlag
Ziel sei, zu zeigen, wie Wohnen in einer vormals industriellen Umgebung funktioniert. So wird unter anderem das aus den 1970er Jahre stammende Bürogebäude gegenüber dem Inselbad erhalten. Weitere Gebäude entstehen am Karl-Benz-Platz und am Neckarkanal. Allesamt sollen durch ein ambitioniertes Energiekonzept versorgt werden, unter anderem sollen Wärmepumpen die Energie des Neckars nutzen. Allerdings anstatt 2027 nunmehr Anfang 2028.
Damit bricht ein weiteres Vorzeigeprojekt der IBA’27 in Stuttgart zum Präsentationsjahr weg. Von einem Rückschlag wollen die Verantwortlichen dennoch nicht sprechen. „Weil die Lage am Wasser immer etwas Außergewöhnliches ist, das es nicht oft gibt“, erklärt Jeanette Schuster, die IBA-Projektleiterin für Wohnen am Fluss. Von Beginn an habe man daher nicht zwingend damit gerechnet, dass man dies als fertiges Vorhaben präsentieren könne. Grundsätzlich wolle die Bauausstellung zeigen, wie zukünftiges Bauen und Wohnen aussehe. „Und das in all seinen verschiedenen Phasen und Facetten“, ergänzt der Pressesprecher Tobias Schiller.
Weitere Projekte ins Stocken geraten
Dennoch gäbe es durch den Ukraine-Krieg und der Krise in der Bauwirtschaft „durchaus Rahmenbedingungen, die uns nicht gutgetan haben“, räumt Schiller ein. So ist man nicht nur in Untertürkheim im Zeitverzug. Auch vom neuen Stöckach, mit dem der Verkehrsknotenpunkt neu gestaltet werden soll, wird 2027 noch nicht viel zu sehen sein. Dennoch könne man zum Ausstellungsjahr 2027 ein umfangreiches Gesamtspektrum bieten: unter anderem den ersten von drei Bauabschnitten des Sanierungsprojekts „Zukunft Münster“ der Baugenossenschaft Münster. Dabei soll bis zum Jahr 2050 ein Quartier im Ortskern mit insgesamt 200 Wohnungen saniert werden. Auch die Entwicklung mit Wohnraum für bis zu 750 Menschen in der Böckinger Straße in Stuttgart-Rot soll bis zum Ausstellungsjahr ebenso wie das neue Besucherzentrum an der Weißenhofsiedlung fertiggestellt sein.
„Wir wollen beratend zur Seite stehen und neue Ideen geben“, erklärt Schuster den Denkansatz der Bauausstellung. Wobei ein Augenmerk immer auch dem Neckar gelte. Insofern will man die Menschen bereits jetzt darauf einstimmen, den Fluss wieder erlebbarer zu machen. Insofern lädt die IBA’27 am Freitag, 13. September, zu einem Neckarfest auf dem Gelände des Wohnprojekts „Wohnen am Fluss in Untertürkheim“ ein.
Neckarfest
IBA-Tagung
Im Rahmen einer Neckartagung lädt die IBA’27 am Freitag, 13. September, unter dem Motto „Ekstase am Fluss“ ab 15 Uhr zum Neckarfest auf das zu bebauende Pfisterer-Areal, Inselstraße 140, ein. Der Eintritt ist frei.
Am Neckar
Das Amt für Sport und Bewegung bietet Sportangebote für Kinder und Jugendliche, unter anderem einen Pumptrack, an – und das für die kommenden sechs Wochen. Von 15.30 bis 18 Uhr gibt es einen Infostand des Kanuverbands Württemberg mit einem Wehrsimulationsmodell, und der Verein Neckarinsel stellt sich vor. Zudem informiert der Verein Neckarwelle von 15.45 bis 17 Uhr über eine mögliche Surfwelle auf dem Neckarkanal. Von 17 bis 18 Uhr gibt es Rundfahrten durch die Hafenbecken. Und von 16 bis 18 Uhr lädt die EnBW zu Führungen durch das älteste Wasserkraftwerk in Württemberg ein.
Auf dem Neckar
Der Verein Die Zugvögel bietet von 15.30 bis 18 Uhr Stand-up-Paddling und Wasserfahrräder an. Zudem können weitere Wassersportarten bei der Stuttgarter Rudergesellschaft und der Kanu-Abteilung der SG Untertürkheim ausprobiert werden.