Johanna Sigle ist die neue Weinhoheit von Weinstadt (Rems-Murr-Kreis). Neben Wein liebt die 22-jährige Winzerstocher Tanzen und Reisen.
„Sie ist ein Volltreffer“, sagt der städtische Kulturamtsleiter Jochen Beglau über die Krönung Johanna Sigles zur neuen Weinkönigin von Weinstadt. Bei der Suche nach einer Weinhoheit hatte man im Rathaus die Qual der Wahl und entschied sich schließlich dafür, mit Kim Würthele als Königin und Carolin Mayer als Prinzessin einfach beide Top-Bewerberinnen zu krönen. Dieses Mal dagegen ist die neue Hoheit konkurrenzlos gut. Als Winzertochter überzeugte Johanna Sigle Beglau sofort beim ersten Gespräch von sich.
Kein Wunder, entstammt sie doch nicht nur einer Winzerfamilie, sondern ist dazu auch charmant und redegewandt, wie sich im Interview kurz vor ihrer Inthronisation im Rahmen des Ratstrunks am Dienstagabend im Beutelsbacher Stiftshof zeigt, und dazu noch erfrischend offen. Aufgeregt sei sie wegen der bevorstehenden Krönung – und auch wegen des Gesprächs mit dieser Zeitung, gesteht sie: „Ich bin es nicht so vertraut damit, vor Menschen zu sprechen. Das wird eine Hürde.“ Im Interview ist davon allerdings nichts zu merken.
Immer mehr Interesse am Wein
„Schon als Kind fand ich es cool einmal Weinkönigin zu werden“, redet sie nach ihrer Motivation gefragt munter darauf los. Jetzt ist sie 22 Jahre alt und neben dem Interesse am royalen Amt ist ein weiteres hinzugekommen. „Je älter ich wurde, umso mehr Interesse hatte ich nicht nur am Posten der Weinkönigin, sondern auch am Wein.“
Was fasziniert sie am Rebensaft? „Vor allem die Vielfältigkeit. Es gibt ihn für jeden Geschmack, ob trocken, lieblich, säuerlich oder fruchtig.“ Zudem stehe Weinstadt, wie der Stadtname es deutlich mache, für Wein. Das nach außen zu präsentieren, sei ihre Motivation – obwohl sie beruflich als Industriekauffrau in einem Urbacher Unternehmen für Kunststofftechnik rein gar nichts mit Wein zu tun habe.
Dafür ist ihre familiäre Verbindung zum Rebensaft umso stärker. „Der Weinbau ist seit mehr als 550 Jahren in der Familie verankert“, berichtet Johanna Sigle. Wer will, kann die Winzergenerationen der Sigles in der familieneigenen Besenwirtschaft in Großheppach nachvollziehen. Dort hänge eine Art Stammbaum dazu – „und unser eigenes Familienwappen“. Johanna Sigle gehörte also vor ihrer Inthronisation gewissermaßen bereits dem Weinstädter Weinadel an, wenn man so will. Wenngleich ihre Eltern, als sie den Betrieb von den Großeltern übernahmen, diesen lediglich im Nebenerwerb weiterführten.
Ihr Vater Rainer sei im Supply Chain Management eines Schokoladenherstellers in der Region tätig gewesen, ihre Mutter Sabine habe Weinerlebnistouren organisiert. Inzwischen seien beide indes im Ruhestand und hätten daher mehr Zeit sich den Wengerten und dem seit den 1990er Jahren bestehenden Schlossbesen zu widmen - bis beides ganz in die Hände ihres Bruders Laurenz, der ansonsten im Projektmanagement arbeite, übergehe.
Neben Laurenz hat Johanna Sigle mit Marian und Ruben noch zwei Brüder – alle mit Ende 20 beziehungsweise Anfang 30 Jahren deutlich älter als sie. „Ich bin das Nesthäkchen“, sagt Johanna Sigle und lacht: „Ich bin es gewohnt, die kleine Prinzessin zu sein.“ Darauf, dass aus der Prinzessin eine Königin geworden ist, seien alle im Hause Sigle „total stolz“. Auch sonst habe sie nur positive Reaktionen darauf bekommen – auch schon vor ihrer offiziellen Krönung. Obwohl geheim, habe sich ihre Wahl doch offensichtlich irgendwie herumgesprochen.
Traumreiseziel ist Südamerika
Und was ist ihr Lieblingswein, mit dem sie danach gerne anstoßen würde? „Chardonnay halbtrocken“, antwortet Johanna Sigle prompt, die neben Wein Tanzen und Reisen liebt. Bereits im Alter von drei bis vier Jahren habe sie bei der Remstal Landjugend mitgetanzt. So ist sie Mitglied der Show- und Volkstanzgruppe des Vereins einerseits in hiesigen Traditionen verwurzelt und geht andererseits gern auf Entdeckungstour – sowohl in Europa als auch weltweit. Fast alle Kontinente habe sie bereits bereist, berichtet Johanna Sigle, die nach ihrem jüngsten Urlaub in Norwegen demnächst nach Portugal aufbricht. Ihr aktuelles Traumziel: „Südamerika. Ich will unbedingt mal nach Chile oder Peru.“