Die Kitagebühren in Esslingen sind verhältnismäßig hoch – zu hoch, sagen einige Eltern. Sie durften nun bei Oberbürgermeister Matthias Klopfer vorsprechen.
Der Unmut ist groß. Das geäußerte Verständnis auch. Doch es passiert kaum etwas. Seit vielen Monaten setzt sich der Esslinger Mikail Doganay für niedrigere Kitagebühren in der Stadt ein. Der Familienvater sprach mit Elternvertretern, zu den Fraktionen im Gemeinderat und startete eine Unterschriftensammlung – auch wir berichteten über das Bürgeranliegen „Faire Beiträge für alle. Stoppt die finanzielle Überforderung von Eltern in Esslingen!“
764 mal wurde online unterschrieben, viele Eltern berichten in der Kommentarfunktion auf der Seite und gegenüber unserer Redaktion, dass sie Doganays Sorgen teilen. „Wenn ich Freunden aus anderen Teilen Deutschlands von den wahnwitzigen Kitagebühren in Esslingen erzähle, gibt es nur geschocktes Kopfschütteln“, heißt es etwa. Auch Esslingens Gesamtelternbeirat betont, dass die Kitagebühren in Esslingen im Vergleich zu anderen Kommunen im Umkreis besonders hoch seien. Die Stadtverwaltung hat nun reagiert und den Familienvater samt seiner Frau Ebru Doganay zu einem Gespräch eingeladen.
Kita-Eltern sprechen zu OB Klopfer
Eine halbe Stunde nahmen sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Bürgermeister Yalcin Bayraktar und der zuständige Leiter des Amts für Bildung, Erziehung und Betreuung, Bernd Berroth, Zeit. Ebenfalls am Montagvormittag mit dabei: Victoria Georgi. Die Esslinger Mutter von zwei Kindern ist aus Solidarität gekommen. Monatlich zahle sie 1600 Euro an Kitagebühren. Ihre Kinder sind in der Ganztagsbetreuung versorgt. „Wir verdienen gut, das Geld zahle ich eigentlich gerne“, sagt Georgi. „Was mich stört, ist aber der gewaltige Gebührenunterschied zwischen Ganztagsbetreuung und der Betreuung mit verlängerten Öffnungszeiten. Das ist ungerecht.“
Auch für Familie Doganay ist das ein Hauptkritikpunkt. Die Ganztagsbetreuung dauert acht Stunden, daneben gibt es unter anderem die siebenstündige Betreuung mit verlängerten Öffnungszeiten (VÖ). Für ihre beiden Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren zahlt das Paar samt Essensgeld derzeit 1431 Euro im Monat. In der siebenstündigen Betreuung wären es nach Berechnung Doganays für beide Kinder 553 Euro monatlich. Wie lässt sich der massive Unterschied bei den Kosten von teilweise mehreren Hundert Euro im Monat erklären?
Der zuständige Amtsleiter Bernd Berroth gibt eine simple Antwort: „Für eine Ganztagsbetreuung brauchen wir 3,68 Vollzeitbeschäftigte, in den VÖ 2,68 Vollzeitstellen. Es ist für die Stadt einfach teurer.“ Für die Verwaltung seien die VÖ-Plätze wegen der niedrigeren Kosten attraktiver als die Ganztagsbetreuung. Das erklärte Ziel ist deshalb, in Esslingen Ganztagsplätze in Betreuung mit Verlängerten Öffnungszeiten umzuschichten, erklärt Berroth, betont aber, dass das „bedarfsorientiert“ geschehe. 4310 Kitaplätze gibt es insgesamt in der Stadt – 1680 davon sind Ganztagsplätze.
Auch Familie Doganay würde gerne von Ganztagsbetreuung auf VÖ mit sieben Stunden Betreuung wechseln, kann es aber wegen des geringen Angebots nicht. Doch selbst wenn der Wechsel gelinge, sei das keine echte Lösung: „Eigentlich brauchen wir die Ganztagsbetreuung. Aber die Kosten dafür sind einfach zu hoch.“
Hohe Kitagebühren in Esslingen – was macht die Stadt?
Auf die Ausführungen der Eltern reagierten Matthias Klopfer und Yalcin Bayraktar zwar mit Verständnis – „das ist viel Geld, keine Frage“ – doch weiterhelfen könne die Stadtverwaltung nicht. Überhaupt sei nur eine kleine Gruppe von Eltern von überaus hohen Gebühren betroffen. „Seit ich Oberbürgermeister bin, beschäftigt uns die Gebührenverordnung für Kitas. Es hilft nur eins: sich sozialpolitisch zu engagieren“, so Klopfer. Doganay könne versuchen, die Fraktionen im Gemeinderat zu überzeugen – hier würden die entsprechenden Entscheidungen getroffen. Für die Übergabe der Unterschriftensammlung hatte Doganay alle Fraktionen angefragt. Allein Volt und AfD meldeten sich laut ihm zurück.
Zuletzt wurden Anträge der Grünen und der AfD im Gemeinderat zur Anpassung der Gehaltsstaffeln bei den Kitagebühren mehrheitlich abgelehnt. Auf konkrete weitere Schritte, die Doganay im Rathaus forderte, wollte sich die Stadtverwaltung nicht festlegen. „Ich gehe mit keinem guten Gefühl aus dem Gespräch heraus“, sagt Doganay deshalb nach dem Treffen. Eigentlich habe er mehr Fragen klären wollen. „Ich fühle mich zwar verstanden, sehe aber keine Bereitschaft, dass jemand etwas ändern will.“ Immerhin – das versprach Bürgermeister Yalcin Bayraktar – wolle die Verwaltung auch weiterhin alle offenen Fragen des Familienvaters beantworten.