Das Hochwasser hält die Feuerwehren im Landkreis Ludwigsburg in Atem. Straßen sind gesperrt, Keller laufen voll. Der Kreisbrandmeister Andy Dorroch spricht von einer „angespannten, ernst zu nehmenden Lage“.
Regen, Regen, nichts als Regen. Die anhaltenden Niederschläge haben Pegel steigen lassen und zu Hochwasser geführt – auch im Landkreis Ludwigsburg. Der sonst so beschaulich dahinfließende Neckar bei Marbach gleicht am Samstagmittag einem reißenden Strom und führt allerlei Unrat, Äste und sogar Baumstämme mit.
Außerdem ist er deutlich über sein Ufer getreten. Deshalb mussten einige Straßen im Kreis gesperrt werden. Betroffen sind davon in Freiberg die Talstraße, die L1129 Richtung Pleidelsheim sowie die L1138 Richtung Benningen. In Neckarweihingen ist der Otto-Konz-Weg nahe des Freibads gesperrt, außerdem die Strecke von Besigheim nach Gemmrigheim entlang des Neckars sowie in Remseck die Straße „Am Remsufer“.
Sandsäcke für die Halle am Neckar
Auch auf vielen Rad- und Fußwegen am Neckar geht nichts mehr, wie etwa rund um den Biergarten Bootshaus in Marbach. Dort hat auch der Marbacher Ruderverein sein Domizil. 25 bis 30 Helfer haben am Samstagmorgen die eine Halle mit Sandsäcken gesichert. Die andere Halle steht offen, damit das Wasser durchfließen kann.
„Wir haben die ganze Nacht immer einen Blick auf den Pegel gehabt“, sagt Heike Breitenbücher vom Ruderverein. Für die Marbacher sei der Pegel in Plochingen relevant. Steigt dieser höher als 3,80 Meter, bleiben den Vereinsmitgliedern noch zwei bis vier Stunden, um zu reagieren und alles abzusichern. Unter anderem heißt das, in der Halle alles vom Boden wegzuräumen, damit das Wasser nichts mitreißt.
Nachdem das geschehen war, „können wir nur abwarten“, sagt Heike Breitenbücher. Der Marbacher Ruderverein mit seinen Hallen direkt am Neckar ist durchaus hochwasser-erprobt. Die Aktion am Samstagmorgen war also „nichts komplett Neues“, auch wenn das letzte Hochwasser 2013 schon eine Weile her ist.
Die Feuerwehren des Kreises sind am Wochenende voll im Einsatz. Kreisbrandmeister Andy Dorroch spricht am späten Samstagnachmittag von einer „angespannten und ernst zu nehmenden Lage“. Der Grund dafür ist, dass nicht klar ist, wohin sich die Pegel bewegen. „Im Laufe des Samstags ging es immer wieder hinauf und hinunter“, so Dorroch. Deshalb kam am Nachmittag eine Task Force in kleiner Besetzung zusammen, um die Lage zu besprechen und einzuschätzen. „Wir haben aktuell ein 20-jährliches Hochwasser“, so Dorroch.
Benningen und Freiberg sind am meisten betroffen
Schwerpunkte der Einsätze sind laut dem Kreisbrandmeister Benningen, Freiberg und Remseck gewesen. Dort, aber auch an anderen Stellen im Landkreis gab es die „klassischen Hochwasserereignisse“, also gesperrte Straßen und vollgelaufene Keller. „Gott sei dank keine Evakuierungen oder lebensbedrohenden Ereignisse“, betont der Kreisbrandmeister.
Neben den Einsätzen vor Ort leisteten die Feuerwehren im Kreis auch Überlandshilfe und füllten 6000 Sandsäcke für den Landkreis Göppingen. Für den Landkreis Ludwigsburg selbst wurden am Samstag 10 000 Sandsäcke an der Füllanlage der Feuerwehr Wahlheim vorbereitet.
Die große Frage bleibt am Samstagabend, wie sich die vorausgesagten nächtlichen Niederschläge auf den ohnehin schon übervollen Neckar auswirken. Am Sonntagmittag wird sich die Task Force erneut zusammensetzen, falls sich die Lage vorher nicht gewaltig zuspitzt.