Frank Gugenberger wohnt in Stuttgart-West in einem typischen Gründerzeithaus – mit Gas-Etagenheizung. Er würde gern klimafreundlicher heizen, doch es gibt für ihn mehrere Hürden.
Akuten Handlungsdruck hat Frank Gugenberger nicht. Noch läuft seine nun 20-jährige Gas-Etagenheizung. Aber der Wohnungseigentümer aus dem Stuttgarter Westen fragt sich, wie es einmal weitergehen soll. „Langfristig gesehen muss etwas passieren.“ Viele Leute unterschätzen seiner Ansicht nach den Klimawandel. „Wir müssen alle unsere Energieversorgung umstellen“, sagt der 58-jährige Physiker. Doch sein Fall zeigt, dass das gar nicht so einfach ist.
Gugenberger wohnt mit seiner Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern in einem typischen Stuttgarter Gründerzeithaus an der Augustenstraße. Zur Eigentümergemeinschaft gehören fünf Parteien. Laut der Stuttgarter Wärmeplanung liegt das Haus in einem Gebiet, in dem es bereits Fernwärme gibt. Doch ein Umstieg bringt derzeit für Gugenberger Probleme mit sich.
Anschluss an Fernwärme müssten alle mittragen
Zum einen merkt er bei seinen Nachbarn derzeit kein gesteigertes Interesse, doch einen Wechsel von Gas-Etagenheizung auf Fernwärme müssten alle mittragen. Die Kosten für den Hausanschluss müssten sie sich teilen, ebenso die Kosten für die Umbauten innerhalb des Hauses. Zum anderen ist Gugenberger aus Klimagründen nicht erpicht auf Fernwärme. „Ich will erst verbindlich wissen: Was ist das Konzept?“, sagt er. „Ich möchte nicht Gas gegen Gas tauschen. Das ergibt wirklich überhaupt keinen Sinn.“
Dass Wasserstoff künftig zur Energiequelle für die Fernwärme wird, glaubt er nicht. Wasserstoff zu verheizen, sei auf absehbare Zeit zu teuer. Die beste technische Lösung für die dicht bebaute Innenstadt seien Großwärmepumpen am Neckar . Diese Idee ist in Stuttgart nicht neu. Große Aufmerksamkeit hervorgerufen hatte eine bisher noch nicht veröffentlichte Studie der Technischen Universität Braunschweig. Den Berechnungen zufolge könnte der Neckar 56 Prozent der Raumwärme in Stuttgart decken, bei den Haushalten, sogar 82 Prozent.
Die Gedanken, die sich Frank Gugenberger macht, dürften vielen vertraut vorkommen. Laut einer Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft werden in Baden-Württemberg rund 448 000 Wohnungen mit einer Etagenheizung warm gehalten – nur Nordrhein-Westfahlen hat mit 1,5 Millionen mehr. Etagenheizung meint, dass sich die Energiequelle auf dem jeweiligen Stockwerk befindet und nicht etwa zentral für alle im Keller.
Auch Georg Barbunopulos und Fredrik Janzen kennen die Heizungsart aus eigener Erfahrung – und haben daraus eine Geschäftsidee entwickelt. Im Sommer 2024 haben sie sich ihre Etagen-Wärmepumpe patentieren lassen, im Februar beginnen Feldtests in Stuttgarter Wohnungen, im Herbst sollen dann die ersten 50 Stück eingebaut werden. Zeitdauer: ein bis zwei Tage. Bis in sieben Jahren wolle man eine Stückzahl von 20 000 im Jahr erreichen, beschreibt Georg Barbunopulos den geplanten Hochlauf. Die Kosten liegen laut dem Gründer bei 19 000 Euro.
Etagen-Wärmepumpe bis 100 Quadratmeter
Der Wohnungsbesitzer Frank Gugenberger „würde auch eine autonome, wirtschaftlich darstellbare Lösung erwägen“, also eine, bei der er nicht das Okay der anderen Miteigentümer braucht. Die neue Etagen-Wärmepumpe scheidet für ihn aber vorerst aus. Das bald marktreife Modell ist für Wohnungen zwischen 40 und 100 Quadratmeter ausgelegt. Gugenberger wohnt auf 125 Quadratmeter.
Perspektivisch will das Start-up auch größere Wohnungen abdecken, sieht den größten Markt derzeit aber bei kleineren. Bis dahin fühlt sich der Stuttgarter Eigentümer Gugenberger zum Warten verdammt.