Die geplante Neugestaltung der Bücherei spart sich die Gemeinde Deizisau im aktuellen Haushalt. Foto: tki

Die finanzielle Lage in Deizisau ist angespannt. Der Gemeinderat sucht deshalb nach Einsparpotenzialen und neuen Einnahmequellen.

Auch an Deizisau gehen die weltweiten Krisen nicht spurlos vorbei. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren muss die Neckargemeinde wieder einen Kredit aufnehmen, der Gemeinderat bemüht sich um Sparmaßnahmen. „Deizisau wird in den kommenden Jahren Prioritäten setzen müssen“, betonte Bürgermeister Thomas Matrohs im vergangenen Dezember. Diese Einstellung teilen die Fraktionen im Gemeinderat, zeigte sich bei der Verabschiedung des Haushalts. „Wir werden künftig zwischen Wünschen und Möglichkeiten abwägen müssen“, sagte Regine Kaufmann (LED) in der Sitzung.

 

Die Sanierung der Schule kann sich Deizisau nicht sparen

Doch es gibt einige Aufgaben, an denen kein Weg vorbei führt. Die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Gemeinschaftsschule etwa muss in den kommenden Jahren angegangen werden. Bis 2029 soll das Großprojekt mit Gesamtkosten in Höhe von etwa 15 Millionen Euro abgeschlossen sein. „Wer sich die Pläne angeschaut hat, wird sehen, dass sich die Schule qualitativ und quantitativ verbessern wird“, erklärte Oliver Krüger (CDU). Die Sanierung biete vor allem eine Chance, pädagogisch angemessene Lehrkonzepte in der Schule einzuführen, findet Regine Kaufmann.

Für den Masterplan Straßensanierung sollen in diesem Jahr etwa 400 000 Euro ausgegeben werden. „Wir erachten die Infrastruktur in diesen Zeiten als sehr wichtig“, sagte der CDU-Rat Krüger. Für seine Fraktion bleiben die städtebauliche Entwicklung und die allgemeine Aufenthaltsqualität in Deizisau zentrale Themen. „Mit dem neuen Kirchvorplatz entsteht aktuell ein Ort, der zum Verweilen einlädt“, erklärte er.

Das Deizisauer Freibad stand bei der Haushaltsverabschiedung nicht zur Debatte. Foto: Roberto Bulgrin

Doch es gibt viele Projekte, die in diesem Jahr – anders als ursprünglich geplant – nicht angegangen werden können. „Die Zurückstellung der Neugestaltung der Bücherei bis faktisch fast 2028 ist schmerzhaft“, sagte Maik Vosseler (FSL). Obwohl die Leitung einen guten Plan präsentiert habe und Verwaltung sowie Gemeinderäte hinter dem Projekt stünden, lasse der Haushalt 2026 das Projekt schlichtweg nicht zu, erklärte Regine Kaufmann. Auch der Neubau des Feuerwehrhauses sei eigentlich keine freiwillige Leistung, aufgrund der finanziellen Möglichkeiten aber in diesem Jahr nicht möglich, ergänzte Maik Vosseler, von der Freien Sozialen Liste (FSL). Immerhin sei die Feuerwehr logistisch gut aufgestellt, nicht zuletzt dank des 2025 gekauften Mehrzweckfahrzeugs, merkte Regine Kaufmann von der Liste engagierter Deizisauerinnen (LED) an.

Die Rücklagen von Deizisau schrumpfen

Die schwierige Haushaltslage in Deizisau sei anders als in umliegenden Gemeinden nicht unbedingt mit einem starken Rückgang an Steuereinnahmen zu begründen, erklärte Dr. Gerhard Knospe (FWG). „Unsere Steuereinnahmen sind mit etwa 16 Millionen Euro gar nicht so schlecht“, sagte er. Auch der erwirtschaftete Cashflow der Gemeinde sei positiv. Dennoch schrumpften die Rücklagen seit Jahren. „Ohne dass mit Unverstand ausgegeben wird, geht uns das Geld aus“, stellte der Rat von den Freien Wählern fest. Ein Grund hierfür seien die vielen Auflagen von Bund, Land und Kreis.

Aufgrund dieser Entwicklung sei das Gremium bereits aktiv geworden. „Die Verwaltung und der Gemeinderat haben sich im vergangenen Jahr zusammengesetzt, um Einsparpotenziale zu erkennen“, erklärte Knospe. Dieser Prozess solle sich nun verstetigen, Tabu-Themen solle es dabei nicht geben, kündigte der Freie Wähler-Rat an.

Auch auf der Einnahmenseite wollen die Fraktionen weitere Potenziale nutzen. „Wir müssen das Neubaugebiet Lochäcker weiter forcieren“, sagte Oliver Krüger von der CDU. Um Wohnraum zu schaffen, der auch bezahlbar ist, müsse die Gemeinde laut Maik Vosseler noch einen weiteren Schritt gehen: „Wir brauchen eine kommunale und genossenschaftliche Wohnbaugesellschaft.“ Um weitere Einnahmen zu generieren, müsse außerdem das Gewerbe- und Mischgebiet an der Zeppelinstraße oberhalb des Coca-Cola-Werks weiterverfolgt werden, schlug der CDU-Vertreter vor. Platz sei in Deizisau jedoch begrenzt und damit „der größte Schatz unseres Tafelsilbers“, merkte Regine Kaufmann an. Die Gemeinde müsse genau aufpassen, welche Grundstücke sie veräußere. Außerdem solle Deizisau mögliche durch die Digitalisierung frei werdende Kapazitäten dazu nutzen, Bürger, Investierende und Unternehmen besser zu unterstützen, sagte Gerhard Knospe. Auch Investorenprojekten dürfe man sich nicht verschließen. „In anderen Kommunen ist dies längst der Alltag.“

Deizisau könnte Sponsoren gebrauchen

In diesem Sinne seien Private-Public-Partnerships beim Feuerwehrhaus oder ein Sponsoring beim Freibad denkbar, merkte Maik Vosseler an. An der Strategie des Gemeinderats soll sich aus seiner Sicht etwas ändern: „Wir brauchen mehr öffentliche Sitzungen zu Finanzthemen“, sagte er. Eine bessere Sichtbarkeit würde zeigen, wie sehr der Gemeinderat bei manchen der Kürzungen oder Streichungen ringe. „Akzeptanz entsteht nicht durch Beschlüsse, sondern durch Verständnis“, sagte der FSL-Rat.

Zusätzliche Anträge stellten die Gemeinderäte – sicherlich angesichts der angespannten Finanzlage – keine für den Haushalt 2026. „Die Aufgaben werden nicht einfacher“, fasste Oliver Krüger (CDU) die Situation zusammen.

Freibad
Obwohl der Betrieb des Deizisauer Freibads für die Gemeinde jährlich Kosten von mehr als 250 000 Euro verursacht, steht der Gemeinderat fest hinter der Einrichtung. „Das Freibad ist kein Luxus, sondern vor allem für Kinder und Jugendliche ein Ort der Begegnung und Integration“, sagt Maik Vosseler.

Fiedhof
Friedhof Auch bei der Gestaltung des Friedhofs mussten Verwaltung und Gemeinderat den Rotstift ansetzen. Die neue „Landschaftsgestaltung light“ mit Urnenstelen wird etwa 70 000 Euro kosten. Verwaltungsverband
Schon jetzt haben Deizisau, Plochingen und Altbach eine gemeinsame Klimaschutzbeauftragte. In Zukunft sei es denkbar, auch in anderen Bereichen Synergieeffekte zu nutzen, erklärt Oliver Krüger.