Das dunkle Gebäude vor dem Hauptbahnhof kann nicht bezogen werden. Foto: Lichtgut/Julia Schramm

Die neue Wartehalle vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist fertig, wird aber wegen der Pandemie nicht eröffnet. Die Graffitiausstellung in der großen Halle geht in die Verlängerung.

Stuttgart - Die Freunde der temporären Kunstpräsentation sind ebenso zufrieden wie die Jäger nach einem Social-Media-tauglichen Schnappschuss: die Graffitischau in der großen Halle des Bonatzbaus kann mindestens bis Ende Januar 2021 bleiben. Eigentlich hätte Ende 2020 Schluss sein sollen. Die Bahn will die Verlängerung aber keineswegs als Anzeichen dafür verstanden wissen, dass sie auch beim Umbau des Bonatzbaus mit dem Terminplan kämpft. Schließlich hatte die Bahn noch Ende 2018 prognostiziert, dass die Halle „den Reisenden noch bis voraussichtlich Ende 2019 als Warte- und Aufenthaltsraum zur Verfügung stehen wird.“ Nun geht es also in die Verlängerung, ohne dass der Zeitplan wanken soll. Das runderneuerte Empfangsgebäude soll zeitgleich mit dem danebenliegenden Tiefbahnhof in Betrieb gehen. „Wir halten an dem Inbetriebnahmetermin 2025 auf Basis der derzeitigen Erkenntnisse fest“, so ein Bahnsprecher auf Anfrage.

 

Arbeiten finden bisher im Verborgenen statt

Dass Passanten wenig von den Arbeiten mitbekommen, abgesehen von der Tatsache, dass sämtliche Verkaufsflächen aus dem Bonatzbau verschwunden sind, erklärt der Sprecher mit den Abläufen beim Bau. „Um solch ein komplexes und umfangreiches Projekt im laufenden Betrieb umzusetzen, sind zahlreiche Vorarbeiten notwendig, für die nicht sofort der große Bagger im Einsatz ist.“ Derzeit liegt der Schwerpunkt der Arbeiten den Blicken der Passanten verborgen im ehemaligen IC-Hotel und in den vermieteten Flächen im Mittelbau. Dort sei die Entkernung „bereits in vollem Gange. Dafür wird Ende des Jahres auch ein Gerüst zur Stabilisierung an der Außenfassade des ehemaligen IC-Hotels angebracht.“ Zudem soll im kommenden Jahr auch der Bau des unterirdischen Versorgungsgebäude beginnen.

Wenn es wegen der weiteren Arbeiten in der großen Halle zunehmend ungemütlich wird, sollen Reisende in einem eigens vor dem Nordausgang am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz errichteten vorübergehenden Gebäude warten können. Dieser Bereich hätte nach ursprünglicher Bahnplanung Anfang 2020 in Betrieb gehen sollen. Die Türen zu dem Containerbau sind aber weiterhin geschlossen. „Aufgrund der Corona-Pandemie sind derzeit sämtliche Warteräume der Deutschen Bahn geschlossen“, sagt der Bahnsprecher. Das betreffe auch „die am Stuttgarter Hauptbahnhof neu errichteten beheizten Wartepavillons an den Bahnsteigen, den Wartebereich im Gebäude an Gleis 1 und die Interimswartehalle am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz.“ Der temporäre Bau bietet auch Platz für Bahnmitarbeiter. „Die dortigen Sozial- und Aufenthaltsräume für DB-Mitarbeiter im Hauptbahnhof werden auch bereits seit einiger Zeit genutzt.“

Ein Projektmanager wird gesucht

Rund 250 Millionen Euro sollen bis 2025 in den Umbau des Empfangsgebäudes fließen. Dabei erhält das denkmalgeschützte, bald 100 Jahre alte Bauwerk,unter anderem ein weiteres Stockwerk, was Kritiker auf den Plan gerufen hat. Die Wegeführung von den umliegenden Straßen und Plätzen durch das Gebäude wird grundlegend geändert, damit die Fahrgäste künftig eben zu den Verteilerflächen des Tiefbahnhofs kommen. Dies erfolgt parallel zu den benachbarten Arbeiten an Stuttgart 21. Diese Nähe der beiden Großbaustellen ist nicht ganz trivial. Die Bahn hat einen Auftrag für Projektmanagement ausgeschrieben, der vom 1. Februar 2021 an laufen soll. Der Auftragnehmer soll vor allem den Überblick behalten. „Neben den in Infrastrukturprojekten üblichen technischen Anforderungen, stellen die vielen Schnittstellen eine zusätzliche Herausforderung dar“, heißt es. Dies erfordere einen hohen Koordinierungsaufwand, „da zeitgleich mehrere Auftragnehmer während der Ausführung, innerhalb eines Baufeldes, gesamthaft koordiniert werden müssen.“ Besonderes Augenmerk gilt „der Verbesserung und nachhaltigen Verstetigung der Prozessabläufe und Kommunikation zwischen den am Projekt Beteiligten.“