Nach den Handball-Partys in Stuttgart ist die DHB-Auswahl bereit für mehr. Wir präsentieren fünf Gründe, warum das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch fit für die Hauptrunde ist.
Die deutschen Handballfrauen gehen nach drei souveränen Vorrundensiegen mit viel Rückenwind in die Hauptrundenspiele in Dortmund gegen Faröer (diesen Dienstag, 20.30 Uhr), Montenegro (Donnerstag) und Spanien (Samstag, beide 18 Uhr). Wir nennen fünf Gründe, warum das Team von Bundestrainer Markus Gaugisch sehr gute Chancen hat, zumindest das nächste Etappenziel Viertelfinale (9. Dezember) zu erreichen.
Selbstvertrauen Durch die erfolgreichen Handball-Partys in Stuttgart gegen Island (32:25), Uruguay (38:12) und Serbien (31:20) hat sich das Team in einen Flow gespielt. „Diese Welle nehmen wir mit nach Dortmund, auch dort wollen wir etwas reißen“, unterstrich Rückraumspielerin Viola Leuchter die Ambitionen. Kapitänin Antje Döll ergänzte nach der makellosen Vorrunde voller Zuversicht: „Wenn wir so auftreten wie in Stuttgart, wird es schwer, uns zu schlagen.“
Abwehrstärke Wenn Markus Gaugisch auf Aimee von Perreira angesprochen wird, dann fällt ihm als Erstes ein, dass sie eine „Frohnatur“ ist, eine „äußerst wissbegierige“ noch dazu. Allein mit diesen Charaktereigenschaften würde die Abwehrchefin aber nicht die deutsche Deckung zusammenhalten. „Man braucht einen gewissen Handball-IQ, um zu sehen, was sie für unser Spiel bedeutet“, sagte der Bundestrainer über die 25-Jährige, die erst im vergangenen März ihr Länderspieldebüt feierte.
Mit ihr hat die Abwehr eine neue Stabilität erhalten. Hart, aggressiv und kompromisslos wird vor der starken Stamm-Torhüterin Katharina Filter verteidigt. Viele Bälle konnten erobert werden, dadurch nahm das Tempospiel richtig Fahrt auf. „Das Feuer für diese WM haben wir in der Abwehr entfacht“, sagte Emily Vogel, die Innenblockpartnerin von von Perreira.
Ausgeglichenheit Jede Spielerin im Kader kam schon auf ihre Einsatzzeiten, alle sind im Turnier angekommen. Gaugisch konnte die Kräfte verteilen, die Belastung steuern, ohne dass ein Leistungsabfall zu erkennen war. Auch wenn es bisher noch nicht gegen die großen Kaliber ging: Dass die Mannschaft solide, abgeklärt, klar strukturiert und erwachsen die Spiele zu Ende bringt, war in der Vergangenheit nicht immer selbstverständlich.
Guter Mix aus Alt und Jung
Zusammenhalt „Ich habe selten eine solche Gemeinschaft erlebt wie in dieser Mannschaft“, sagte Ingo Meckes, der Sportvorstand des Deutschen Handballbundes (DHB). Der Mix aus älteren Spielerinnen wie Kapitänin Antje Döll (37) und Xenia Smits (31) und den jungen Wilden wie Nieke Kühne, Viola Leuchter (beide 21) und Nina Engel (22) stimmt perfekt.
Heimvorteil 2007 schrieben die deutschen Handballmänner mit dem Titelgewinn ihr Wintermärchen bei der Heim-WM. Ob die Frauen das wiederholen können? „Das fände ich mega, wenn das klappen würde. Märchen sind immer schön“, sagte Leuchter mit Blick auf die seit 18 Jahren andauernde Medaillen-Flaute der DHB-Frauen. Allerdings: Nur bis einschließlich des Viertelfinales gehen die Spiele in Dortmund über die Bühne, der Rest des Turniers findet in der Ahoy Arena im niederländischen Rotterdam statt.
Überhaupt steckt dieses Viertelfinale am 9. Dezember in der Westfalenhalle bereits in den Hinterköpfen aller im deutschen Lager. Es nicht zu erreichen ist bei der optimalen Ausgangslage mit 4:0 Punkten und den „machbaren“ Hauptrundengegnern, die kein internationales Topformat aufweisen, eigentlich undenkbar. Doch dann kommt es eben zu diesem Hopp-oder-top-Spiel, möglicherweise gegen Schweden.
Lockerheit und Coolness wichtig
Und in der Vergangenheit spielten den deutschen Frauen bei großen Turnieren in solchen K.-o.-Partien oft die Nerven einen Streich. „Wir haben bei der Olympia-Qualifikation gezeigt, dass wir großem Druck standhalten können“, hielt Gaugisch dagegen und baut auf die mentale Weiterentwicklung des Teams: „Wir brauchen weiterhin diese Lockerheit und Coolness, zerfetzen und alles reinhauen werden wir in diesem Spiel ohnehin.“
Unabhängig davon war es dem Bundestrainer zum Abschied aus Stuttgart noch wichtig, die Erwartungshaltung richtig einzuordnen. „Da wird das Halbfinale als Ziel hinausposaunt, als ob das nichts wäre, das verstehe ich nicht“, kritisierte er gebürtige Göppinger. DHB-Präsident Andreas Michelmann und Vertreter der Liga hatten sich dahingehend vor der WM geäußert. „Der Präsident hat das Recht, dieses Ziel bei einer Heim-WM auszurufen“, meinte Sportvorstand Meckes und ergänzte: „Natürlich tun wir gut daran, einen Schritt nach dem anderen zu tun. Aber grundsätzlich will jeder ins Halbfinale. Und wenn ich dort bin, gebe ich mich als Sportler doch auch damit nicht zufrieden, sondern will es gewinnen.“
Damit es am Ende vielleicht doch ein Wintermärchen gibt wie bei den Männern 2007.