Der SV Leonberg/Eltingen legt in der neuen Handball-Oberliga-Saison fast 2500 Kilometer für 13 Auswärtsspiele zurück. Das belastet nicht nur die Vorbereitung, sondern auch das Budget.
Sie haben fleißig gerechnet in der Handball-Abteilung des SV Leonberg/Eltingen. Mit Blick auf die neue Saison in der Oberliga haben die SV’ler die Distanzen zu den 13 Spielorten der künftigen Gegner addiert. Als Ergebnis wurden 2446 Kilometer notiert – eine Strecke, mit der man von Leonberg aus lässig Gibraltar am Ende Europas gegenüber von Afrika genauso erreichen könnte wie Moskau oder Istanbul.
Abteilungschef Matthias Groß hat diese Summe womöglich den Blutdruck leicht in die Höhe steigen lassen. „Das ist echt brutal“, grummelt der 57-Jährige, „man könnte meinen, die Verantwortlichen im Verband haben die Einteilung der Oberligen gewürfelt und alles dem Zufall überlassen.“
Die Fusion der Verbände Württemberg, Baden und Südbaden zum Baden-Württembergischen Handball-Verband (BWHV) hat eine Neueinteilung der Ligen für die nächste Spielzeit mit sich gebracht. Nun sind die Leonberger glücklich, sich für die Oberliga qualifiziert zu haben, nur eben stößt ihnen die Mischung auf wie ein Whiskey sour mit zu viel Eiweiß. „Wir halten die Entfernungen zum Teil für unzumutbar“, kritisiert Matthias Groß, „170 Kilometer einfach bis nach Konstanz – das ist unglaublich.“
Ein Mitwirkungsrecht bestand für die Vereine nicht – „friss oder stirb“ lautet das Motto. Nun mögen sie beim BWHV in Freiburg vielleicht ein paar Würfel in den Schubladen haben, für die Zusammensetzung der Ligen haben sie die im Hauptausschuss Spieltechnik nicht benutzt. „Das Hauptkriterium der Einteilung war die Fahrzeit“, betont BWHV-Hauptgeschäftsführer Thomas Dieterich, „wir wissen, dass das eine sensible Aufgabe ist, daher sitzen im Gremium Fachleute, die sich seit Jahren mit dieser Thematik auseinandersetzen.“ Von Leonberg nach Konstanz geht es fast ausschließlich über die Autobahn, was eine Fahrzeit von zwei Stunden mit sich bringt. Und auch die 160 Kilometer von Leonberg nach Kenzingen-Herbolzheim in Südbaden liegen fast ausschließlich auf Autobahn-Asphalt. „Oft trifft es deshalb Vereine, die sehr verkehrsgünstig liegen“, sagt Thomas Dieterich.
Nicht nur die Entfernung und der erhöhten Reisestress sorgen für Schnappatmung in Leonberg. Wegen der Distanzen müssen die Handballer häufiger einen Mannschaftsbus mieten, da die Fahrten nicht mehr von den Spielern in ihren Privat-Pkw zurückgelegt werden sollen. „Das können wir unseren Akteuren nicht zumuten“, betont Groß.
Weil aber Busunternehmen keine Non-Profit-Organisation sind, kommt auf den SV eine finanzielle Mehrbelastung zu, die Summe für die Fahrten liegt im mittleren vierstelligen Bereich. „Das belastet unseren Etat zusätzlich“, sagt der Handball-Chef, der darüber hinaus erwähnt, dass auch die Kosten für die Schiedsrichter aufgrund der weiteren Anreise steigen werden. „Das haben wir noch gar nicht einberechnet“, sagt Groß.
Nun ist es nicht so, dass sich der SV aus der Männer-Oberliga abmeldet – die Finanzierung der Saison gilt als gesichert – aber es ist Erfindungsreichtum gefordert, um die entstehenden Mehrkosten abzufedern. Das dürfte den Leonberger Handballern gelingen, sie sind erfindungsreich – und gut rechnen können sie schließlich auch.