Fritz Walter (li.) und Guido Buchwald 1992/93 in Hamburg in Aktion – in ungewohntem Grün. Foto: Baumann

Kleine Trikotgeschichte des VfB Stuttgart: 1992/93 liefen die Schwaben in einem ganz speziellen Shirt beim Hamburger SV auf.

1992 ging es in der Fußball-Bundesliga noch ein wenig anders zu. Ein großes Brimborium am ersten Spieltag um den amtierenden deutschen Meister? Vorgezogenes Eröffnungsspiel, Liveübertragung im Free-TV? Nichts dergleichen.

 

Also startete der Champion von 1992 wie jeder x-beliebige Club in die Spielzeit 1992/93. Zur Erinnerung: Es handelte sich um den VfB Stuttgart, der im Mai in Leverkusen sein Meisterstück vollbracht hatte. Am ersten Spieltag ging es zum Hamburger SV, wo die aktuelle Mannschaft an diesem Sonntag (15.30 Uhr) wieder zu Gast sein wird. Die Erinnerungen an das Spiel von damals vor 33 Jahren waren schnell verblasst. Ein 1:1 vor 32 500 Fans im Volksparkstadion. Die Torschützen: Jörg Bode und Maurizio Gaudino. Fritz Walter schoss noch einen Elfmeter neben das Tor. Ansonsten? Ein 1:1 eben.

Wie es zu den Ausweichtrikots kam

Wenn, ja, wenn da nicht die besonderen Trikots des VfB gewesen wären. Die Gäste traten nicht in Weiß, nicht in Rot oder wie in der jüngeren Vergangenheit so häufig in schwarzen Ausweichtrikots an. Sondern in Grün! Ein Grün, das Kenner irgendwo zwischen Opalgrün, Minttürkis und Petrol verorten würden. Nicht schön, aber selten, ließe sich sagen. Niemals zuvor waren „die Roten“, wie die Jungs aus Cannstatt damals bezeichnet wurden, in Grün aufgelaufen. Und danach auch nur noch einmal: 1995/96, ebenfalls in Hamburg. Beim Gastspiel auf St. Pauli kam eine ähnlich exotische Trikotfarbe zum Tragen.

Erst viel später, als Ausweichtrikots langsam Usus wurden, schickten die Ausrüster den VfB auch mal in Olivgrün aufs Feld. Jakos „Third“ aus der Spielzeit 2023/24 kann als farbliches Revival zu den einmaligen Hamburg-Shirts aus den 90ern begriffen werden.

2023/24 brachte Ausrüster Jako ein Revival des 90er-Jahre-Grüns heraus. Im Bild: Pascal Stenzel. Foto: Baumann

Der Grund, warum die Vereine in den 90ern damit begannen, von ihren klassischen Vereinsfarben abzuweichen, liegt darin begründet, dass die Ausrüster immer buntere Trikots auf den Markt warfen. Man denke nur an Bochums Faber-Klassiker! Liefen die Mannschaften bis in die 80er häufig unifarben in Weiß, Rot oder Blau auf, ließen Adidas und Co. auf einmal einen immer bunteren Farbmix vom Stapel. Was zur Unterscheidung für die Gastmannschaften eben zu den sogenannten Ausweichtrikots führte. Der FC Bayern etwa lief in jener Zeit bisweilen in brasilianischem Gelb-Grün auf – und erschütterte damit seine Fanszene.

Der HSV trat damals als Gastgeber gegen den VfB in Weiß und Rot an. Was besagte Gästeleibchen in Grün erforderte, die auf dem Sammlermarkt heute eine absolute Rarität darstellen. Ein Handel über den Fan-Shop gab es damals noch nicht, und nur einige wenige der Matchworn-Exemplare von 1992 dürften den Weg zu Sammlern gefunden haben.