Romulo (links) und Kevin Kurányi in der Pop-up-Galerie an der Schmalen Straße in Stuttgart. Foto: Klaus Schnaidt

Er bemalt Sportautos, Staubsauger, Sneakers – Leinwände sowieso. Seit November lebt Romulo Kurányi in Brasilien. Nach Stuttgart kehrt der Pop-Artist für kurze Zeit zurück, um eine temporären Galerie zu eröffnen – und feiert fulminant mit alten Freunden.

In Petrópolis, 60 Kilometer nördlich von Rio de Janeiro, ist er geboren. Romulo Kurányi hat einen deutschen Vater und eine brasilianische Mutter, die Schriftstellerin ist. Die Eltern lernten sich kennen, als Kont Kurányi Hotels in Südamerika aufbaute. Der Sohn war ein Jahr alt, als die Familie von den Höhen des Landes in die Tiefen der Copacabana umzog, wo sich der Vater um eine weitere Herberge für Touristen kümmerte. Der heutige Künstler, Halbbruder des früheren Fußballprofis Kevin Kurányi, erinnert sich gern an seine Kindheit am Strand von Rio zurück, mit Sonnenjunkies an eine der buntesten und turbulentesten Gegenden der Welt.

 

Die Copacabana öffnet den Geist

„Das Leben in Copacabana öffnet dir den Geist“, sagt „Romu“, wie ihn seine Freunde nennen, „du kannst gar nicht anders, als hinzusehen, zuzuhören und mitzumachen.“ Von diesem Lebensgefühl profitiere er bis heute. Als er zehn Jahre alt war, kehrte sein Vater mit der Familie zurück in seine deutsche Heimat nach Stuttgart. Für den jungen Kurányi war immer klar, dass er eines Tages nach Brasilien zurückkehren wollte. Im vergangenen November ist er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in die Berge gezogen, die eine Dreiviertelstunde vom langen Strand am Atlantik entfernt sind.

Kevin Kurányi transportierte die Werke nach Deutschland

In Stuttgart hat der heute 35-Jährige viel ausprobiert. Manches ist gelungen, manches auch nicht. Unter anderem betrieb er die Edel-Pizerria H’ugo’s im City-Gate, genau dort, wo jetzt das Ritzi – wie einst er auch – in die Insolvenz geriet. In Degerloch eröffnete er zwei Eisdielen – doch sein Herz schlug am stärksten für die Kunst. Sie wurde ihm immer wichtiger – und er wurde immer erfolgreicher damit. In Brasilien lebt Romulo Kurányi nun wieder bei seinen längst zurückgekehrten Eltern und kann sich um seinen kranken Vater kümmern.

Mindestens ein Jahr lang will er dort mit seiner Familie bleiben, neue Bilder malen und das brasilianische Leben genießen, das er lang vermisst hat. Seine Kinder lernen nun portugiesisch und gehen dort zur Schule. „Wir leben in den Bergen, wo es relativ ruhig ist und keine Kriminalität gibt wie in Rio“, sagt er.

Sein Halbbruder Kevin Kurányi (beide haben denselben Vater) kam zu Besuch, transportierte die neue Werke von „Romu“, dutzendfach eingerollt, mit dem Flugzeug nach Deutschland.

Erneut in der Pop-up-Galerie im früheren Nast

In den früheren Räumen des Traditionscafé Nast an der Schmale Straße, in der Verbindungsstraße zwischen Königstraße und Hirschstraße, hat Romulo Kurányi nun erneut in dem seit Jahren leer stehenden Laden eine Pop-up-Galerie eröffnet. Bis zum 21. April will er dort werktags von 12 bis 18 Uhr im Atelier vor Publikum arbeiten und seine Bilder verkaufen.

Zum Start hat er seine alten Freunde eingeladen. Es ist gestopft voll, draußen auf der Straße bildet sich eine dichte Traube, viele wollen wissen, wie es Romulo in Brasilien geht. Denn man weiß: Die Kurányis können feiern! Spät in der Nacht geht’s ins Nice an der Theo-Heuss zur After-Vernissage-Party – den Club hat der Künstler der Generation Y mit seinen Werken ausstaffiert.

Seinen Smiley-Style hat er weiterentwickelt

In Brasilien, so loben die Gäste, hat sich seine Kunst, sein Smiley-Style, weiterentwickelt – sie ist quasi erwachsener geworden, aber auch bunter, lebenslustiger, fröhlicher. Seine Handschrift sind klare Linien und viele Köpfen. Jedes Gesicht ist anders. „Es kommt immer auf die Betrachter an“, sagt er, „was sie daraus lesen. Seine Werke laden dazu ein, lange und genau hinzuschauen. Immer wieder entdeckt man Neues.

„Meine Inspiration kommt aus den Facetten und der Vielfalt der Menschen unterschiedlicher Herkunft, da ich multikulturell aufgewachsen bin“, sagt Kurányi. Nationen mögen unterschiedlich sein, in der Kunst aber sind sie vereint. Damit ist Kunst, die sich aus verschiedenen Kulturen speist, ein friedensstiftendes Statement – gegen Krieg. Der 35-Jährige malt sich durch viele Materialien. Kunst ist für ihn „eine Liebesbeziehung“. Auch wenn er bald wieder zur Familie nach Brasilien fliegt – viel Liebe lässt er in Stuttgart zurück.