Der starke Besucherandrang beim Informationsabend zur lokalen Energiewende in Weinstadt hat die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Nun geht es an die Umsetzung der Projekte.
Der Countdown-Zähler auf der Homepage der Remstal Bürgerenergie, kurz Rebe, ist abgelaufen. Mit einem Informationsabend zur lokalen Energiewende in Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) startete nun die heiße Phase für die im November 2024 neugegründete Genossenschaft. „Von jetzt an kann man sich für den Kauf von Anteilen registrieren“, verkündete der Vorsitzende des Klimabündnisses Weinstadt, Edgar Neumann. Neben der Rebe und dem Klimabündnis zählten auch die Stadt und die Stadtwerke Weinstadt zu den Veranstaltern.
Anlass zur Freude gab Neumann vor allem die beachtliche Besucherzahl. Rund 450 Menschen waren gekommen. Es nahmen nicht nur zahlreiche Weinstädter Bürger teil, sondern auch Gäste aus der Region, wie der Oberbürgermeister Michale Scharmann mit einem Blick aufs Publikum feststellte. „Ihr riesiges Interesse hier zeigt, Sie wollen mitreden, mitgestalten. Das gelingt nur gemeinsam“, so Scharmann, der überzeugt ist: „Der heutige Abend ist der Startpunkt für etwas Großes!“
Weinstadt beschleunigt Energiewende für Klimaneutralität bis 2035
Thomas Meier, der Erste Betriebsleiter der Stadtwerke Weinstadt, bildet mit Karl Greißing vom örtlichen Klimabündnis und Andreas Killmaier von der Volksbank Stuttgart das Vorstandstrio der Rebe und ist letztlich der Kopf hinter der geplanten lokalen Energiewende. Deren Ziel: Der aktuelle Strombedarf von 100 Millionen Kilowattstunden pro Jahr sowie der Wärmebedarf von jährlich 280 Millionen Kilowattstunden in Weinstadt sollen in „die erneuerbare Energienwelt transformiert werden“, wie Meier es formuliert, um die vom örtlichen Gemeinderat beschlossene Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen. Dafür muss mehr als ein Zahn zugelegt werden. Denn bei dem bisherigen Tempo würde sich die Energiewende noch bis ins nächste Jahrhundert hinziehen, zeigte Meier auf: „25 Jahre hat es gebraucht, um die bisher 17 Millionen Kilowattstunden des jährlichen Strombedarfs aus regenerativen Energien zu erreichen.“
Zu den zentralen Bausteinen der lokalen Energiewende gehören die geplanten Solarparks Schönbühl und Ellenrain, die auf der Anhöhe über dem Stadtteil Beutelsbach auf 250 000 Quadratmetern installiert werden sollen nebst einem großen Batteriespeicher auf 3000 Quadratmetern. „Mit einer Stromerzeugung von 20 Millionen Kilowatt pro Jahr können die Solarparks allein 20 Prozent des Weinstädter Strombedarfs abdecken“, erklärte Meier. Bei einer Anschlussleistung von 20 Megawatt sei dafür allerdings ein eigenes Umspannwerk nötig, das – durch ein Erdkabelsystem mit dem Schönbühl verbunden – bei der ebenfalls noch in Planung befindlichen Energiezentrale 10 (E10) am Remsufer neben der Kläranlage von Weinstadt entstehen soll.
Standortvorteile: E10 nutzt Abwärme und plant Wasserstoffintegration
Der Standort ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Denn mit einem großen Pufferspeicher ausgestattet soll mit der E10 die Abwärme des geklärten Wasser genutzt werden, bevor es in die Rems geht. Zudem verlaufe die Trasse der Süddeutschen Erdgasleitung (SEL), die von der Terranets bw, einem Tochterunternehmen der EnBW, gebaut wird, mittendurch, nannte Meier einen weiteren Standortvorteil sollte später einmal Wasserstoff statt Gas durchgeleitet werden. Darüber hinaus reiche die Anschlussinfrastruktur für Windkraft auf dem Nonnenberg und weitere Solarparks aus. „Damit wären wir dann bei 52 Prozent erneuerbarem Strom.“
Für die Umsetzung aller Projekte rechnete Meier mit einem Invest von 40 bis 90 Millionen Euro. „Das erfordert mehrere Schultern“, spielte er auf Bürgerbeteiligung durch die Rebe an. „Mitglied werden kann jeder und jede, der/die sich für das Projekt begeistern und unseren Optimismus teilen“, warb im Anschluss Meiers Vorstandskollege Karl Greißing dafür, sich an der Rebe zu beteiligen. Möglich sei das ab einem Anteil für 500 Euro bis maximal 200 Anteile.
Laut Andreas Killmaier von der Volksbank Stuttgart wird mit einer Projektbeteiligung von 2,5 Millionen Euro geplant. Erste Renditen für Rebe-Mitglieder erwartete Killmaier für 2029. „Drei bis vier Prozent Rendite, das geht nun einmal nur mit Großprojekten“, ergänzte Meier zu der Zielsetzung des Rebe-Aufsichtsrats, wobei er ehrlich auf Nachfrage eines Besuchers einräumte: „In trockenen Tüchern ist nichts und es ist auch kein Selbstläufer.“
Weitere Informationen im Internet unter: https://mitglied.rebe-power.de/
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