So soll die Unterboihinger Straße nach der Umgestaltung aussehen. Foto: Faktor Grün

Die Sanierung der alten Ortsdurchfahrt in Oberboihingen (Kreis Esslingen) ist nicht nur das größte Bauprojekt, das die Kommune umsetzt. Es hat Pilotcharakter.

Von einem „Meilenstein in der Entwicklung Oberboihingens“ sprach Bürgermeister Ulrich Spangenberg beim symbolischen Spatenstich für ein gut zehn Millionen Euro teures Projekt: Aus der alten Ortsdurchfahrt soll bis Ende 2027 ein attraktiver Straßenraum werden – mit breiten Gehwegen, drei barrierefreien Bushaltestellen, fünf Querungshilfen, moderner Straßenbeleuchtung und viel Grün am Straßenrand.

 

Seit der Durchgangsverkehr Ende 2013 auf eine neu gebaute Landesstraße verlegt wurde, hat die Unterboihinger Straße als Hauptverkehrsader mitten durch den Ort ausgedient. „Wir können ihr endlich eine Gestaltung geben, die ihrer heutigen Funktion als innerörtliche Erschließungsachse gerecht wird“, hob Spangenberg hervor. Im gesamten Straßenzug sollen aber nicht nur Fahrbahnbelag, Abwasserkanäle, Trinkwasser- und Stromleitungen erneuert und zugleich auch Glasfaserkabel verlegt werden. „Ein ganz neues Eingangstor nach Oberboihingen hinein“ werde entstehen, schwärmte der Schultes von dem Konzept, das in den vergangenen drei Jahren zusammen mit der Bürgerschaft erarbeitet wurde.

Rund 14.000 Quadratmeter Fläche werden umgebaut

Die Pläne der Arbeitsgemeinschaft Fichtner Water/Transportation und Faktor Grün werden nun Realität. Rund 14 400 Quadratmeter Fläche werden abschnittsweise so umgebaut, dass der gesamte 1,1 Kilometer lange Straßenzug für Autos, Busse, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen übersichtlich und sicherer wird – künftig gilt Tempo 30. Es entstehen zudem 2400 Quadratmeter Grünfläche, 42 Bäume werden neu gepflanzt. Gepflasterte Aufenthaltsbereiche sind ebenso geplant wie ein Mobility-Hub, an dem Fortbewegungsmöglichkeiten gebündelt werden. Darüber hinaus wird der Talbach in der Ortsmitte aus dem Dornröschenschlaf geholt und mit Sitzstufen erlebbar gemacht – der Sandstein dafür kommt aus der Thüringer Partnergemeinde Seebergen.

„Das ist das größte Projekt, das sich Oberboihingen in eigener Bauherren- und Finanzierungsverantwortung jemals vorgenommen hat.“

Ulrich Spangenberg, Bürgermeister

Die Straßensanierung trägt nicht nur dazu bei, Oberboihingen schöner zu machen, betonte Andre Baumann, der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg. „Dieses Projekt hat auch landespolitische Bedeutung“, hob er hervor. Denn hier komme erstmals auf einer Großbaustelle sogenanntes karbonatisiertes Baumaterial zum Einsatz.

Symbolischer Spatenstich mit Projektleiter Markus Weise, Bauleiter Axel Walker, Bürgermeister Ulrich Spangenberg, Staatssekretär Andre Baumann und Firmenchef Walter Feeß (von links). Foto: Elke Hauptmann

Es wird von der Firma Feeß im nahen Kirchheim hergestellt. Die Pilotanlage dort ist Mitte November 2024 in Betrieb gegangen. In ihr werden recycelte Baumaterialien mit Kohlendioxid (CO2) bedampft. Innerhalb weniger Stunden bildet sich so auf der Oberfläche und in den Poren des Materials Kalkstein. Das CO2 wird dadurch gebunden.

Der verbaute Recyclingbeton bindet 200 Tonnen Kohlendioxid

Auf der Baustelle in Oberboihingen werden laut Baumann rund 18 000 Tonnen des neuartigen Recyclingbetons verbaut „und damit 200 Tonnen CO2 im Straßenkörper dauerhaft gespeichert“. Deshalb sei die Straßensanierung auch „ein Klimaschutzprojekt“, betonte der Staatssekretär. Es solle Schule machen: „Das muss das neue Normal beim Bauen werden.“

Freilich: „Eine Baustelle dieser Dimension wird von uns allen Einschränkungen abverlangen“, räumte Spangenberg ein. Dennoch freut sich der Bürgermeister, dass die zweijährige Bauphase nun startet. Denn: „Das ist das größte Projekt, das sich Oberboihingen in eigener Bauherren- und Finanzierungsverantwortung jemals vorgenommen hat“, sagte er voller Stolz. Ohne Fördergelder wäre die rund 5500 Einwohner zählende Gemeinde jedoch nicht in der Lage, diese Aufgabe so umfassend anzugehen. Das Land hat signalisiert, über verschiedene Zuschussprogramme rund 2,45 Millionen Euro beizusteuern.