Kostenexplosion in Kornwestheim: Der Schulcampus im Osten der Stadt wird nicht wie im Entwurf realisiert. Ein Gebäude entfällt vorerst komplett.
Dass es die vermutlich größte Investition in der Geschichte der Stadt und ein in seiner Form einzigartiges Großprojekt werden würde, war seit Langem klar. Doch die jüngste Kalkulation dürfte einigen Stadträten in Kornwestheim dennoch die Sprache verschlagen haben: Auf rund 150 Millionen Euro wurden die Kosten für den geplanten Schulcampus Ost im vergangenen Mai beziffert. Zu teuer, sagt nicht nur Oberbürgermeister Nico Lauxmann. Nun wurde umgeplant.
Bereits seit 2018 laufen die Vorbereitungen für das Neubauprojekt im Osten der Stadt. Die Theodor-Heuss-Realschule soll auf einen Campus anwachsen, an dem künftig auch die Philipp-Matthäus-Hahn-Gemeinschaftsschule und eine neue Grundschule beheimatet sind. Der Siegerentwurf sieht insgesamt fünf Neubauten vor: die zwei neuen Schulgebäude, ein Bau mit Fachklassenräumen, eine Sporthalle und ein Campushaus mit Mensa und Aula. Dadurch sollen mehr Platz für die Schüler geschaffen und Synergieeffekte genutzt werden.
Krise hat finanzielle Situation der Stadt verschärft
Eine Machbarkeitsstudie schätzte die Gesamtkosten vor sechs Jahren noch auf rund 59 Millionen Euro. Durch Kriege und Krisen verteuerten sich die Baupreise. Im Dezember 2022 rechnete man daher bereits mit deutlichen Mehrkosten und bezifferte den Entwurf auf rund 115 Millionen Euro. Schließlich kam die vertiefte Schätzung im Frühjahr auf etwa 150 Millionen Euro. „Das können wir uns nicht leisten“, betont der OB, der mit dieser Auffassung nicht alleine ist. Auch Baubürgermeister Daniel Güthler, Finanzbürgermeisterin Martina Koch-Haßdenteufel und die Fraktionen im Gemeinderat sind sich einig, dass die Pläne abgespeckt werden müssen.
Zwar ist Kornwestheim noch schuldenfrei und hat eine Rücklage von rund 100 Millionen Euro. Die derzeitige Wirtschaftskrise verschärft jedoch die finanzielle Situation. Ohne Einsparungen würde die Stadt bis 2030 etwa 99 Millionen Euro Schulden anhäufen, erklärte Koch-Haßdenteufel.
Auch für den Schulcampus Ost haben Verwaltung und Fraktionen daher über Abstriche diskutiert. Der Grundsatzbeschluss, den der Gemeinderat am Donnerstagabend einstimmig gefasst hat, sieht nur noch eine Gesamtvolumen von rund 120,7 Millionen Euro vor. Allein 24 Millionen Euro sollen dadurch eingespart werden, dass die dreizügige Grundschule bis auf Weiteres nicht gebaut wird. Das sei auch deswegen sinnvoll, weil die Schülerzahlen in den kommenden Jahren rückläufig sein werden, sagt Lauxmann. Außerdem wird auf den Photovoltaikspeicher verzichtet, auf günstigere Baustoffe zurückgegriffen und die Mensa mit einer Aufwärm- statt einer Vollküche ausgestattet.
Projekt kann nicht mehr komplett gestoppt werden
Komplett auf Eis gelegt werden kann das Großprojekt nicht, erklärt Lauxmann. Zum einen seien bereits rund 6 Millionen Euro Planungskosten in den neuen Schulcampus geflossen. Deshalb könne auch der Entwurf nicht mehr grundlegend abgeändert werden. Zum anderen fehlen an Realschule, Gemeinschaftsschule und Gymnasium schon jetzt Räumlichkeiten. In der Stadtmitte, wo sich das Gymnasium und derzeit noch die Gemeinschaftsschule befinden, sollen daher im kommenden Schuljahr Container aufgestellt werden.
Wichtig war den Fraktionen, dass es ein Ausstiegsszenario für den Fall gibt, dass sich die Finanzlage der Stadt weiter drastisch verschlechtert. Neben der Deckelung des Gesamtbudgets wurde vereinbart, dass im ersten Quartal 2027, bevor die Bauarbeiten bindend vergeben werden, die Haushaltslage noch einmal genauer angeschaut wird. Bis dahin soll weiteres Einsparpotenzial aufgespürt werden. Von Mitte 2027 bis Mitte 2030 soll der neue Campus gebaut werden.