Rund 100 Millionen Euro soll die Sanierung des Kappelbergtunnels kosten und etwa fünfeinhalb Jahre dauern. Ziel ist mehr Sicherheit – die Planung ist weit vorangeschritten.
Besserer Brandschutz, neue Flucht- und Rettungswege sowie eine moderne technische Ausstattung – der Kappelbergtunnel muss an aktuelle Sicherheitsstandards angepasst werden. Dafür sind mehrjährige Bauarbeiten nötig. Ein wichtiger Schritt, um dieses Vorhaben vorzubereiten, ist inzwischen abgeschlossen: Der Baugrund ist geprüft. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die weitere Planung.
Im Sommer 2024 waren die Untersuchungen erstmals auch für Anwohner sichtbar. Oberhalb des Kappelbergtunnels tauchten Bohrgeräte und Markierungen auf, teils direkt an Grundstücksgrenzen. Die Erkundungsarbeiten dienten dazu, die geologischen Voraussetzungen für den Bau eines begehbaren Versorgungsstollens zu klären, mit dem die Sicherheit in Brandfällen erhöht und zugleich die Beeinträchtigung des Verkehrs während der Bauphase und im späteren Betrieb verringert werden soll.
18 Bohrungen, bis zu 30 Meter tief
Für die Baugrunduntersuchungen wurden rund 18 Erkundungsbohrungen mit Tiefen von etwa 20 bis 30 Metern angesetzt, ergänzt durch Rammsondierungen. Auf Grundlage dieser Erkundungsarbeiten entstand ein räumliches Baugrundmodell, das die verschiedenen Gesteinsschichten sowie die Grundwassersituation im Bereich des geplanten Stollens abbildet. Zudem wurden entnommene Gesteinsproben auf ihre physikalischen Eigenschaften untersucht.
Mit den Ergebnissen zeigen sich die Bauherren zufrieden: „Die Baugrunduntersuchungen haben keine signifikanten Änderungen an der bisherigen Planung ergeben“, teilte ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart mit. Auffällige oder problematische Befunde habe es demnach nicht gegeben.
In der Vergangenheit war im Zusammenhang mit dem Kappelbergtunnel immer wieder auch über mögliche schwierige geologische Verhältnisse diskutiert worden – konkrete Hinweise darauf haben die aktuellen Untersuchungen nach Angaben des Regierungspräsidiums jedoch nicht ergeben.
Planung mit langem Vorlauf
Die Ergebnisse fließen nun in die weitere Bau- und Tiefbauplanung ein. Das Projekt befindet sich derzeit in der Entwurfsplanung – einer Phase ohne sichtbare Bautätigkeit, aber mit zahlreichen technischen und rechtlichen Abstimmungen.
In der ersten Jahreshälfte 2026 soll die Anhörung der Träger öffentlicher Belange für die Erweiterung der Betriebsgebäude beginnen. Parallel dazu ist vorgesehen, die Planung des bergmännischen Stollenvortriebs bis Sommer 2026 weiter zu konkretisieren. Ab Februar 2026 ist außerdem eine Artenschutzkartierung geplant, die sich über knapp ein Jahr und damit über eine vollständige Vegetationsperiode erstreckt. Erst danach kann endgültig festgelegt werden, auf welcher Fläche die Baustelle eingerichtet werden kann. Im Anschluss soll ein Lärmschutzgutachten beauftragt werden.
Der Zeitbedarf ist einkalkuliert. „Vor allem die weiteren Abstimmungen zu Natur- und Artenschutz sowie die technische Tunnelbauplanung benötigen Zeit“, erklärte der Sprecher des Regierungspräsidiums.
Der Kappelbergtunnel wurde 1992 für den Verkehr freigegeben und bereits 2004/2005 saniert und technisch erweitert. Den heute geltenden Sicherheitsanforderungen genügt der Tunnel jedoch nicht mehr. Geplant sind deshalb eine Betonsanierung, die vollständige Erneuerung der betriebstechnischen Ausstattung sowie der Bau eines neuen, begehbaren Versorgungsstollens, der sich über rund 1,5 Kilometer unterhalb der bestehenden Tunnelröhren erstrecken und einen Innendurchmesser von etwa 2,50 Metern haben soll. Dieser soll im Brandfall die Ableitung brennbarer Flüssigkeiten ermöglichen und zugleich die Beeinträchtigung des Verkehrs während der Bauphase und im späteren Betrieb verringern.
Baustart frühestens Ende 2027
Selbst bei reibungslosem Verlauf ist ein Baubeginn frühestens Ende 2027 vorgesehen. Der Projektzeitenplan ist nicht fixiert und steht unter dem Vorbehalt weiterer Prüfungen und Abstimmungen – der Start könnte sich also noch weiter nach hinten verschieben.
Die Ertüchtigung ist als mehrjähriges Vorhaben angelegt. Zunächst sollen Maßnahmen beginnen, die keine Auswirkungen auf den Verkehr der B 14 haben, etwa die Erweiterung der Betriebsgebäude und der Bau des neuen Versorgungsstollens unterhalb des bestehenden Tunnels. Erst etwa zur Hälfte der Bauzeit sollen Arbeiten im Bestandstunnel folgen. Dann werden Verkehrseinschränkungen unvermeidlich sein – mit Fahrstreifenverengungen und Temporeduzierungen.
Insgesamt rechnet das Regierungspräsidium für die Ertüchtigung des Kappelbergtunnels mit einer Bauzeit von rund fünfeinhalb Jahren. Die Arbeiten sind so geplant, dass sie zunächst ohne Auswirkungen auf den Verkehr der B 14 erfolgen; erst in späteren Bauphasen sind Verkehrseinschränkungen vorgesehen. Die Kosten für das gesamte Bauvorhaben werden derzeit auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.
Planung wird präsentiert
Eine öffentliche Vorstellung des Vorhabens ist vom Regierungspräsidium angekündigt, sobald ein belastbarer und geprüfter Planungsstand vorliegt. Bis dahin werden die Planungen fortgesetzt – im Hintergrund, nicht im Untergrund.