Die Freiflächen-PV-Anlage befindet sich an der Schnellbahntrasse. Foto: Simon Granville

In Markgröningen wird auf einem Acker Strom für 2500 Haushalte produziert. Hauptabnehmer wird Bosch sein. Weitere Freiflächen-PV-Anlagen im Kreis Ludwigsburg sind beantragt.

Gefühlt rauschen die Schnellzüge im 15-Minuten-Takt vorbei. Die Böden sind zudem nicht sonderlich fruchtbar. Zum Wohnen wäre die 6,2 Hektar große Ackerfläche an der Bahntrasse zwischen dem Schwieberdinger Gewerbegebiet und dem Markgröninger Steinbruch insofern denkbar ungeeignet, für Landwirte war sie wenig ergiebig. Völlig unbeeindruckt von der Geräuschkulisse und der Substanz im Untergrund sind dagegen die PV-Module, die hier seit Montag, 11. Mai, grünen Strom für bilanziell rund 2500 Haushalte produzieren – im ersten Solarpark überhaupt, der im Kreis Ludwigsburg entstanden ist.

 

Betrieben wird die Freiflächen-PV-Anlage von einem Zusammenschluss aus drei aktiven Landwirten, vier privaten Grundstückseigentümern und der Firma Stromernte, in deren Händen die Federführung lag und liegt. Mit im Boot ist bei der GmbH überdies die Stadt Markgröningen. Der Anteil der Kommune bei dem 4,5-Millionen-Euro-Vorhaben mag mit 1,8 Prozent zwar gering sein. „Wir stehen aber voll hinter der Sache“, betont Bürgermeister Jens Hübner. Das solle auch nicht das einzige Projekt dieser Art auf der Gemarkung bleiben, stellte er klar.

Wobei es nur eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis auch andernorts freie Flächen großflächig mit PV-Modulen bestückt werden. „Es gibt bereits Planungen und Anträge für weitere Freiflächen-PV-Anlagen“, erklärt Marianne Harr, Pressesprecherin im Landratsamt Ludwigsburg. Die potenziellen Solarparks befänden sich zum Beispiel in Freiberg, Möglingen, Schwieberdingen und Vaihingen. Die Planungen seien unterschiedlich weit fortgeschritten. Die Größe variiere ebenfalls, bewege sich im Bereich zwischen fünf und 40 Hektar. „Dementsprechend schwankt auch die geplante installierte Leistung der Freiflächen-PV-Anlagen zwischen 6,7 und 50 Megawattpeak“, erklärt Harr.

Bosch als wichtiges Puzzleteil

Bei der Einweihung des ersten Solarparks im Landkreis hat unter anderem Staatssekretär Andre Baumann gesprochen. Foto: Christian Kempf

Die Pioniere in Markgröningen sind mit einer Leistung von 8,5 Megawattpeak ins Rennen gegangen, wie Benjamin Boy von der Firma Stromernte sagt. 10 Millionen Kilowattstunden grüne Energie sollen pro Jahr von dem Feld an der Bahntrasse geerntet werden. „Der Prozess hat von den Anfangsgedanken bis heute rund zweieinhalb Jahre gedauert“, erklärt Boy.

Ein wichtiges Puzzleteil war das Mitwirken der Firma Bosch. Boy wusste um die Bemühungen des Konzerns, am Standort in Schwieberdingen zunehmend auf alternative Energien umzusatteln und dass sich das Unternehmen mit dem Bau von Windrädern beschäftigte. Der Projektentwickler nahm deshalb Kontakt mit den Verantwortlichen auf, um ergänzend Solarstrom anzubieten. Dabei rannte er offene Türen ein.

„Wir stehen voll hinter der Sache.“

Jens Hübner, Bürgermeister von Markgröningen

Letztendlich wird es so sein, dass Bosch sechs Megawatt der Energie abnimmt, der Rest geht ins öffentliche Netz. Die Anlage ist entsprechend zweigeteilt aufgebaut. Zum Standort des Konzerns wurde eine Direktleitung durchs Industriegebiet verlegt. „Boschweit ist das die erste Anlage, die so angeschlossen wird in der Art außerhalb des Werksgeländes mit Dritten zusammen“, betont Ulrich Schneider, der bei dem Unternehmen das Thema Energieversorgung verantwortet. Ungefähr zwölf Prozent des Stroms im Werk würden nun vor Ort erzeugt. Bisher seien es fünf Prozent gewesen, die über betriebseigene Solaranlagen generiert wurden.

Doch das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein. Bosch forciert weiter die Pläne zur Errichtung von zwei Windrädern zwischen Schwieberdingen und Korntal-Münchingen. Könne man auch von diesen Anlagen dereinst die Energie abnehmen, würde man die Hälfte des Stroms direkt aus grünen Quellen beziehen. Investor wäre hier die Firma Wpd. Die Genehmigung könne vielleicht in einem Jahr vorliegen, sagt Schneider. Außerdem müsse man mit etwas mehr als einem Jahr Lieferzeit rechnen. „Wenn man es sehr optimistisch sieht, könnte der Betrieb der Windräder Ende 2028 starten“, sagt Schneider. „Im Moment sind wir in den finalen Vertragsverhandlungen über den Stromliefervertrag mit dem Investor“, erklärt er.

Landwirt hat auch ein weinendes Auge

Die Module wurden auf einer Fläche von 6,2 Hektar installiert und könnten rechnerisch rund 2500 Haushalte mit Strom versorgen. Foto: Simon Granville

Bei Bosch liebäugelt man außerdem damit, das Portfolio um eine Agri-PV-Anlage zu ergänzen, die mit ihren senkrecht stehenden Modulen vor allem morgens und morgens und damit außerhalb der Spitzen Strom beisteuern könnte. Zudem könnten die Äcker trotz der Solarmodule weiter bestellt werden. Oder Landwirte halten darunter und dazwischen Tiere. Damit könnte Bosch den Anteil von vor Ort erzeugtem Öko-Strom auf 52 oder 53 Prozent schrauben, hat Schneider überschlagen.

Allerdings blüht und sprießt es auch unter der PV-Anlage in Markgröningen, nachdem eine regionale Saatgutmischung aus Gräsern und Blumen ausgebracht wurde. Zudem wird darüber nachgedacht, die Wiese – passend zur Schäferlaufstadt – von Schafen in Form bringen zu lassen. So nett das dann alles wahrscheinlich anzuschauen sein wird: Bei Martin Glaser blutet auch ein wenig das Herz, dass auf dem Feld kein Ackerbau mehr betrieben wird.

Glaser ist Landwirt in Markgröningen und derjenige, der die größten Grundstücksflächen für den Solarpark eingebracht hat. Doch trotz eines weinenden Auges begrüßt auch er die Installation der Solarmodule. Der Boden sei an dieser Stelle ohnehin schlecht. Außerdem sei es wichtig, sich von fossilen Brennstoffen zu verabschieden. Öl könne kein Mensch mehr bezahlen. „Wir müssen was machen für die Energiewende“, findet Glaser.