Holzgerlingen will keine neuen Baugebiete erschließen. Jetzt kommt es zu einem unerwarteten Glücksfall. Foto: /Thomas Bischof

Keine Neubaugebiete mehr für Holzgerlingen – das war Konsens. Nun aber wird ein Filetstück mitten in der Stadt frei. Es könnte hoch attraktiver Wohnraum entstehen.

Keine Neubaugebiete mehr für Holzgerlingen – darüber herrscht seit Jahren Konsens im Gemeinderat und bei der Verwaltung. Umso reizvoller scheint es da, wenn in unmittelbarer Nähe zu Innenstadt ein riesiges Areal frei wird.

 

Der Gemeinderat jedenfalls steht der Entwicklung des Geländes der Gärtnerei Wacker zu großen Teilen positiv gegenüber. Mit einer Mehrheit wurde der Weg für die weitere Planung freigemacht. Seit Jahren ist der Inhaber der Gärtnerei Wacker, Michael Wacker, im Gespräch mit der Verwaltung. Zwar möchte er den Familienbetrieb nicht aufgeben, sondern gar erweitern – aber eben nicht am jetzigen Standort zwischen Berken- und Richthofenstraße, quasi mitten in der Innenstadt. Aus Sicht der Stadt indes bietet das 16 800 Quadratmeter große Areal eine Menge Entwicklungspotenzial, merkte Bürgermeister Ioannis Delakos an. Nicht nur, weil es direkt an das Berkenschulzentrum grenzt, sondern auch, weil es Platz für Wohnraum bietet.

Platzt für Wohnraum und Schulerweiterung

Das Architekturbüro Zindel + Partner aus Stuttgart hat bereits Pläne ausgearbeitet, was man aus dem Gelände machen könnte, wenn Gutachten und Verfahren reibungslos abliefen. Dieser Idee zufolge würde die Fläche an der Seite des Geländes, das an das Berkenschulzentrum grenzt, an die Stadt veräußert werden (rund 7200 Quadratmeter). Die Schule braucht bekanntlich Platz – den gäbe es dem Planungsbüro zufolge für drei Gebäude und eine Schulhoferweiterung. Das restliche Areal (rund 9500 Quadratmeter) haben die Planer in drei Baufelder eingeteilt, auf denen 105 Mietwohnungen, aufgeteilt auf mehrere dreigeschossige Gebäude, und sechs Reihenhäuser entstehen sollen.

Tiefgaragen sollen Parkproblem gar nicht erst aufkommen lassen

Erschlossen werden soll das neue Wohngebiet durch eine neue Straße, die von der Berkenstraße bis zur Richthofenstraße führt, berichtete Joachim Zindel. Eine Parkproblematik, die vielen wohl gleich in den Kopf kommt, soll durch Tiefgaragen und Stellplätze auf dem Areal gar nicht erst entstehen. Geplant ist zudem eine Beheizung der neuen Gebäude durch Geothermie, zeigte der Architekt auf.

Bürgermeister Ioannis Delakos wies auf das Potenzial hin, das das innenstadt- und schulnahe Gebäude bietet. Dem konnte Jens Renz (Bürger für Natur und Umweltschutz) zwar nicht widersprechen, doch stieß seiner Fraktion die Frage auf: Brauchen wir das? Immerhin hätte die Bebauung immensen Einfluss auf Verkehr und Umwelt. Eberhard Binder (Freie Wähler) sah stellvertretend für seine Fraktion die positiven Argumente in der Überzahl – wenngleich er einräumte, dass das Projekt innerhalb der Fraktion kontrovers diskutiert worden sei. Ähnlich argumentierte Alexander Wanner (CDU): Zwar werde seine Fraktion das Projekt ebenfalls kritisch begleiten. Doch wenn man keine Neubaugebiete erschließen möchte und sich so ein Areal bietet, müsse man das nutzen.

Der Gemeinderat entschied sich mit drei Gegenstimmen und einer Enthaltung dafür, die Planung weiter voranzutreiben. Damit macht das Gremium den Weg frei für das Bebauungsplanverfahren und weitere Planungsschritte.