Verbessertes ÖPNV-Angebot für Interessenten aus Waiblingen und Fellbach: Die Linie 205 wird über Schmiden hinaus bis Stuttgart-Hofen verlängert. Für Linie 207 gibt’s zudem Gelenkbusse.
Der Stuttgarter Max-Eyth-See ist sicher ein gutes Ziel, zum Beispiel für einen Halbtagesausflug. Bewohner aus dem Remstal, speziell aus Waiblingen oder Fellbach, können für einen Trip dorthin in einigen Monaten auch den Linienbus nutzen. Denn die in der Kreishauptstadt startende Linie 205, die bislang in der Ortsmitte des Fellbacher Stadtteils Schmiden endete, wird künftig bis Stuttgart-Hofen und somit bis fast zum Ufer des Sees geführt.
Diese guten Nachrichten für die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs hatte Fellbachs Erster Bürgermeister Johannes Berner kürzlich im Gemeinderat parat. Den Hintergrund bildet die Ausschreibung zweier sogenannter Buslinienbündel durch den Rems-Murr-Kreis.
Künftig Haltestelle auch am Seniorenzentrum Schmiden
Dabei geht es insbesondere um Strecken, bei denen der Kreis und die Kommunen einspringen, um den gewünschten Status quo im ÖPNV zu halten. Die neuen Fahrpläne sollen dann ab Jahresbeginn 2027 für zehn Jahre gelten.
Der „Gewinn“, wie die neue Regelung skizziert wurde, betrifft somit Menschen aus Waiblingen, die künftig mit dem 205er nach Stuttgart-Hofen gelangen möchten. Doch die durch in Verhandlungen mit dem Landkreis und der Stadt Stuttgart erreichte Verlängerung über die Ortsmitte Schmiden hinaus ergibt auch Vorteile für Nutzer, die nicht bis ganz zum Max-Eyth-See wollen. Denn durch die im Zuge der Neuvergabe verlängerte Buslinie erhalten das Seniorenzentrum Schmiden und der Sportpark Schmiden mit dem Stadion und Abenteuerspielplatz eine direkte Busanbindung. Der Bau dieser neuen Haltestellen war zum Beispiel vom Fellbacher Stadtseniorenrat angeregt worden.
Durch den Endhaltepunkt der Linie 205 entsteht nach Berners Angaben zudem quasi eine neue direkte Umsteigemöglichkeit zu den Stadtbahnlinien U12 und U14. Dadurch wird nicht nur für Menschen aus Schmiden, sondern auch aus Waiblingen und Umgebung die Anbindung an das Stuttgarter Stadtbahnnetz deutlich verbessert. Das Angebot gilt allerdings vorerst nur im Stundentakt und montags bis freitags. Kleiner Hoffnungsschimmer, so der Bürgermeister: „Wenn die Fahrgastzahlen da sind, kann hier im Laufe der zehn Jahre auch nachverdichtet werden.“
Für die beiden neuen Bushaltestellen in Schmiden rechnet das Fellbacher Tiefbauamt mit Kosten in Höhe von 100 000 bis 150 000 Euro. Interessant ist diese neue Verbindung nach Hofen im Übrigen auch vor dem Hintergrund, dass die vor etlichen Jahren schon heiß diskutierte Verlängerung der U19 aus Stuttgart heraus bis nach Schmiden „in weite Ferne gerückt ist“, wie Berner im Gemeinderat ausführte.
Verbesserungen gibt es auch auf einer der am stärksten genutzten Buslinien im Rems-Murr-Kreis. Es geht um die bestens frequentierte Linie 207 zwischen Fellbach und Waiblingen. Als Ausweichmöglichkeit bei der aktuellen S-Bahn-Streckensperrung sind die derzeit noch eingesetzten Standardbusse, im Fachjargon Solobusse genannt, sehr häufig ziemlich voll.
Auf dieser Strecke werden künftig montags bis samstags Ziehharmonikabusse, also Gelenkbusse mit deutlich besserem Platzangebot, eingesetzt. Derartige Gelenkbusse hatte auch der Fellbacher Jugendgemeinderat „explizit gefordert“, wie es heißt.
Weiteres Plus auf dieser Linie 207: Gleichzeitig wird der 15-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten nicht nur zwischen Lutherkirche und dem Waiblinger Remspark, sondern einheitlich bis zur Haltestelle Alte Kelter in Fellbach geführt. Berner: „Das erhöht Kapazität und Komfort für die Fahrgäste.“ Außerdem sorge diese Verlängerung für eine klar verständliche Linienführung und erfordere auch keine zusätzlichen Abstellzeiten von Bussen in der künftigen Neuen Mitte Fellbach.
Anbindung der neuen Wohngebiete Rohrland und Kühegärten
Zur Gegenfinanzierung verzichtet die Stadt allerdings auf zwei bisher geplante Fahrtenpaare der Linie 212 zwischen Fellbach und Rommelshausen – je eine frühe Fahrt am Morgen und eine am späten Abend. Angesichts der dort bislang niedrigen Fahrgastzahlen bewertet die Stadtverwaltung Fellbach diesen Schritt als vertretbar. Schließlich gibt es zum Kernener Ortsteil durch die S-Bahn über Waiblingen eine taugliche Alternative.
Die Linie 207 ist zudem mit Blick auf die künftigen Fellbacher Wohngebiete Kühegärten sowie Rohrland (früheres Freibadareal) von besonderer Bedeutung. Unter dem Strich verbleiben bei dieser Buslinie für Fellbach jährliche Mehrkosten von rund 9500 Euro, wobei dies auch durch die Einsparungen aus der Kündigung des VVS-Stadttickets (rund 80 000 Euro pro Jahr) aufgefangen werden kann.
Linie 210 von Fellbach nach Rommelshausen wird eingestellt
Eine weitere, allerdings nicht ganz so positive Entwicklung im Linienbusverkehr des vorderen Remstals ist bereits seit ein paar Wochen bekannt. Es geht um die Linie 210 zwischen Fellbach, Waiblingen (Remspark, Danziger Platz) und Rommelshausen, die in absehbarer Zeit entfallen wird. Begründung ist auch hier die Direktverbindung per S-Bahn nach Rommelshausen. Zudem ist die Nachfrage durch Fahrgäste offenbar vergleichsweise gering.
In der schriftlichen Expertise des Fellbacher Stadtplaners Cornelius Ehlert heißt es: „Daher ist aus Sicht des Landkreises und der Stadtverwaltung kein wirklicher Mehrwert auf der Linie 210 erkennbar.“ Auf den Erhalt der Linie auf der Basis einer vollständigen Finanzierung durch die Stadt Fellbach werde deshalb verzichtet.