Die Ortsdurchfahrt in Strümpfelbach wird aufwendig saniert. Von kommendem Montag an soll die Baustelle eingerichtet werden. Foto: Gottfried Stoppel

Ab Mitte Februar wird die Ortsdurchfahrt in Strümpfelbach zur Dauerbaustelle. Für den Durchgangsverkehr, die Anwohner und Betriebe beginnt eine lange Zeit der Umwege.

Wenn in Strümpfelbach demnächst die Bagger anrollen, geht es nicht um ein paar Wochen Geduld, sondern um einen Kraftakt für ein ganzes Dorf. Vom 16. Februar an wird die Hindenburgstraße, die sich wie ein Rückgrat durch den Ort zieht, in mehreren Bauabschnitten vollständig saniert. Fast zwei Jahre lang, bis Ende 2027, wird die Ortsdurchfahrt abschnittsweise gesperrt. Für viele bedeutet das: Umwege, Lärm, Staub – und eine lange Phase der Unsicherheit.

 

Wie die Stadt Weinstadt mitteilt, beginnen bereits ab kommendem Montag, 9. Februar, vorbereitende Arbeiten zur Einrichtung der Baustelle. Die eigentliche Vollsperrung folgt eine Woche später. Erneuert werde dabei nicht nur der Straßenbelag. Unter der Hindenburgstraße sollen Kanalisation, Wasser- und Gasleitungen, Stromtrassen sowie Leerrohre für einen späteren Glasfaserausbau neu verlegt werden. Der enge Straßenquerschnitt mache die Maßnahme besonders anspruchsvoll, heißt es aus dem Rathaus.

Hindenburgstraße: Lebensader und Herausforderung für Strümpfelbach

Die Hindenburgstraße ist mehr als nur Asphalt. Sie verbindet das Alte Rathaus mit dem Ortsausgang Richtung Aichwald, sie ist Schulweg, Einkaufsmeile, Busstrecke und Durchgangsstraße zugleich. Entsprechend groß sind die Fragen, die viele Anwohner umtreiben: Wie kommen Kinder sicher zur Grundschule? Wo halten die Busse? Und was passiert mit dem Verkehr, der sonst täglich durch den Ort rollt?

Nach Angaben der Stadt soll die Erreichbarkeit der Grundschule während der gesamten Bauzeit gewährleistet bleiben. Entlang des Baufeldes werde jeweils eine Gehwegseite offen gehalten, bei Bedarf mit ausgewiesenen Alternativrouten. Der öffentliche Nahverkehr muss dennoch umgestellt werden: In den ersten Bauabschnitten wird die Wendeschleife der Linienbusse in die Kelterstraße verlegt, die Haltestelle Rathaus entfällt vorübergehend.

Der Durchgangsverkehr wird umgeleitet. Foto: Gottfried Stoppel

Der überörtliche Durchgangsverkehr wird großräumig umgeleitet – über den Stettener Sattel und das Esslinger Jägerhaus. Die Stadt kündigt an, das Durchfahrtsverbot in der gesperrten Straße zu überwachen. Für die Menschen vor Ort bedeutet das zwar mehr Ruhe vom Durchgangsverkehr, aber auch längere Wege im Alltag.

Geschäftsleute in Strümpfelbach trotzen der „Baukrise“ mit Kreativität

Besonders angespannt ist die Lage für die Geschäftsleute und Gastronomen entlang der Straße. Laufkundschaft droht auszufallen, spontane Besuche werden seltener. Viele Betriebe reagieren mit eigenen Strategien, zwischen Pragmatismus und vorsichtigem Optimismus.

Ein Beispiel ist das Weingut Kuhnle. In einem Schreiben an seine Kundinnen und Kunden weist der Familienbetrieb frühzeitig auf die bevorstehende Sperrung hin. Die Zufahrt aus Richtung der Bundesstraßen B14 und B29 bleibe jederzeit möglich, betont das Weingut. Gleichzeitig setzt der Betrieb auf Lieferservices, Versandaktionen und einen bewussten Verzicht auf Preiserhöhungen im Jahr 2026, um Einbußen abzufedern.

Solche Maßnahmen sind auch ein Signal an die Kundschaft: Der Betrieb bleibt erreichbar – wenn nötig auf anderen Wegen. Ähnliche Überlegungen gibt es bei anderen Gewerbetreibenden im Ort. Veranstaltungen sollen stattfinden, Empfehlungen für lokale Gastronomie werden ausgesprochen. Es ist der Versuch, Normalität zu bewahren, während vor der Haustür der Ausnahmezustand beginnt.

Strümpfelbach: Acht Bauetappen fordern Geduld und Verständnis

Die Stadt setzt auf eine abschnittsweise Bauweise in insgesamt acht Etappen, um die Belastung zu verteilen. Anwohner sollen rechtzeitig informiert werden, regelmäßige Vor-Ort-Termine sind angekündigt, um Fragen und Beschwerden aufzunehmen. Zugleich bittet die Verwaltung um Verständnis für Einschränkungen, die sich nicht vermeiden lassen.

Ob diese Kommunikationsstrategie trägt, wird sich zeigen. Fest steht: Die Sanierung ist notwendig, die Infrastruktur in die Jahre gekommen. Doch für Strümpfelbach wird sie zur Bewährungsprobe.