Dem US-Präsidenten geht es nicht nur um Fragen der Sicherheit, er will Grönland einfach besitzen. Seine Chancen darauf sind nicht einmal schlecht, kommentiert Christian Gottschalk.
Kleine Kinder können bekanntlich ziemlich halsstarrig sein, wenn sie sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt haben. Argumente kommen gegen ein lautstark vorgetragenes „ich will aber“ kaum an. Auch Donald Trump hat beim Thema Grönland ziemlich viel Halsstarrigkeit zu bieten. Militärisch offeriert Dänemark den USA die volle Kooperation, wirtschaftlich ließe sich vieles im Sinne des Weißen Hauses regeln. Doch das sind Angebote und Argumente. Trump will aber, und zwar die ganze Insel, und die will er besitzen. Im Unterschied zu kleinen Kindern hat der US-Präsident nicht nur Trotz, sondern auch Macht. Und die ist er bereit, einzusetzen.
Ehemalige Partner auflaufen lassen
Ohne die USA wäre die Nato ein ziemlich zahnloser Tiger und die Ukraine stünde auf verlorenem Posten. Das wissen die Europäer, das weiß Trump. Die Frage ist daher, wie weit der US-Präsident bereit ist, für die eigenen Interessen ehemalige Partner auflaufen zu lassen. Und da muss mit dem Schlimmsten gerechnet werden. Trump ist ein Spieler – ein skrupelloser, der die Regeln selbst bestimmt. Dass er die Nato und die Ukraine preisgeben würde, um zu bekommen, was er gerade will, damit muss man zumindest ernsthaft rechnen. Dass hingegen Europa den totalen Bruch riskiert, um den Status quo der größten Insel der Welt zu erhalten, ist eher unwahrscheinlich. Es wird also schon bald im Wesentlichen darum gehen, die besten Übergabebedingungen auszuloten.