„Gianni Schicchi“ wird gern gespielt auf den Bühnen. Der Ungar Dániel Máté Sándor hat die schwarzhumorige Oper im Theater Tri-Bühne auf spannende Weise zurecht gestutzt: „Gianni“.
Buoso Donati röchelt noch in seinem Bett, da verteilt dessen versammelte Verwandtschaft schon das Hab und Gut des Alten. Dumm nur, dass Buoso seine Besitztümer ein paar Mönchen vermacht hat. Deshalb soll sich der in der Gegend noch unbekannte Gianni Schicchi für ihn ausgeben und ein neues Testament in Buosos Namen verfassen. Das tut Gianni gern, nur fällt das Ergebnis anders aus, als es sich die Verwandtschaft erhofft hatte.
Giacomo Puccinis Kurzoper „Gianni Schicchi“ wirkt bis heute mit ihrem schwarzen Humor und ihrer musikalischen Dramatik. Der junge ungarische Theatermacher Dániel Máté Sándor hat das schöne Stück nun im Rahmen einer spannenden Performance als Live-Opernfilm am Theater Tri-Bühne inszeniert. Auf der erstaunlich tiefen Bühne hat die Szenenbildnerin Rebeka Artim eine komplette Wohnung aufgebaut, mit Flur, Ess- und Schlafzimmer-Abteil. Die üppige Ausstattung mit Tapeten, Möbeln und monströsem Kruzifix über Buosos Sterbebett ist voll witziger Verweise. Die vom Zuschauerraum aus linke Hälfte der Bühne liegt hinter einer Glasscheibe, die je nach Beleuchtung opak wird und als Projektionsfläche für live gemischte Kamerabilder und die deutschen Übertitel dient. Das Ensemble besteht aus Schauspielern, Gesang und Musik werden als Playback eingespielt. Dass die Lippenbewegungen der Darsteller nicht immer synchron zum Text geraten, ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Ob Dániel Máté Sándor diese Verzögerung bewusst kalkuliert und als Mittel der Verfremdung nutzt, oder ob es sich um einen technisch nicht lösbaren Makel handelt, bleibt unklar. Der Bühnenaufbau erinnert an die Kooperationen von Frank Castorf und Bert Neumann an der Berliner Volksbühne in den Neunziger und frühen Nuller-Jahren, die ganze Häuser auf die Bühne stellten, und mithilfe von Live-Kamera-Übertragung Vorgänge im Inneren sichtbar machten.
Der Bühnenaufbau erinnert an Frank Castorf
Dániel Máté Sándor verfährt ähnlich, vergrößert mit der Kamera, was vom Zuschauerraum aus sonst nicht sichtbar wäre. Schade ist nur, dass die meist opake Projektionsfläche das Bühnengeschehen verdeckt, so wird der Film gegenüber dem Spiel und Bühnenbild dominant. Die Gleichzeitigkeit von Bühnengeschehen und Film hätte Sándor wohl besser in einem Theater mit hohem Portal erreichen können, mit über der Spielfläche aufgehängter Projektionsfläche. Trotzdem: wie hier Bühnenspiel, Live-Kamera, Green- und Split-Screen sowie Innen- und Außenraum in einer Performance in einander montiert werden, ist beeindruckend.
Termine: 30., 31. 01., 15., 16., 17. 02.