Die Stadt Ditzingen geht mit einem Nothaushalt durchs kommende Jahr – vor allem auch wegen fehlender Gewerbesteuereinnahmen durch Trumpf. Foto: Simon Granville

Am Stammsitz von Trumpf wird es finanziell eng: Der Gemeinderat hat am Dienstag den Bericht des Kämmerers zu Kenntnis nehmen müssen. Dieser enthält eine klare Botschaft.

Das kommende Jahr wird in Ditzingen von einem „Nothaushalt“ geprägt sein. Mit diesem drastischen Wort hat der Kämmerer der Stadt am Dienstag im Gemeinderat die finanzielle Situation der Kommune beschrieben. Kein Geld mehr auf dem Sparbuch, nicht genug Mittel, um die laufenden Ausgaben zu bezahlen. Doch zugleich steckt die Stadt inmitten der größten Investition der jüngeren Stadtgeschichte – dem Neubau einer zentralen Grundschule, der Doris-Leibinger-Schule.

 

Die Haushaltslage ist inzwischen deutlich düsterer als erwartet. Schuld daran sei der Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen, der stärker ausfalle als angenommen und als in den Planungen berücksichtigt war, so der Kämmerer Patrick Maier. Das liegt vor allem auch an der Lage bei Trumpf und dem Millionenverlust des Maschinenbauers. Im Vergleich zum Rekordjahr 2023 – die Stadt nahm 80 Millionen Euro aus Gewerbesteuern ein – verbucht sie in diesem Jahr voraussichtlich 18 Millionen Euro. Das ist ein Minus von 79 Prozent.

Finanzen von Ditzingen: Reserven sind aufgebraucht, Defizit ist groß

Zugleich muss die Stadt zwei Jahre nach diesem Rekordergebnis entsprechend hohe Umlagen an den Staat zahlen. Weil aber alle Reserven aufgebraucht sind, kann die Stadt selbst ihre laufenden Ausgaben nicht mehr schultern. „Das ursprünglich geplante Defizit von 8,7 Millionen Euro verschlechtert sich um rund 6,5 Millionen auf 15,2 Millionen Euro“, sagt der Kämmerer. Mittelfristig bis zum Jahr 2029 werde sich „nicht wirklich viel entwickeln“. Kleine Verbesserungen spielten „keine große Rolle“, weil „das Defizit sehr groß bleiben wird“. Es bleibe bei mehr als zehn Millionen.

Das Zahlungsmittelsaldo macht ihm nach eigenem Angaben allerdings weitaus größere Sorgen: Die Deckungslücke beträgt 37 Millionen Euro. Bisher habe man die Deckungslücke schließen können, etwa durch das Abschmelzen der Rücklage und indem Kredite an die Eigenbetriebe zurückgeholt wurden. Die Rücklage ist aufgebraucht, die Zahl der vergebenen Kredite endlich. Kredite aufzunehmen ist aus Sicht der Verwaltung keine Lösung, weil das Geld fehle, um sie zu tilgen.

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Vor diesem Hintergrund hat der Gemeinderat mehrere Gebührenerhöhungen beschlossen. Unter anderem soll der Bibliotheksausweis teurer und die Pacht für städtische Kleingartenanlagen erhöht werden. In der anstehenden Haushaltsberatung werden sich die Räte auch mit dem Thema Steuererhöhung befassen müssen. Auch das hat der Kämmerer bereits angekündigt.